Landau Soldatenrat: Nur ganz kurz ganz wichtig

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Der Krieg war verloren. Doch in Landau bekam die Bevölkerung nicht viel von den Wirren zum Ende mit. Gleichwohl wurden Nachrichten verbreitet, die von beunruhigenden Zuständen berichteten.

„Dass die Kieler Matrosen mit Maschinengewehren vor den Toren Landaus gestanden sind – das haben die Landauer Bürger erst am letzten Samstag in der großen Volksversammlung erfahren, die vom Arbeiter- und Soldatenrat einberufen war.“ Ob diese Meldung der Pirmasenser Zeitung vom 21. November 1918 wahr war oder nicht, jedenfalls ereignete sich im November nicht nur in Landau Unerhörtes. Die „im Felde unbesiegten“ Truppen kehrten von der Front zurück, die alte Macht war von heute auf morgen zusammengebrochen, es gab keine Ordnung mehr. In Landau nahmen Männer zumeist aus dem bürgerlichen und einige wenige aus dem linken Lager am 10. November das Heft in die Hand, bildeten zusammen mit den meuternden Soldaten einen „Arbeiter- und Soldatenrat“. Alles lief an diesem Sonntag ruhig ab. Von einer Aufbruchsstimmung in der Stadt konnte keine Rede sein, eher war ein ungläubiges Staunen bis hin zu Fassungslosigkeit zu spüren. Kein Wunder, waren die Landauer doch von jeder Information über die Entwicklung in Berlin und München weitgehend abgeschnitten. Eindrucksvoller als alle Nachrichten waren aber die tage- und nächtelang durchziehenden deutschen Truppen, die über den Rhein wollten. Sally Feibelmann, der dem Rat vorstand, lud die Landauer am 16. November zu einer öffentlichen Volksversammlung ein, wo er über die aktuelle politische Lage referierte und die Aufgaben des Rates erläuterte. Mehr als ein Ordnungsfaktor war der „Volksrat“, wie er sich ab dem 26. November nannte, nicht. Und da gab es genug zu tun. Da war zuerst einmal die Versorgung der Bevölkerung und der zurückkehrenden deutschen Soldaten zu regeln. Dann stellte sich ein völlig neues Problem mit den über 6000 Kriegsgefangenen dar, die bis dato in einem Lager auf dem Ebenberg interniert waren. Militärisches Wachpersonal gab es nicht mehr und die hier stationierten Militärbeamten hatten die Stadt schon überstürzt verlassen. Die Unterlagen zu den Militärbauten scheinen sie kurz zuvor vernichtet zu haben, denn im Kriegsarchiv in München findet sich zu Landau kaum etwas. So unbedeutend wie die politische Wirkung des Volksrates war, so kurz war auch seine Tätigkeit. Nach kleineren Vorauskommandos rückten am 1. Dezember die ersten französischen Truppen ein. Mit einer Besatzung hatte niemand gerechnet und der Anblick der bewaffneten Franzosen muss wie ein Schock gewirkt haben. Träumereien von einer Kooperation mit der neuen Macht waren schlagartig beendet, als die ersten Tagesbefehle publiziert wurden. Klar wurde, dass die Franzosen als Sieger und Besatzer auftraten. Diese Mentalität, entstanden aus dem Trauma der letzten vier Jahre Krieg und Besatzungswirklichkeit in Nordfrankreich unter deutscher Herrschaft, musste natürlich auf völliges Unverständnis und wachsenden Widerstand auf deutscher Seite stoßen. Bis zum 1. Juni 1930 dauerte die Besatzung. Aber das ist ein anderes Kapitel ... Der Autor Michael Martin war viele Jahre lang der Leiter des Landauer Stadtarchivs und ist, seit er im Ruhestand ist, unter anderem als Buchautor und Stadtführer tätig.

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