Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Stadt soll Wendeltreppe zurückgeben

Der Schlachthofturm war früher ein Wasserturm.
Der Schlachthofturm war früher ein Wasserturm.

Ist das Raubkunst? Im Alten Kaufhaus gibt es eine schöne gusseiserne Wendeltreppe als Zugang zu einer kleinen Empore für Beleuchter und Tontechniker. Die stammt ursprünglich aus dem Schlachthofturm in Landau. Und dessen Eigentümer fordern sie nun zurück.

„Ja, wir legen großen Wert auf die Rückführung der Wendeltreppe, nämlich dahin, wo sie herkommt und auch hingehört – in den alten Schlachthofturm.“ So steht es in einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Thomas Hirsch. Allerdings fragen die Eigentümer des Turms nicht etwa an, ob sie die Treppe zurückkaufen können, sondern meinen, deren Rückgabe sei „eher eine Pflicht“.

Eigentlich geht es sogar um drei solcher Treppen, die im ehemaligen Wasserturm des 1893 bis 1899 errichteten Landauer Schlachthofs eingebaut waren. Zwei sind für die neuen Eigentümer offenbar verloren, weil sie sich heute in Privatbesitz befinden, aber die dritte ist in öffentlicher Hand. Sie ist im Alten Kaufhaus eingebaut. Der Schlachthofturm sei nun so weit hergestellt, aber es fehlten die Treppen zu seiner Erschließung, schreibt das Eigentümer-Ehepaar an den Oberbürgermeister. Im Alten Kaufhaus wäre die Treppe verzichtbar, weil sie dort nicht ursprünglich hingehöre und weil sie nur zu einer kleinen Empore für die Veranstaltungstechniker führe, also keine besondere Bedeutung habe.

Stadt macht zwei Vorschläge

Der Streit um das gusseiserne Schmuckstück – andernorts steht so etwas unter Denkmalschutz – schwelt offenbar schon länger: Die beiden Verfasser gehen auf den vorausgegangenen Schriftwechsel mit der Stadtverwaltung ein, auf „zahlreiche Bitten“ ihrerseits und „seit Jahren immer wieder die gleichen Antworten“ der Verwaltung. Die hat sich nicht einmal rundheraus ablehnend geäußert, sondern zwei konkrete Lösungsvorschläge gemacht. So könne das Ehepaar eine Ersatztreppe für das Alte Kaufhaus liefern und einbauen lassen, oder es könne eine gleichartige Treppe für den eigenen Bedarf nachbauen lassen.

Letzteres ist den Türmern zu teuer: Es würde wohl über 15.000 Euro kosten. Der Preis scheint halbwegs realistisch. Tatsächlich werden ähnlich aufwendige Gusseisentreppen unter anderem bei Ebay angeboten, sei es als moderner Nachguss, sei es als historisches Original. Aber auch mit dem zweiten Vorschlag der Stadt kann sich das Ehepaar offenbar nicht anfreunden: mit der Lieferung einer Ersatztreppe für das Alte Kaufhaus. „Wie begründet sich Ihre Forderung, uns eine vergleichbare Treppe als Ersatz für das Alte Kaufhaus abzuverlangen?“ Eine solche Treppe habe es dort nie gegeben. Andere Kommunen seien da viel großzügiger, meinen die Bauherren: Die würden Sanierungen gerne unterstützen und gäben „entnommene Einrichtungen bei Inbetriebnahme selbstverständlich und ohne Entschädigung zu verlangen, wieder zurück“.

Seit 90-er-Jahren im Alten Kaufhaus

Die Stadt Landau erklärt auf Anfrage, wie die Treppe überhaupt ins Alte Kaufhaus gekommen sei. Bei der Schließung des Schlachthofs – der längst zur architektonisch preisgekrönten Stadtbücherei umgebaut worden ist – sei verschiedenes Inventar abgegeben beziehungsweise „verlagert“ worden. Damals sei die Wendeltreppe des Turms ins Alte Kaufhaus gekommen, das damals gerade saniert wurde. Zu jener Zeit habe der Schlachthofturm auch noch nicht unter Denkmalschutz gestanden; das sei erst 2007 erfolgt. Der Kaufvertrag über den Turm sei 2014 geschlossen worden, als die Treppe dort längst nicht mehr vorhanden gewesen sei. Von einer Forderung, die Treppe wieder in den Turm einzubauen, sei damals keine Rede gewesen. Vielmehr sei der Turmverkauf quasi nach dem Prinzip „gekauft wie gesehen“ erfolgt. Ein Anspruch auf Rückführung der Treppe „besteht somit nicht“, so die Stadt.

Die Stadt und die Bauerren reiben sich schon länger aneinander. Im Mai 2019 hatte sich der Bauausschuss sowohl über den schleppenden Baufortschritt bei der Sanierung des Turms beschwert, als auch über Abweichungen vom ursprünglichen Nutzungskonzept. Während zunächst ein Atelier und Räume unter anderem für eine Heilpraktierpraxis versprochen worden waren, entwickelte sich das Projekt mehr und mehr in Richtung Wohnungen, was der Bauauschuss nur zähneknirschend genehmigte. Wenn man die von Anfang an zugelassen hätte, hätte die Stadt einen besseren Preis erzielen können, hatte Stadtrat Peter Lerch (CDU) gesagt, der ebenso wie Wolfgang Freiermuth (FWG) darüber klagte, dass der Investor die Stadt an der Nase beziehungsweise am Nasenring herumführe.

Nach den jüngsten Angaben der Eigentümer ist nun offenbar geplant, ein Geschäft für Innenarchitektur und Raumausstattujng im Erdgeschoss des Turms unterzubringen.

Ein Detail des gusseisernen Treppe, die seit Langem im Alten Kaufhaus eingebaut ist.
Ein Detail des gusseisernen Treppe, die seit Langem im Alten Kaufhaus eingebaut ist.
Die Wendeltreppe führt zur Empore mit der Veranstaltungstechnik.
Die Wendeltreppe führt zur Empore mit der Veranstaltungstechnik.
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