Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Schulbaustellen ins Stocken geraten

Seit Jahren ist die BBS in Landau ein Sanierungsprojekt.
Seit Jahren ist die BBS in Landau ein Sanierungsprojekt.

Die Berufsbildende Schule in Landau ist eine stille Großbaustelle. Wo in normalen Zeiten 70 Handwerker arbeiten würden, sind es nur 15 bis 20. Denn normal ist nichts mehr auf dem Bau. Sicher ist nur: Es werden nicht alle Klassensäle fertig. Aber alles wird teurer – sehr viel teurer. Das liegt auch an der Ahr-Katastrophe.

Wenn nach den Sommerferien die Schüler zur BBS zurückkehren, werden sie in einigen Sälen ohne Türen und Bodenbeläge unterrichtet, es werden provisorische Lampen von der Decke baumeln, und wenn sie aufs Klo müssen, müssen sie in einen anderen Gebäudetrakt ausweichen. Glücklicherweise gab es noch Brandschutztüren, sonst müssten komplette Flure ungenutzt bleiben. Auf der Baustelle ist landunter. Das hat nicht nur, aber auch mit der Hochwasserkatastrophe an der Ahr zu tun. Darauf haben Oberbürgermeister Thomas Hirsch und Michael Götz, der Leiter des Gebäudemanagements (GML), bei einem Vor-Ort-Termin hingewiesen.

Stadt will 41, Millionen Euro verbauen

Üblicherweise herrscht in Ferienzeiten Handwerker-Hochbetrieb in den Schulen. „Da muss es scheppern und krachen“, bringt es Götz auf den Punkt. Das hatte auch dieses Jahr wieder so sein sollen, denn die Stadt will eigentlich mehr als 4,1 Millionen Euro in Schulsanierungen investieren, davon allein 2,5 Millionen Euro in das seit Jahren größte Schulprojekt, die Modernisierung der BBS. Ob das zu schaffen ist, ist fraglich. Nicht fraglich ist dagegen, dass die Arbeiten deutlich teurer ausfallen werden. Götz rechnet mit Mehrkosten von 20 bis 25 Prozent. „Das wird Auswirkungen auf den Haushalt der Stadt haben“, sagt Hirsch und rechnet mit zunehmend schwierigeren Verhandlungen mit dem Land, wenn es um dessen Förderung geht.

Nach Angaben von GML-Projektleiter Klaus Huber sind im vergangenen Jahr außer der kompletten Aula im gewerblichen Trakt der Schule bereits Fenster und Fassaden erneuert worden. Optisch unterscheidet sich der Flügel außen nicht von einem Neubau. Innen wohl. Innen handelt es sich um einen entkernten Rohbau, der sich nicht so schnell wieder in eine Schule zurückverwandeln dürfte. Denn laut Hirsch sind die Auftragsbücher der Handwerker voll, weshalb oftmals überhaupt keine zu finden sind. Außerdem sind Lieferketten unterbrochen – nicht nur bei Halbleitern oder Holz, sondern bei etlichen anderen Materialien auch. Und dann kam das Ahr-Hochwasser, das gewaltige Kapazitäten im Norden des Landes bindet. Mal ganz davon abgesehen, dass von einer dortigen Firma Fenster für die Paul-Moor-Schule, eine andere Baustelle, kommen sollten, die jetzt nicht kommen werden.

Toiletten schon sechs Mal ausgeschrieben

Jedenfalls können viele Firmen nicht mehr garantieren, dass sie in der vorgegebenen Zeit fertig werden, weil sie kein Material bekommen. So fehlen beispielsweise die Stahlschienen, an denen die neuen Decken aufgehängt werden sollen. Kupfer gibt es wieder, sagt Götz, aber jetzt sei das Material für die Isolierung knapp. Angesichts solcher Probleme beteiligen sich viele Firmen erst gar nicht mehr an Ausschreibungen. Laut Götz wurde die Sanierung des Sanitärbereichs inzwischen schon sechs Mal ausgeschrieben, und sechs Mal hat sich kein einziger Betrieb beteiligt. Götz ist froh, dass sich jetzt wenigstens ein Unternehmen bereiterklärt hat, Wasserleitungen zu legen. Vorsichtshalber hat das Gebäudemanagement schon mal bei der Schulleitung angefragt, auf wie viele der neun zu modernisierenden Klassensäle man notfalls verzichten könnte.

Stadt und GML hoffen, die Sanierung des gewerblichen Trakts der BBS 2022 abschließen zu können. Dieses Jahr soll noch im Zuge des Digitalpakts für 900.000 Euro die IT-Infrastruktur an elf Schulen ertüchtigt werden. Am Eduard-Spranger-Gymnasium sollen für 420.000 Euro das Stromnetz und der Brandschutz modernisiert werden, und im Verwaltungsbau der Grundschule Horstring ist für 185.000 Euro eine Elektrosanierung geplant.

Hirsch will die Landauer darauf einschwören, dass das bisherige Tempo bei Investitionen künftig möglicherweise nicht mehr gehalten werden kann. Abspecken, beispielsweise durch niedrigere Ausbaustandards, will die Stadt aber auch nicht, weil Investitionen von heute die Energieeinsparung von morgen seien.

In etwa zwei Wochen sind die Ferien vorbei.
In etwa zwei Wochen sind die Ferien vorbei.
Der neue Eingang im Osttrakt.
Der neue Eingang im Osttrakt.
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