Südpfalz Tourismus: Wie kann das Naturerlebnis nachhaltig sein?

Die Südpfalz hat für Touristen einiges zu bieten, zum Beispiel den Orensfels bei Frankweiler.
Die Südpfalz hat für Touristen einiges zu bieten, zum Beispiel den Orensfels bei Frankweiler.

Vier Studentinnen des Studiengangs „Mensch und Umwelt“ an der Universität in Landau haben sich in einer Seminararbeit mit Tourismus befasst. Das Ergebnis ist ein Kommentar.

Diana Cyriacks, Clara Egger, Leonie Linsler und Monika Rauch sind keine Südpfälzerinnen. Sie sind zum Studium nach Landau gekommen. An der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) Kaiserslautern-Landau studieren sie das Fach „Mensch und Umwelt“. Seit dem Wintersemester 2016/17 bietet die Universität diesen Bachelorstudiengang an. Er richtet sich als natur-, umwelt- und sozialwissenschaftliches Erststudium an Interessierte, die ein breit angelegtes Studium mit dem Schwerpunkt „Umwelt“ suchen. Dabei geht es auch um Psychologie und Kommunikation.

Die vier Studentinnen hatten für eine Arbeit beim Studienseminar zum Thema Praktische Umsetzung der Umweltkommunikation den Auftrag, ein Experten-Interview zu führen und einen Kommentar zu verfassen. Sie entschieden sich für das Thema Tourismus, befragten Nadine Schubert vom Verein Pfalz Touristik und schrieben einen Kommentar, den sie der RHEINPFALZ zur Veröffentlichung anboten. Die Redaktion sieht darin eine Chance, ihren Lesern einen Einblick in die Arbeit der jungen Studierenden zu geben. Als Ich-Erzählerin fungiert Clara Egger. Lea Linsler schreibt der Redaktion: „Unser Ziel ist es, einen Denkanstoß zu geben und das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklungen im Tourismus zu stärken.“

Der Text der Studentinnen

Letzten Sommer hatte meine Familie zum ersten Mal eine hitzige Diskussion über unseren Urlaub. Nicht über das Ziel – das stand fest: Kroatien. Die Frage war: Wie wollen wir dorthin? Flugzeug oder Auto?

Ich persönlich befinde mich in einem moralischen Dilemma, denn ich bin Umweltstudentin. Mein Alltag dreht sich um CO2-Bilanzen, Kipppunkte und die Frage, wie wir die Klimakrise noch abmildern können. Für mich war klar: Fliegen kommt nicht infrage. Nach einigem Überlegen entschieden wir uns fürs Auto – zum Leidwesen meiner Eltern, deren Rücken die 14-stündige Fahrt weniger nachhaltig verkraftet haben als das Klima.

Durchschnittliche Jahrestemperatur bereits um 1,7 Grad gestiegen

Konsequenz: Nach Kroatien wird künftig geflogen. Aber was ist mit Urlaub vor der eigenen Haustür? Ich wohne in Landau, mitten in der Pfalz. Also warum nicht mal das eigene Bundesland erkunden? Zumal die Pfalz längst als Vorreiterin für nachhaltigen Tourismus gilt.

Und das ist auch dringend nötig. Die Pfalz mit ihren Weinbergen, dem dichten Pfälzerwald und idyllischen Dörfern wirkt auf den ersten Blick wie eine Postkarte – doch der Klimawandel macht auch vor ihr nicht halt. Die Datenlage ist eindeutig: Die durchschnittliche Jahrestemperatur ist bereits um 1,7 Grad Celsius gestiegen, extreme Trockenphasen und Starkregenereignisse nehmen zu. Die einst stabilen Wetterverhältnisse geraten aus dem Gleichgewicht.

Hinten (von links nach rechts): Monika Rauch, Leonie Linsler; Vorne (von links nach rechts): Diana Cyriacks, Clara Egger.
Hinten (von links nach rechts): Monika Rauch, Leonie Linsler; Vorne (von links nach rechts): Diana Cyriacks, Clara Egger.

Nachhaltiger Tourismus geht über reinen Umweltschutz hinaus

Ironischerweise ist es ausgerechnet der Tourismus – der mit fünf bis acht Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen beiträgt –, der besonders auf eine intakte Natur angewiesen ist. Ohne Natur keine Gäste – und ohne Gäste keine wirtschaftliche Perspektive für viele Regionen. Schon jetzt verursachen klimabedingte Schäden an der Infrastruktur hohe Kosten. Veränderungen in der Vegetation und der Artenvielfalt beeinflussen das Reiseerlebnis spürbar.

Hier setzt nachhaltiger Tourismus an – und dieser geht weit über reinen Umweltschutz hinaus. Es geht darum, vorhandene Natur- und Kulturlandschaften so zu gestalten und zu nutzen, dass sie auch kommenden Generationen erhalten bleiben. Nachhaltigkeit bedeutet eben nicht nur, Wälder und Felder zu bewahren, sondern auch, regionale Betriebe zukunftsfähig zu machen und soziale Aspekte mitzudenken: faire Arbeitsbedingungen, Lebensqualität vor Ort, Erhalt kultureller Identität.

