Landau Tomaten Top, Maiglöckchen Flop
Bereits vor Veranstaltungsbeginn um 14 Uhr herrscht vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Rohrbach ein reges Treiben. Gartenfreunde aus der ganzen Südpfalz sind gekommen und präsentieren Pflanzen, für die es im heimischen Garten keinen Platz mehr gibt. Aber auf den Kompost werfen, das kommt für sie nicht infrage. Lieber sind sie nach Rohrbach gekommen, wo zweimal im Jahr, und zwar immer Ende April und Ende September, die Pflanzentausch-Aktion stattfindet, um für ihre Pflanzen einen neuen Besitzer zu finden. Rohrbacher Frauen spendieren den Gästen auf ehrenamtlicher Basis Kaffee und Kuchen, die Gemeinde hat Biertische und Geschirr zur Verfügung gestellt. Wer nichts zu tauschen hat, kann dennoch gegen einen kleinen Obolus Pflanzen mitnehmen. „Das, was am Ende übrig bleibt, wird verschenkt“, erzählt Hobbygärtnerin Inge Angenendt. Von ihr stammt die Idee zum Aktionstag, seit nunmehr sieben Jahren sorgt sie für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. Was muss denn beim Frühjahrsputz im Garten unbedingt raus? Nun, alles was im Gewächshaus vorgezogen wurde und danach im Überfluss vorhanden ist. Bei Familie Brühl aus Bad Bergzabern sind das Dattel-, Roma- und Kirschtomatensetzlinge. Alle Sorten sind heiß begehrt. Auch Sohn Gustav betätigt sich im Alter von 13 Jahren bereits als Hobbygärtner und bietet selbst gezogene Erdbeer- und Salatpflanzen an. Mit der RHEINPFALZ-Berichterstatterin, die Maiglöckchen im Angebot hat, will der Junge jedoch nicht tauschen – er kennt sich halt trotz seiner Jugend schon gut aus in der Pflanzenwelt. Warum die hübschen Maiglöckchen bei den Gartenfreunden auf wenig Gegenliebe stoßen, erklärte Claudia Werner aus Rheinzabern. Sie selbst hat eine Schwertlilie im Angebot, die ebenfalls schwer an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen ist. „Beide Pflanzen sind sogenannte Rhizome, die sich über Erdsprossen ausbreiten, vor keinem Hindernis haltmachen und über kurz oder lang den kompletten Garten beherrschen – wenn der Mensch nicht Einhalt gebietet.“ Die erfahrene Gärtnerin hat auch Schafgarbe, Hauswurz, Zier-Johannisbeere, Mangold und Kohlrabi dabei und alles geht problemlos über den Tauschtisch. Ein weiteres Kind, das sich fürs Gärtnern begeistert, ist Pascal Herzog aus Hayna. Der Achtjährige bietet den Gästen verschiedene Salatsorten, Petersilie und Zitronenmelisse an. Stolz zeigt er auf seinem Smartphone seine Wachteln, deren Lieblingsspeise der Löwenzahn sei. Bei Tilla Schneider aus Rohrbach findet man ganz besondere Zierpflanzen, wie den weißblühenden Ziertabak und die bildschöne Wunderblume. Maiglöckchen will aber auch sie nicht im Garten haben, da Verwechslungsgefahr mit Bärlauch bestehe, wie sie erklärt. „Während man aus dem knoblauchartigen Küchenkraut köstliche Pestos herstellen kann, sind Maiglöckchen giftig“, gibt Schneider zudem zu bedenken. Und dann, als die RHEINPFALZ-Berichterstatterin schon die Hoffnung aufgegeben hatte, ihre Maiglöckchen gegen eine andere Pflanze eintauschen zu können, geschieht doch noch ein kleines Wunder: Eine nette Dame erbarmt sich der ungeliebten Maiglöckchen und gibt drei Storchenschnäbel dafür. Na also, geht doch.