Landau Stühlerücken am virtuellen runden Tisch

„So wenig habe ich noch nie geschlafen“, sagt Lisa Reinheimer strahlend. Den Erfolg der Kundgebung gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit am Montag auf dem Rathausplatz kann die 24-Jährige noch immer nicht fassen. Ein Erfolg, der auch auf ihr Konto geht. Oder besser auf ihre Facebook-Seite #wirsindlandau. Über sie hatte die Studentin die Einladung zum Event publik gemacht und vor allem junge Leute dafür gewonnen.
Das Handy ist lautlos gestellt. Seit Sonntag klingelt es ständig. „Ich wollte als Bürgerin etwas machen“, nennt sie als Motivation, Zeit und Gehirnschmalz in das Projekt zu investieren. „Etwas Junges, Kreatives.“ Nach den Ereignissen in Paris will sie nicht untätig sein und ist sich sicher, dass es auch anderen so geht. Denn die Studentin, die bald ihr Lehramtsstudium für Gymnasien mit der Fächerkombination Englisch, Ethik und Sozialkunde abschließt, beobachtet immer wieder, dass junge Leute sich durchaus für eine Sache engagieren wollen, am liebsten jedoch projektorientiert. „Viele haben ein Problem damit, in eine Partei einzutreten oder sich an einen Verein zu binden, weil sie sich nicht pauschal verpflichten wollen.“ Auch viermal im Jahr eine Sitzung zu besuchen, reicht Reinheimer nicht. „Ich will etwas richtig Aktives machen“, sagt die bildhübsche junge Frau mit Nachdruck. In den Medien wird überall zu Anti-Pegida-Kundgebungen aufgerufen. „Doch das ist das falsche Format.“ Sie suchte nach etwas Übergeordnetem, das die Sache trifft, aber bei der sich möglichst viele wiedererkennen. „Ich will ein Projekt, bei dem die Leute für und nicht gegen eine Sache sind.“ Heraus kommt eine „Aktion für Toleranz und ein friedliches Miteinander in unserer Stadt“. Unterstützung hat sie dabei von Aydin Tas, dem ehemaligen Vorsitzenden des Beirates für Migration und Integration, und Rebekka Weiland, die wie Lisa an der Uni sehr aktiv ist. Über Facebook tauschen sie sich aus. Doch was tun? Als es sich rumspricht, dass der SPD-Fraktionsvorsitzende Maximilian Ingenthron für eine Kundgebung auf dem Rathausplatz wirbt, ist Lisa Reinheimer sofort klar, dass sie sich dranhängen will, statt krampfhaft weiter nach einer eigenen Aktion zu suchen. „Ich sorge dafür, dass die Kundgebung noch mehr Zulauf bekommt“, nimmt sie sich vor. Mit einer eigens dafür erstellten Facebook-Seite und durch Netzwerken. Ein Freund aus dem Marketing hilft. „Ich wollte einen jungen, modernen Auftritt, aber auch einen neutralen.“ Der Farbverlauf hinter dem Schriftzug und der Hashtag (#) mit dem Slogan „Wir sind Landau“. „ Es sollte hübsch sein, die Leute ansprechen.“ Es klappt. Nahezu alle Institutionen und Personen, die Lisa anschreibt, teilen. „Man muss nicht alle an einen runden Tisch setzen. Man muss die Leute nur für eine gemeinsame Sache gewinnen. Die Seite #wirsindlandau könnte eine Plattform für Bürgerbeteiligung werden“, hofft die 24-Jährige, die vor Ideen sprudelt. „Sie könnte Helfen, Menschen zusammenzubringen, über alle Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg.“ Ihr persönlich habe das Projekt gezeigt, wie viel man in kürzester Zeit erreichen kann. Lehrerin sei immer noch ihr Wunschberuf, sagt sie. „Ich könnte mir aber auch vorstellen, beruflich in diese Richtung zu gehen.“ (git)