Mehr Rad- und Wanderwege, weniger Autos

Doch wie lässt sich das konkret umsetzen? Ein Konzept ist der sogenannte „sanfte Tourismus“. Hier steht die umweltfreundliche Mobilität im Fokus: mehr Rad- und Wanderwege, ein besser ausgebauter öffentlicher Nahverkehr, weniger Autos. Freizeitangebote sollen auch der lokalen Bevölkerung zugutekommen. Regionale Produkte und lokale Wertschöpfung gehören ebenso dazu. Auch in der Pfalz gibt es regionale Projekte, die sich diesen Herausforderungen annehmen.

Ein Impulsgeber ist hier die Urlaubsregion Deutsche Weinstraße, die dafür verantwortlich ist, dass die Region Deutsche Weinstraße bereits 2020 als „Nachhaltiges Reiseziel“ zertifiziert wurde – ein Prozess, der 2017 begann und bis heute fortgeführt wird. Nachhaltigkeit ist schließlich kein einmaliger Stempel, sondern eine dauerhafte Verpflichtung zur Weiterentwicklung. Im Zentrum stehen Umwelt- und Naturschutz, regionale Wirtschaftskreisläufe und die Lebensqualität der Menschen vor Ort.

Vom Wandel überzeugen, ist nicht einfach

Blicke ich auf unseren Kroatien-Urlaub zurück, wird mir bewusst, dass ein Netz aus Beteiligten dafür gesorgt hat, dass unser Urlaub wunderschön war. Die Anfahrt mit dem Auto, die Unterkunft mit Blick übers Meer. Die Wege zum Strand, zum Wandern, in die Stadt. Essen gehen und so vieles mehr. All dies lief über unterschiedliche Betriebe und Anbieter.

Erst wenn ich mich damit auseinandersetze, was Tourismus bedeutet, wird mir klar, vor welcher Herausforderung Kommunen und Verbände stehen, die Tourismus nachhaltiger gestalten wollen. All diese einzelnen Anbieter mit unterschiedlichen Problemen und Bedürfnissen zum gemeinsamen Wandel zu überzeugen, kann nicht einfach sein. Genau deshalb wollte ich mehr über die Projekte der Urlaubsregion Deutsche Weinstraße wissen.

Natur bewahren, lokale Strukturen stärken, Rücksicht auf Anwohner nehmen

Daher habe ich mit Nadine Schubert gesprochen. Sie hat das Projekt der Urlaubsregion Deutsche Weinstraße in den zurückliegenden Jahren begleitet und arbeitet nun als Projektmanagerin für Nachhaltigkeit und Mobilität bei der Pfalz Touristik, einem Partner des Tourismusverbands Deutsche Weinstraße. Ihr Ziel: Den Urlaub in der Pfalz möglichst umweltschonend und verantwortungsbewusst zu gestalten.

Eines ihrer Projekte ist das „Fahrtziel Natur“ – eine Kooperation der Touristik mit den drei großen Umweltverbänden Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Naturschutz Deutschland (Nabu) und Verkehrsclub Deutschland (VCD) sowie der Deutschen Bahn. Ziel der Kooperation: touristischen Verkehr in sensiblen Naturräumen vom privaten Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel zu verlagern – somit CO2-Emissionen einsparen und einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten. Hier fließen viele Elemente des sanften Tourismus zusammen: Natur bewahren, lokale Strukturen stärken und Rücksicht auf Anwohnende nehmen.

Ausbau des ÖPNV kann viel bewegen

Gerade im Bereich Mobilität besteht laut Frau Schubert großes Einsparpotenzial für Treibhausgase. Denn die An- und Abreise verursachen meist den größten Teil der Emissionen. Der Ausbau des ÖPNV und besser vernetzte Mobilitätsangebote können hier viel bewirken – nicht nur ökologisch, sondern auch sozial und wirtschaftlich.

Ich bin gerade nicht im Urlaub – vielleicht denke ich genau deshalb in letzter Zeit viel darüber nach, was mir beim Reisen eigentlich wichtig ist. Früher hab ich mir darüber ehrlich gesagt kaum Gedanken gemacht. Der nächste Trip musste einfach erholsam und schön sein.

Nachhaltiges Reisen ist einfacher als gedacht

Heute weiß ich: Nachhaltiger zu reisen ist oft viel einfacher, als man denkt. Mit ein bisschen Vorbereitung und Bewusstsein können wir schon viel bewirken – weniger Emissionen, mehr Rücksicht auf Natur und Menschen vor Ort. Und das fühlt sich richtig gut an! Denn Urlaub bleibt wichtig. Wir brauchen Pausen. Aber zu wissen, dass meine Erholung nicht auf Kosten anderer geht – das macht sie erst richtig entspannend.

Tourismus kann vieles sein: ein Umweltproblem und eine wirtschaftliche Belastung für Regionen. Oder aber er ist ein Weg, unsere Landschaften zu schützen, Gemeinschaften zu stärken und Zukunft möglich zu machen. Die Entscheidung liegt bei uns!

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