Immobilienreport RHEINPFALZ Plus Artikel Protokoll einer ernüchternden Suche nach einem Haus in der Südpfalz

RHEINPFALZ-Redakteur Ali Reza Houshami war auch in Impflingen auf Haussuche. Es ist ernüchternd und zermürbend, meint er.
RHEINPFALZ-Redakteur Ali Reza Houshami war auch in Impflingen auf Haussuche. Es ist ernüchternd und zermürbend, meint er.

Haben Sie schon mal versucht, in der Südpfalz ein Haus zu kaufen? Ich kann ein Lied davon singen. Es gibt wenige Angebote. Die Preise sind horrend, die Eigentümer zum Teil sehr speziell. Warum ein anderer den Zuschlag bekommt, bleibt zuweilen undurchschaubar. Die Haussuche gleicht einer Odyssee. Eigentlich ist es eine Tragödie.

Dass der Immobilienmarkt überhitzt ist, brauche ich nicht groß zu erzählen. Kurz: Zwischen 500.000 und 800.000 Euro kostet ein Haus in der Südpfalz mit mindestens vier Zimmern. Das ist auch die Preisklasse für eine Doppelhaushälfte, je nach Lage und Baujahr.

Meine Frau und ich suchen seit mittlerweile zwei Jahren nach einem Haus mit Garten. Damals war unsere Tochter ein Jahr alt, sodass wir dachten, es bleibt uns noch viel Zeit. Mittlerweile hat sie einen kleinen Bruder. Der Druck hat also zugenommen, fündig zu werden, weil es uns in der Dreizimmerwohnung zu klein geworden ist. Doch welche Familie wünscht sich nicht, sich im eigenen Haus auszubreiten?

50 Häuser besichtigt

In der Regel stehen wir in Konkurrenz zu 40 Mitbewerbern. Mindestens. Es sind nicht nur die „klassischen“ Familien mit zwei Kindern, sondern auch jene mit Einzelkind, die aber noch ein zusätzliches Zimmer als Büro benötigen.

Geschätzt 50 Häuser haben wir mittlerweile in Landau und im Kreis Südliche Weinstraße besichtigt. Bauten jüngeren Datums, darunter richtige Perlen, werden meist über Makler vertrieben. Das geht für die potenziellen Käufer nicht nur ins Geld, weil sie dann zusätzlich 15.000 bis 20.000 Euro locker machen müssen. Die Makler treiben angesichts der hohen Nachfrage durch unterschiedliche Bieterverfahren den Preis in die Höhe. Schlicht gemein für Familien, die sich dadurch gezwungen sehen, bis an ihre Schmerzgrenze und darüber hinaus zu gehen.

Die Schulfreundin kriegt’s

Im Südkreis fanden wir vergangenes Jahr eine Immobilie, für die wir ein Angebot abgeben und mehrfach erhöhen konnten, um Mitbewerber auszustechen. Das Haus war ein Tag später fast 100.000 Euro teurer. Aber: Am Ende waren nur noch wir und ein anderes Paar im Rennen, weil wir dieselbe Summe boten. Die anderen bekamen den Zuschlag. Wieso? „Die Maklerin hatte gesagt, dass zwei Familien dasselbe bieten, eine mit Zwillingen. Dann habe ich zugestimmt, es ihnen zu geben“, sagte mir der Hausherr, als ich ihn – am Boden zerstört – anrief.

Ein Bieterverfahren kann auch gemächlicher zugehen, wie kürzlich in einem Landauer Stadtdorf, wo das Haus in 5000-Euro-Schritten teurer wurde. Ob es am Wasserschaden im Keller lag? Wir sahen davon ab, mitzugehen. Anders in einer kleinen Gemeinde nördlich von Landau: Dort warfen wir unseren Hut in den Ring. Da jemand gewillt war, mehr Geld auf den Tisch zu legen, hatten wir die einmalige Chance, unser Angebot nach oben zu korrigieren. Ist das nicht schön? Nicht wissend, wie viel die anderen Bewerber geboten hatten. Zwar hatten wir am Ende laut Maklerin am meisten geboten. Doch in der Zwischenzeit meldete sich eine frühere Schulfreundin der Eigentümer, die vom Verkauf Wind bekommen hatte und dazwischen grätschte. Wir gingen leer aus.

Besitzer zahlt Makler mit

Wenn wir beim Thema Makler sind: Wir haben Makler erlebt, die für ihr Honorar etwas tun, indem sie die Interessenten mit Exposés in Farbe versorgen und üppig informieren. Andere können selbst beim Besichtigungstermin nicht angeben, wie viel Quadratmeter die Zimmer haben. Und es gibt wiederum Berufskollegen, die führen am Wochenende Dutzende Interessierte durch das Haus, um den Verkauf gleich am darauffolgenden Montag abzuwickeln. „Ach, die Finanzierungsbestätigung von der Bank sollten Sie dabei haben. Sonst haben Sie keine Chance“, bekamen wir mal zu hören.

