Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Sind kostenpflichtige Tests die richtige Strategie?

Ab dem 11. Oktober werden Coronatests nicht mehr kostenlos sein.
Ab dem 11. Oktober werden Coronatests nicht mehr kostenlos sein.

Der Druck auf Ungeimpfte steigt: Bund und Länder haben sich darauf verständigt, dass Coronatests ab 11. Oktober kostenpflichtig sein sollen. Der Landauer Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU) ist mit dieser Lösung nicht ganz glücklich.

Zuckerbrot und Peitsche: Bund, Länder und Kommunen tun viel, um bisher Ungeimpfte doch noch für eine Impfung zu gewinnen. Während manche Kommunen oder auch Serviceclubs mit Bratwurst vom Grill zum Impfen locken wollen, rollen in Landau diese Woche an zwei Abenden Foodtrucks vors Impfzentrum.

Die Aktion der Stadt und des Kreises Südliche Weinstraße kommt aber zumindest auf Facebook nicht bei allen gut an. Manche hätten lieber Dampfnudeln, was wohl eher als Scherz gemeint ist, andere finden es nicht richtig, Impfmuffel zu beschenken. Sie haben übersehen, dass davon nie die Rede war: Burger & Co. müssen von jedem selbst bezahlt werden.

Zusätzlicher Anreiz

Oberbürgermeister Thomas Hirsch stellt klar, dass die Foodtrucks nur ein kleiner zusätzlicher Anreiz sein sollen, den „niedrigschwelligen“ Impfabend zum Erlebnis zu machen. Denn es gehe nur darum, im Impfzentrum jetzt auch unkomplizierte Abendangebote zu machen, um auch noch diejenigen zu erreichen, die bisher keine Zeit gefunden hätten, tagsüber zu Impfzentrum oder Impfbus zu kommen. „Das ist eine PR-Aktion, um eine chillige After-work-Atmosphäre zu schaffen“, sagt Hirsch und ergänzt: „Echte Impfgegner werden wir sowieso nicht kriegen.“

Hirsch ist zufrieden mit der Resonanz auf besondere Impfaktionen, sei es das Impfen auf dem Wochenmarkt, sei es das Impfen ohne Anmeldung im Impfzentrum oder der Impfbus des Landes, der vor Einkaufsmärkten in der Südpfalz Station macht. Das sei alles sehr gut gelaufen. Wenn es sich ergibt, sollen weitere Aktionen folgen. Konkret geplant ist aber noch nichts. Sicher ist nur, dass das Land seine Impfbusse auf eine zweite Tour schicken will. Von diesem Angebot wollen Stadt und Kreis wieder Gebrauch machen.

Zeitpunkt zu früh

Nur dem Grundsatz nach ist Hirsch einverstanden mit der Strategie, das Testen kostenpflichtig zu machen. Er hält jedoch den Zeitpunkt 11. Oktober für verfrüht. „Wir wissen nicht, wie sich die Lage in Herbst und Winter entwickelt.“ Er fürchte, dass die Testdisziplin nachlässt und sich die sehr gute Infrastruktur für das Testen schnell zurückentwickelt, wenn die Teststationen auch noch Kassen einrichten und Bürger die Tests selbst zahlen müssen.

Hirsch hätte sich eine längere Vorwarnzeit gewünscht, damit sich noch möglichst viele Zauderer impfen lassen können. Für ihn wäre der Jahreswechsel ein möglicher Zeitpunkt gewesen, die Tests gebührenpflichtig zu machen. Denn bis dahin habe man ein klareres Bild, wie sich die Pandemie weiter entwickelt – ob es eine echte vierte Welle gibt und wie schlimm sie wird. Dann hätte in der kritischen Zeit noch eine gute Test-Infrastruktur unterstützend zur Verfügung gestanden. Denn eines sei klar: Allein schon für Kinder bedürfe es auch weiterhin der Tests, weil diese nicht geimpft werden können. Und je nach Inzidenz würden auch wieder Tests gebraucht, um am öffentlichen Leben teilnehmen zu können.

„Wichtiges Signal“

Das deckt sich auch mit Hirschs Auffassung, dass die Schließung der Impfzentren Ende September zu früh erfolgt. „Wir wissen doch noch gar nicht, was mit der dritten Impfung sein wird“, sagt er und warnt davor, einfach „auf das Prinzip Hoffnung“ zu setzen. „Wir dürfen keine Strukturen abbauen, die wir vielleicht im Oktober und November noch brauchen.“

Der Landauer DLRG-Vorsitzende Simon Nichterlein, der mit vielen Freiwilligen das Testzentrum in der Festhalle aufgebaut hat und betreibt, kann kostenpflichtigen Tests dagegen sehr wohl etwas abgewinnen: Sie seien ein wichtiges Signal an Ungeimpfte, doch noch ein niedrigschwelliges Impfangebot wahrzunehmen. Wenn jeder den Eindruck habe, mit kostenlosen Tests am kompletten öffentlichen Leben teilnehmen zu können, wäre das kontraproduktiv.

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