Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Scan and go: Im SBK-Markt umgehen Kunden die Kasse

Sind die Artikel alle erfasst und mobil bezahlt, können Kunden des neuen Bezahlsystems an einer separaten Kasse den Laden verlas
Sind die Artikel alle erfasst und mobil bezahlt, können Kunden des neuen Bezahlsystems an einer separaten Kasse den Laden verlassen.

Im Landauer SBK-Markt ist das Schlange stehen an der Kasse nicht mehr zwingend nötig. Eine neue Bezahlmethode macht es möglich. Was steckt dahinter? Und gibt es dadurch nicht mehr Diebstähle?

In der Getränkeabteilung des Landauer SBK greift Marktleiter Andreas Ehrismann zu einer Flasche. Dann zückt er sein Smartphone und erfasst damit den Barcode auf dem Produkt. Anschließend hat er die Wahl zwischen der Flasche, einem Sechserpack oder gleich einer ganzen Kiste. Ehrismann legt sich auf die einzelne Ware in seiner Hand fest, anschließend tippt er sich auf seinem Gerät bis zum Punkt Bezahlen durch. Die Rechnung begleicht er online mithilfe der App. Das Geschäft könnte er nun an dem für solche Selbstkassierer eingerichteten Bereich verlassen, während die Schlangen links und rechts von ihm immer länger und länger werden.

Scan and go, auf Deutsch Scannen beziehungsweise Erfassen und gehen – so nennt sich die neue Bezahlmethode im Landauer SBK-Markt. Sie verschafft Kunden mehr Unabhängigkeit, indem sie ihre Einkäufe selbst erfassen und online bezahlen können. Das Schlange stehen an der Kasse entfällt für sie. Es sei denn, sie wollen die Rechnung nach wie vor in Bar oder mit der Karte an der Kasse begleichen. Auch diese Option bleibt ihnen bei dieser Funktion offen.

Registrierung für Funktion notwendig

„Den größten Aufwand haben die Kunden nur am Anfang“, erklärt Ehrismann. Wer das neue Angebot nutzen möchte, muss eine App auf dem Smartphone heruntergeladen und sich dort angemeldet haben. Eine einmalige Registrierung und Freischaltung des Bankkontos für den Bezahlvorgang, dann steht der modernen Art des Einkaufens nichts mehr im Weg. Ganz neu ist das Ganze allerdings nicht. Seit einigen Jahren bieten schon andere Einzelhändler die Möglichkeit, per App Einkäufe zu erledigen. Der Neustadter Globus-Markt beispielsweise hat den Service seit Oktober 2017 eingeführt.

Als Teil der Edeka-Genossenschaft setzt der Landauer SBK-Markt auf deren System, das sich vom Prinzip in Neustadt in einem Punkt unterscheidet. Es werden keine Leihgeräte bereitgestellt, Kunden nutzen das eigene Smartphone. Dadurch werden unter anderem Wartungskosten gespart, ebenso die Reinigung der Geräte, was in Corona-Zeiten noch eine größere Bedeutung erlangt hat.

„Die ersten Krankheiten beseitigt“

Von der geplanten Einführung bis zur Umsetzung im Landauer SBK-Markt vergingen wenige Monate: Im Sommer wurde der Gedanken gefasst, das Angebot des Handelskonzerns bei sich zu etablieren. Seit etwa einer Woche steht der Service den Kunden offen. Wie SBK-Sprecherin Christin Arto berichtet, werde noch zeit benötigt, um diesen Service zu verinnerlichen. „Die ersten Krankheiten haben wir aber bereits beseitigt.“

So musste geprüft werden, ob Kunden nach dem mobilen Bezahlen den Laden auch reibungslos verlassen können. Dafür müssen sie den Code auf ihrem digitalen Kundenbeleg vor einem dafür vorgesehenen Schalter halten. Er befindet sich an der eigens für das neue Angebot freigehaltene Kasse. Ist der Beleg akzeptiert, öffnet sich die Schranke und der Kunde kann rausspazieren.

Wird Personal eingespart?

Mit der neuen Funktion soll kein Stellenabbau betrieben werden, versichert Unternehmenssprecherin Arto. Zumal die Bezahlung an der Kasse und der Kontakt zu einer Mitarbeiterin bei Kunden immer noch am beliebtesten sei. „Diese Gespräche werden geschätzt, das merken wir immer wieder.“ Marktleiter Ehrismann merkt an, dass es in der Branche sogar Plauderkasse gebe, beispielsweise für einsame Menschen. Dann darf der Kassiervorgang gerne ein paar Minuten länger dauern.

Mit Scan-and-Go soll ein Mehrwert geschaffen werden. Attraktiv sei das insbesondere nach kurzen Einkäufen, vermutet Ehrismann. Denn je voller der Einkaufswagen ist, umso länger dauere die Produkterfassung. Und wenn Kunden es sich anders überlegen und Waren zurücklegen oder umtauschen möchten, sei das technisch zwar möglich, allerdings müssten sie wieder mehr auf dem Smartphone tippen. Andererseits müssen Kunden die Waren nur einmal in den Einkaufswagen ablegen, statt sie an der Kasse aus- und wieder einräumen zu müssen.

Aber: Werden Kunden dazu verleitet, etwas mitgehen zu lassen? Ehrismann zufolge dürfte die Hemmschwelle hoch sein. „Sie haben sich schließlich mit ihrem Namen für diese Funktion angemeldet.“ Zudem gebe es stichprobenartige Kontrollen. Arto sagt: „Das geht nach dem Zufallsprinzip. Wir wissen selbst nicht, nach wie vielen Einkäufen das geschieht.“ Gibt es einen „Auserwählten“, erscheint intern eine Nachricht. Dann prüft idealerweise das Personal von der benachbarten Kasse, ob Unstimmigkeiten vorliegen.

Verhaltene Nachfrage

Christian Albrecht jedenfalls hat in seinen Edeka-Märkten in Bad Bergzabern, Bornheim und Herxheim nicht mehr Diebstähle zu verzeichnen seit Einführung des Systems. Und sollte es Auffälligkeiten geben, würde häufiger kontrolliert. Hinzu komme, dass die Nachfrage noch verhalten sei. Was mehr genutzt werde, seien die Selbst-Scanning-Kassen. Jene Bereiche, wo Kunden nach dem Einkauf alle Waren erfassen und bezahlen. „Das kennen Kunden aber auch von anderen Geschäften, etwa Möbelhäusern oder Baumärkten.“

Erfahrung mit dem System hat auch Benedikt Paul, Inhaber der Edeka-Märkte in Billigheim-Ingenheim und Steinfeld. „Wer es nutzt, ist begeistert“, weiß Paul aus Gesprächen. Allerdings sei die Anzahl der Nutzer noch überschaubar. Um die 15 Personen im Alter zwischen 18 und 55 Jahren würden die Produkte für den wöchentlichen Einkauf selbst erfassen.

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