Landau / Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Schuldet Benko der Sparkasse viel Geld?

Die Hauptstelle der Sparkasse Südpfalz in Landau.
Die Hauptstelle der Sparkasse Südpfalz in Landau.

Das Immobilien-Imperium des österreichischen Multimillionär René Benko ist massiv angeschlagen. Das hat Auswirkungen bis in die Süd- und Südwestpfalz. Hiesige Sparkassen zählen laut Medienberichten zu den Gläubigern.

Dass René Benko nicht mehr auf der Milliardärsliste des US-Magazins „Forbes“ geführt wird, scheint noch eines seiner geringeren Probleme zu sein. Die von Benko gegründete Signa-Gruppe ist aufgrund gestiegener Zinsen, Energiepreise und Baukosten ins Wanken geraten. Die Dachgesellschaft Signa Holding hatte zuvor ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Die Immobilien- und Handelsgruppe besteht aus einem komplexen Firmengeflecht mit mehreren Hundert Einzelfirmen, einschließlich der Warenhausgruppe Galeria Karstadt Kaufhof sowie Sportscheck.

Wie der US-amerikanische Wirtschaftsinformationsdienst Bloomberg berichtet, stehen auf der Gläubigerliste über 270 Posten, darunter mindestens neun Sparkassen aus Deutschland, und darunter wiederum die Sparkasse Südwestpfalz und die Sparkasse Südpfalz. Angaben dazu, wie hoch die Verbindlichkeiten sind, gibt es nicht.

Verschlossen, aber optimistisch

Zu diesem Punkt – und nicht nur dazu – möchten auch die beiden Banken aus der Region keine Angaben machen. Die Sparkasse Südwestpfalz verweist auf Anfrage der RHEINPFALZ auf das Bankgeheimnis und will laut einer Sprecherin „keine Aussagen zu einem laufenden Insolvenzverfahren treffen“. Ganz ähnlich äußert sich Benjamin Hirsch, Vorstandsmitglied der Sparkasse Südpfalz.

Generell gilt: Jede Aussage, ob richtig oder falsch, könnte den Kapitalmarkt beeinflussen, wofür der Informationsgeber haftbar gemacht werden könnte.

Dass mehrere Sparkassen aus Rheinland-Pfalz auf der Gläubigerliste auftauchen, könnte ein Indiz für einen Konsortialkredit sein, also einen gemeinsamen Großkredit mehrerer Banken – eine übliche Form der Risikodiversifizierung bei großen Summen, die das einzelne Institut nicht überlastet. Insbesondere bei Immobiliengeschäften dienen üblicherweise Grundstücke oder Gebäude als Sicherheiten.

Lage am Bau deutlich eingetrübt

Nach Angaben der Sparkasse Südpfalz hat es im Bausektor in den vergangenen Jahren aufgrund der sehr guten Konjunktur praktisch keine Insolvenzen und Kreditausfälle gegeben, die beispielsweise Zwangsversteigerungen nach sich gezogen oder Wertberichtigungen in den Bilanzen erforderlich gemacht hätten. Derzeit sei die Lage am Bau deutlich schwieriger. Projektentwickler könnten sich daher schwer damit tun, ihre Vorhaben rasch umzusetzen. Doch das gehöre zum normalen Geschäft der Banken und sei weder überraschend noch bedrohlich für die Kreditgeber. Die Sparkasse auf Anfrage: „Wir sind in sehr guter Verfassung.“

Beide Sparkassen betonen, dass sie ihre Gesamtsituation und die Ertragslage sehr gut einschätzen. Über das übliche Maß hinausgehende Auswirkungen bezüglich der Verwendung des Jahresüberschusses für Eigenkapitalbildung und Ausschüttung sind der Sparkasse Südwestpfalz zufolge nicht erkennbar.

Keine Auswirkungen auf Stadtbild

Der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens durch die Signa Holding zeigt der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zufolge, wie schwierig die Lage für Projektentwickler und Bauträger geworden ist. Der Bau- und Immobiliensektor hat seit Beginn des Ukraine-Krieges mit gestiegenen Kosten sowie höheren Zinsen zu schaffen. Mit 81 Pleiten je 10.000 Unternehmen hat die Baubranche derzeit die höchste Insolvenzquote in Deutschland. Creditreform rechnet mit deutlich mehr Firmenpleiten im laufenden Jahr und einem weiteren Anstieg 2024.

Der Landauer Kaufhof ist längst Geschichte und abgerissen. Anders als in anderen Kommunen mit den letzten verbliebenen Warenhäusern der Benko-Gruppe sind hier also keine Schäden durch Leerstände für die Innenstadt zu erwarten. Das Stadttor Landau genannte Neubauprojekt an Stelle des Kaufhofs hat mit Signa und Benko nichts zu tun. Es wird vom Projektentwickler Ehret&Klein errichtet. Derzeit wird noch die Baugrube hergerichtet. Einzig die ursprünglich angepeilte Fertigstellung im Jahr des Stadtjubiläums 2024 dürfte nicht mehr zu halten sein.

mit dpa

Rene Benko
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