Landau Sicher ins kühle Nass
Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) deutschlandweit 537 Ertrunkene gezählt. Die meisten davon konnten nicht schwimmen. Genau wie drei von fünf Zehnjährigen. Die DLRG sagt, dass liegt auch daran, dass immer weniger Grundschulen Schwimmunterricht anbieten. Wie ist das in der Südpfalz? 36 Grundschulen gibt es in Landau, den Verbandsgemeinden Annweiler, Bad Bergzabern, Edenkoben, Herxheim, Maikammer, Offenbach und Landau-Land. In mindestens 13 dieser Schulen kann gar kein Schwimmunterricht angeboten werden. Während alle Landauer Grundschulen die Möglichkeit haben, das Hallenbad LaOla zu nutzen – und dies nach Angaben der Stadt auch tun –, geben viele andere Grundschulen an, keinen Zugang zu einem Hallenbad zu haben. Das betrifft beispielsweise die Grundschulen Annweiler/Wernersberg, Offenbach und Eußerthal. Einige Grundschulen weichen deshalb in besser erreichbare Freibäder aus. Da sich hier jedoch die Öffnungszeiten zu großen Teilen mit den Sommerferien decken, bleibt maximal ein Zeitraum von acht Wochen für den Schwimmunterricht. Ist das Wetter schlecht, fällt der Unterricht aus. Die Grundschule Annweiler/Wernersberg bietet ihren Viertklässlern in der verbleibenden Zeit einen Crashkurs im Freibad Annweiler an. Ähnlich läuft es an den Grundschulen Edenkoben und Böbingen, die sich einige Wochen vor und nach den Sommerferien mit ihren Dritt- und Viertklässlern mit dem Bus auf den Weg ins Freibad Edesheim machen. An anderen Grundschulen wie etwa in Edesheim oder Offenbach verzichtet die Schulleitung momentan komplett auf den Schwimmunterricht. In einem so kurzen Zeitraum sei kein zielführender Schwimmunterricht möglich und der Aufwand übersteige den Nutzen der Aktion, sagen die Schulleiter. Auch weil es zu wenige ausgebildete Lehrkräfte gibt, fällt der Schwimmunterricht an manchen Schulen weg. Das ist beispielsweise in Rhodt, Roschbach, Maikammer und Klingenmünster der Fall. Außer in den Landauer Schulen, scheint es nur in wenigen, wie etwa Hochstadt, Gleiszellen-Gleishorbach und Dörrenbach, ideal zu laufen. Laut Schulleiterin Anette Frankmann-Mendonca, wird an der Grundschule Hochstadt ganzjährig Schwimmen unterrichtet. Der Fokus liege dabei auf den Drittklässlern, die einmal die Woche im Kreisbad Römerberg üben. Alle anderen Klassenstufen kämen im Wechsel, also alle drei Wochen, mit ins Bad. So ideal läuft es dort allerdings doch nicht. Denn zurzeit wird das Bad in Römerberg saniert. Der Unterricht ist dort nicht möglich. Die Grundschulen Gleiszellen-Gleishorbach und Dörrenbach besuchen mit ihren dritten beziehungsweise vierten Klassen zwischen Herbst- und Osterferien das Rebmeerbad in Bad Bergzabern. „Diese Zeit reicht aus, um allen Nichtschwimmern das Schwimmen beizubringen und den anderen Kindern das Training für das Freischwimmerabzeichen zu ermöglichen“, sagt die Dörrenbacher Grundschulleiterin Heike Stengel. Das heißt, von 19 der befragten Schulen im Kreis bieten nur zwei Schulen regelmäßigen Schwimmunterricht an. Vier weichen für wenige Wochen ins Freibad aus. 13 Schulen können überhaupt kein Schwimmen anbieten. Eine Alternative zum schulischen Unterricht sind Schwimmkurse. Bei der DLRG Landau lernen jährlich zirka 100 Kinder Schwimmen. Der Kurs kostet 90 Euro. Es gibt eine lange Warteliste. „Unsere Schwimmkurse sind bis ins Frühjahr 2018 voll besetzt,“ sagt Elisabeth Hagenmüller von der Landauer Ortsgruppe. Sie betont, dass das Seepferdchen kein Garant für sicheres Schwimmen sei. Davon könne man erst sprechen, wenn ein Kind das Jugendschwimmabzeichen Bronze abgelegt habe.