Was wir wahrnehmen: Weil sich seit diesem Jahr Verkäufer und Käufer die Maklerkosten teilen, nehmen mehr Privatleute die Vermarktung selbst in die Hand. Dann könnte es vorkommen, dass am Ende das Herz, die Sympathie für die Familie, und nicht nur das Geld entscheidet. Meist wird jedoch gezockt, was das Zeug hält. „Ich wünsche Ihnen das Haus von ganzem Herzen“, sagte eine Godramsteinerin zu uns, die ihr Heim veräußern wollte, bevor sie fragte: „Was sind Sie denn bereit zu bezahlen, wie weit können Sie preislich gehen?“ Wohlgemerkt, wir hatten das Haus zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gesehen.

30 Anfragen in zwei Stunden

Die Pandemie sorgt zwar dafür, dass keine Massenbesichtigungen mehr möglich sind. Nicht schön. Aber es gibt einen Nachteil: Wegen der Vielzahl an Terminen müssen Interessierte nun meist nach der ersten Besichtigung entscheiden, ob sie das Haus haben möchten. In Steinfeld hatten wir mal an einem Donnerstagmittag eine Immobilie gesehen. Als wir am Samstagmorgen zusagten, war sie schon weg. Und: Trotz oder gerade wegen Corona sind die Kaufpreise höher als früher. In Klingenmünster und in Offenbach bekamen wir beispielsweise mit, wie dort Häuser Monate später zwar noch nicht verkauft, aber 50.000 Euro teurer waren als zu dem Zeitpunkt, an dem wir sie besichtigt hatten.

Übrigens: Fündig werden wir bei unserer Suche oft auf dem Online-Portal Immoscout. Doch gerade darin liegt das Problem: Dort sichten unzählige andere die Angebote, auch Kapitalanleger. So verzweifelt, wie ich bin, rufe ich die Webseite gerne stündlich ab. Es kam nämlich vor, dass neue Angebote nur für zwei Stunden online waren. Das reicht für 30 oder mehr Anfragen. Selbst sanierungsbedürftige Immobilien sind beliebt, solange die Lage stimmt. So wechselte vor nicht allzulanger Zeit ein Objekt in der Nähe des Landauer Zoos für knapp 500.000 Euro den Besitzer. Ein Haus, das kernsaniert werden müsste, sodass eine weitere halbe Million Euro nötig wäre.

Ja, auch Immobilienanzeigen haben wir regelmäßig aufgegeben, was allerdings ebenso wenig von Erfolg gekrönt war. Nicht, weil sich niemand gemeldet hat. Es lag vielmehr an den Angeboten. Mal wollte ein lieber älterer Herr aus dem südlichen Landkreis sein Haus mit einer Familie teilen, damit er nicht alleine ist. Mal rief mich eine Person an, die uns gegen eine Provision an einen Verkäufer vermitteln wollte. Doof nur, dass das von ihm genannte Haus in derselben Immobilienseite aufgelistet war, in der wir inseriert hatten. Und da war noch die liebe Dame aus Ludwigshafen, die uns nach jeder Anzeige anrief, weil sie händeringend nach einem Abnehmer für ihr Reihenhaus sucht, wie sie erzählte.

Bauplätze liegen brach

Wir haben uns natürlich auch mehrmals mit der Frage beschäftigt, ob wir nicht selbst bauen wollen. Problem: Grundstücke sind noch schwerer zu bekommen als ein Haus. Sie werden sehr teuer verkauft: In Offenbach verlangte eine Privatperson mindestens 550 Euro pro Quadratmeter. In Kandel hätten wir für 470 Quadratmeter mehr als 220.000 Euro blechen müssen. Oft werden gerade schöne Bauplätze zurückgehalten, teilweise für Ortsansässige, sollten sie mal einen Bauplatz suchen. Das haben wir in Steinweiler im Wohngebiet „In den Brotäckern“ erlebt.

In Klingenmünster liegen aktuell 50 bebaubare Flächen brach, allesamt in privater Hand. Manche Besitzer haben die Hoffnung, dass die ungeborenen Enkelkinder dort Wurzeln schlagen. Andere denken, dass das Grundstück vielleicht noch gebraucht wird in der Familie. Und wenn nicht, ist auch nicht schlimm.

Dann müssen Familien wie wir sich einmal mehr beim Jahreswechsel wünschen, endlich das passende Zuhause zu finden.

Vorerst bauen Irina und Ali Reza Houshami mit ihren Kindern nur ein Haus aus Duplosteinen.
Vorerst bauen Irina und Ali Reza Houshami mit ihren Kindern nur ein Haus aus Duplosteinen.
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