Landau
Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung mit neuem Stützpunkt in Landau
Zu Hause sterben, gut versorgt, in Würde, ohne unerträgliche Schmerzen – so wünschen sich wohl viele Menschen ihre letzten Tage. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus: Angehörige sind heillos überfordert, all das zu organisieren, was notwendig ist, und gleichzeitig den eigenen Schmerz zu bewältigen. In Landau gibt es seit einigen Wochen eine Institution, die hilft. Sie nennt sich Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung, kurz SAPV. Träger sind die Speyerer Diakonissen.
Das Angebot richtet sich an Menschen, denen keine Therapie mehr helfen kann. Sie leiden an einer unheilbaren Krankheit in fortgeschrittenem Stadium, ihre restliche Lebenszeit ist überschaubar kurz. Meist handelt es sich um Krebserkrankungen, aber auch neurologische und internistische Krankheiten sind dabei. Symptome wie Atemnot, Übelkeit und Angst quälen häufig die Sterbenden.
„Es sind schwerstkranke Menschen, die eine aufwendige Versorgung brauchen, aber nicht im Krankenhaus sein wollen“, erklärt Annette Becker-Annen, Leiterin und Koordinatorin des Palliativnetzes Süd- und Vorderpfalz mit Stützpunkten in Speyer, Landau und Bad Dürkheim. „Unsere Aufgabe ist es, die Symptome zu lindern, und wenn es machbar ist, noch etwas Lebensqualität zu vermitteln.“ Das SAPV-Team, dessen Landauer Stützpunkt im Ärztehaus an der Max-Planck-Straße ist, besteht aus neun Pflegekräften, alle mit Spezialausbildung, und zwei Palliativmedizinern, die in Vollzeit arbeiten. Mit einbezogen sind allerdings sehr viel mehr Fachkräfte, denn das SAPV arbeitet eng mit Haus- und Fachärzten, Pflegediensten, den ambulanten Hospizdiensten, Psychologen und Seelsorgern zusammen. Bezogen auf den einzelnen Patienten trifft man sich zum regelmäßigen Austausch.
Aktuell 20 Patienten aus der Region
Zurzeit werden rund 20 Patienten in Landau und der Südlichen Weinstraße betreut. Zum Versorgungsbereich gehören außerdem die Verbandsgemeinden Hauenstein und Dahn. Oberbürgermeister Thomas Hirsch hat sich in diesen Tagen über das Palliativnetz informiert. „Es geht bei dieser Versorgung um Menschen mit hoher Schmerzintensität“, sagt er. Im Kontakt mit Angehörigen habe er die Hilflosigkeit und Dramatik der Situation erlebt. „Ich bin sehr dankbar, dass wir nach etwas holprigem Start diesen Dienst endlich haben.“
Das Angebot der Palliativversorgung ist umfassend und reicht von Beratung bis zur psychosozialen Begleitung und Unterstützung beim Umgang mit Sterben und Tod. Regelmäßige Hausbesuche gehören dazu. Die Regelversorgung durch den Hausarzt und ambulante Dienste wird unterstützt und ergänzt. Ganz wichtig: Es gibt eine Rufbereitschaft rund um die Uhr und rund ums Jahr für Notfälle und zur Krisenintervention. Schmerztherapie und spezielle Wundversorgung sowie die Sicherstellung von Arznei- und Hilfsmitteln sind weitere Aufgaben des Teams. „Unnötige und belastende Einweisungen ins Krankenhaus können in den allermeisten Fällen vermieden werden“, heißt es in einem Informationsblatt.
„Wir sind da, wo die Not ist“
Und wer bezahlt das alles? Die Palliativversorgung, verordnet von Kliniken, Haus- oder Fachärzten, ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Patient hat einen Rechtsanspruch, und es entstehen keine zusätzlichen Kosten, wie Annette Becker-Annen betont. Schon während der Kostenträger den Antrag noch prüfe, was etwa eine Woche dauert, sei die Versorgung der Schwerstkranken gesichert.
„Wir sind da, wo die Not ist“, meint Dietmar Kauderer, Leiter der Unternehmensentwicklung bei den Diakonissen. Diese Aufgabe passe gut zur Tradition der Diakonissen, die früher in den Dörfern unterwegs waren und überall da geholfen haben, wo ihre Hilfe gebraucht wurde. Nun geht es noch darum, das SAPV-Angebot möglich umfassend bekannt zu machen. Zu einer ersten Informationsveranstaltung seien 70 Ärzte gekommen, freut sich Becker-Annen. Weitere Präsentationen sollen folgen.
Kontakt
Das SAPV-Team Landau, Max-Planck-Straße 1, ist unter Telefon 06341 3807-40 und E-Mail sapv@diakonissen.de erreichbar. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.diakonissen.de.