Landau
Streit um Digitalpakt-Laptops treibt seltsame Blüten
Die Zuteilung von Tablets an die Landauer Schulen sorgt weiterhin für Ärger. Der Grund: Die mit Geld aus dem Digitalpakt georderten knapp 1000 Geräte reichen nicht aus. Zumindest nicht, um alle Kinder auszustatten, die in den Genuss der Lernmittelfreiheit kommen. Eine solche Kopplung läge ja nahe: Wer die Schulbücher nicht zahlen kann, wird sich mit einem Laptop oder Netbook ebenfalls schwer tun. Erst Ende Januar hatte die SPD-Stadtratsfraktion deshalb gefordert, für 120.000 Euro aus dem Etat der Stadt zusätzliche 300 Tablets zu beschaffen.
Dieser Antrag hatte zu einem Wutanfall der Grünen-Stadträtin Jenni Follmann geführt: Er kotze sie an. Sie hatte dem SPD-Fraktionsvorsitzenden und Landtagskandidaten Florian Maier vorgeworfen, nur deshalb einen so „populistischen“ Antrag zu stellen, weil er davon ausgegangen sei, dass die Ratsmehrheit ihn ablehnen werde. Dann, so Follmann, werde sich Maier wohl hinstellen und der grün-schwarz-gelben Ratsmehrheit vorwerfen, nicht genug für die Schüler zu tun.
Neues Schuljahr, neues Problem
Das eine war so passiert, das andere nicht: Die Mehrheit hatte den teuren SPD-Vorstoß abgeschmettert, unter anderem, weil sich das Problem nächstes Jahr mit neuen Kindern, die Anspruch auf Lernmittelfreiheit haben, abermals stellen wird. Und weil man darauf hofft, dass die Landesregierung nachlegt und die Kommunen weitere Computer anschaffen können, ohne selbst in die Kasse greifen zu müssen. Sehr verständlich. Eines ist aber bisher nicht eingetreten: Maier ist mit der bösen Mehrheit, die arme Kinderchen im Regen stehen lässt, bisher nicht hausieren gegangen.
Natürlich hätten sich die Grünen auch mit SPD und FDP zusammentun können, um ihren Parteifreunden in der Regierung zu signalisieren, dass sie es unsäglich finden, dass die Technikausstattung der SchuIen auch im zweiten Lockdown noch immer nicht ausreicht. Aber alle wollen es sich ja mit den eigenen Kumpels nicht verstrampeln.
Hat die Kars was übrig?
Die Grünen hatten inzwischen aber eine clevere Idee, wie man ohne eigene Initiative des Mangels Herr werden könnte. Die Fraktionsvorsitzende Lea Saßnowski fragte im Hauptausschuss an, wo denn die Digitalpakt-Netbooks bleiben. Denn sie wisse zum Beispiel von der Konrad-Adenauer-Realschule plus (Kars), dass die noch keine bekommen habe. Saßnowski wusste aber noch mehr: dass die Kars von ihrem Förderverein inzwischen gut ausgestattet worden sei. Dem sei es gelungen, 250 Geräte zu besorgen. Wie berichtet, hatte der Verein um ausgediente, aber noch funktionsfähige Geräte gebeten, um Schülern aus weniger wohlhabenden Familien den Zugang zum Homeschooling zu eröffnen. Eine entsprechende Bitte war in der RHEINPFALZ veröffentlicht worden und hatte unter anderem dank Firmenspenden ein schönes Ergebnis erbracht.
Saßnowski wollte dann ganz unschuldig von Schuldezernent Maximilian Ingenthron (SPD) wissen, ob vielleicht manche Schulen mehr Geräte als Bedarf hätten und die ihnen aus dem Digitalpakt zustehenden Tablets anderen Schulen übertragen könnten. Das kann man nun kreativ, naiv oder auch dreist finden. Letzteres zumindest dann, wenn die Grünen-Politikerin mit den Kars-Geräten andere Schulen beglücken wollte, weil der Förderverein den Kars-Grundbedarf ja schon gedeckt hat.
Kein Fall für Nächstenliebe
Ingenthron glaubt aber nicht, dass dies so kommt. Denn die Geräte sollen den Schülern per Leihvertrag übertragen werden und sie durch ihre gesamte Schullaufbahn begleiten. Da aber jede Schule auch im nächsten Jahr Schüler-Neuzugänge haben werde, halte er es für unwahrscheinlich, dass eine Einrichtung freiwillig verzichten würde.
Es bleibe den Schulen überlassen, wie sie die Technik verteilen wollen, sagte der Bürgermeister. Sie könnten die Tablets beispielsweise für ihre Eingangsklassen verwenden, oder damit ihre Abschlussklassen ausstatten. Nur so viel könne er sagen: Die Geräte würden ziemlich sicher noch in diesem Monat an die Schulen ausgeliefert.
Eines scheint klar: Nächstenliebe ist wunderbar, aber die Kars wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie auf die ihr zustehenden Tablets aus dem Digitalpakt verzichten würde. Denn mal angenommen, eines der gespendeten Gebrauchtgeräte gibt den Geist auf: Wer sorgt dann für Ersatz?