Edenkoben RHEINPFALZ Plus Artikel Reparieren statt wegwerfen: Schneiderei „Mahmood“ in Edenkoben

Mahmood Alarja in seinem Geschäft in der Bahnhofstraße.
Mahmood Alarja in seinem Geschäft in der Bahnhofstraße.

In der Bahnhofstraße 5 betreibt Mahmood Alarja eine Änderungsschneiderei und Polsterei. Er repariert Kleidung, Taschen, Vorhänge – und bezieht auch Möbel neu.

Der Polstersessel ist eigentlich viel zu schön für den Sperrmüll — und das Lieblingskleid wäre ohne sein kleines Loch noch immer ein Favorit im Schrank. Wer solche Stücke nicht einfach aufgeben will, kann seit April 2025 in der Edenkobener Bahnhofstraße 5 Hilfe finden: in der „Änderungsschneiderei & Polsterei Mahmood“ von Mahmood Alarja.

Zu seinem Angebot zählen klassische Änderungsarbeiten an Kleidung, Reparaturen von Taschen und Rucksäcken, das Aufarbeiten von Vorhängen sowie das Neubeziehen von Polstermöbeln. Im Eingangsbereich seines Ladens steht ein Schaukelstuhl des bekannten Herstellers Thonet — ein Stück, das er vor dem Sperrmüll gerettet und dessen aufgerissenen Sitz er neu bezogen hat.

Derzeit peppt Alarja ein mit Rüschen besetztes Hochzeitskleid auf. „Das Prachtstück mit seinen Verzierungen soll den für die Braut schönsten Tag ihres Lebens besonders erfreuen“, sagt er dazu — und mit Fingerspitzengefühl lässt der Änderungsschneider das weiße Kleid in neuem Glanz erstrahlen.

Er besitzt sieben Nähmaschinen

Die Nachfrage nach seinem Angebot sei vorhanden, dürfte aus seiner Sicht aber gern noch zunehmen. Seine Kundschaft komme überwiegend aus Edenkoben sowie den Gemeinden der Verbandsgemeinden Edenkoben und Maikammer und sei breit gefächert. „Es sind sogar immer mal wieder die eigentlich recht gut betuchten Leute, die zu mir kommen, weil sie ihr liebgewonnenes Stück nicht einfach wegwerfen wollen und es herrichten lassen, obwohl sie sich durchaus ein neues leisten könnten“, stellt Alarja fest.

Sieben Nähmaschinen nennt er sein Eigen — notwendig, weil unterschiedliche Materialien wie Leder, schwere Stoffe oder feine Garne auch unterschiedliche Technik erfordern. „Mit nur einer Nähmaschine kann man kein Geschäft eröffnen. Zwei weitere brauche ich aber noch“, sagt er.

Wie sehr manche Kunden ihn schätzen, zeigt die Aussage von Marianne Wilhelm aus Kleinfischlingen, die ihn kennenlernte, als sie bei ihm mehrere Hosen ändern ließ: „Es gibt praktisch so gut wie nichts, was ihm nicht gelingt. Er ist ein Künstler“, schwärmt sie.

In Syrien eine eigene Firma gehabt

Ein Junge namens Junus betritt den Laden, um eine Gardine für seine Mutter abzuholen. „Die kann ich dir leider nicht geben“, sagt Mahmood — macht eine kurze Pause und lächelt: „… es sei denn du nimmst das hier an.“ Schon hat er einen Schokoriegel in der Hand, den er dem Jungen gibt. Auch dessen Bruder bekommt einen.

Seine Lebensgeschichte erklärt, warum ihm solche Gesten wichtig sind. Ursprünglich stammt er aus Syrien. Am 22. September 2015 floh er gemeinsam mit seinem damals 13-jährigen Sohn nach Deutschland. „Wir hatten in unserer Heimat täglich große Angst. Das wollte ich uns nicht mehr länger zumuten.“

In Syrien habe er zuvor eine eigene Firma betrieben, in der er 36 Menschen beschäftigt habe und Handtaschen sowie Rucksäcke herstellen ließ — ein Handwerk, das er selbst gelernt hatte, wie er erzählt. Seine heute 34-jährige Tochter, ihr Mann und die vier gemeinsamen Kinder, darunter vierjährige Zwillinge, leben noch in Syrien und hoffen darauf, eines Tages ebenfalls nach Deutschland zu kommen.

In Edenkoben fühlt er sich wohl

Nach seiner Ankunft baute sich Alarja zunächst in Berg eine kleine Änderungsschneiderei auf. Langfristig sei der Ort jedoch zu klein gewesen, um genügend Kunden zu gewinnen. „In Edenkoben sehe ich da bessere Möglichkeiten“, sagt er. Sein heute 24-jähriger Sohn lebt weiterhin in Berg und arbeitet als Isolierer für Fernwärmeleitungen. „Vor zwei Monaten hat er die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten“, berichtet der Vater stolz.

In Edenkoben fühlt sich Mahmood wohl und sucht derzeit eine kleine Wohnung in der Nähe seines Geschäfts. In den Räumen war zuvor bereits eine ähnliche Schneiderei ansässig — deren Inhaber sich neu orientierte, wodurch sich für Alarja die Gelegenheit ergab.

Die steigenden Rohstoffpreise machen ihm bislang wenig zu schaffen. Seine Materialien bezieht er unter anderem von der Fachfirma Sabatex in Übach-Palenberg sowie von Händlern im Internet und aus Landau. „Letztlich müssen meine Kunden zufrieden sein. Das ist das A und O meiner Arbeit.“

Dass die Bahnhofstraße eng ist und Parkplätze rar sind, sieht er gelassen: „Hier im Hof kann man parken, um bei mir seine Sachen abzugeben oder abzuholen. Zudem stehen auf dem Parkplatz hinter den beiden Neubauten, in der angrenzenden Tanzstraße, genug kostenfreie Plätze zur Verfügung.“

Eine Rückkehr nach Syrien schließt Alarja nicht grundsätzlich aus — allerdings nur für einen Besuch. „Angesichts der derzeitigen Lage in Syrien wird dieser Urlaub dort aber wohl noch lange Zeit auf sich warten lassen müssen.“

Die Serie

Parkplätze, Inflation, Online-Handel: Die Geschäfte in südpfälzischen Ortskernen stehen vor vielen Herausforderungen. Wir stellen in loser Reihenfolge inhabergeführte Einzelhändler vor – und fragen, wie sie auf den wachsenden Druck reagieren.

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