Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Prostatakrebs und Co.: So sollen Patienten von Charité-Kooperation profitieren

Professor Thorsten Schlomm, Paul Bruch und Axel Rhein (von links) arbeiten eng zusammen.
Professor Thorsten Schlomm, Paul Bruch und Axel Rhein (von links) arbeiten eng zusammen.

Urologie – ein Thema, das oft totgeschwiegen wird. Eine Praxis in Landau setzt nun auf das Wissen der Charité in Berlin. Was das für Patienten in der Südpfalz bedeutet.

Urologie – das klingt für viele nach einem Thema, über das man lieber nicht spricht. Nach Prostata und Potenz, nach Wasserlassen und unangenehmen Untersuchungen, nach Fragen, die man höchstens dem besten Freund stellt. Dabei ist Urologie so alltäglich wie der Gang zum Hausarzt: Jeder Mann kommt im Lauf seines Lebens damit in Berührung, und auch viele Frauen – sei es wegen wiederkehrender Blasenentzündungen, Inkontinenz, Nierensteinen oder Beschwerden, die lange als „normal“ abgetan werden. Trotzdem hält sich das Schweigen hartnäckig. Aus Scham, aus Angst, aus der Sorge, es könnte etwas Ernstes sein.

Genau dieses Schweigen kann schwerwiegende Folgen haben. Wer zu spät zum Arzt geht, weil er Symptome wegdrückt, riskiert, dass aus einem gut behandelbaren Problem ein chronisches wird – oder dass eine frühe Chance zur Vorsorge verstreicht. Klar ist: Vorsorgeuntersuchungen werden noch immer zu selten wahrgenommen, gerade bei Männern. Und wenn dann doch jemand einen Termin macht, ist es oft erst dann, wenn der Leidensdruck groß ist. „Die Patienten kommen oft erst dann, wenn sie Probleme haben“, sagt Urologe Axel Rhein. Dabei seien etwa bei Prostatakrebs die Heilungschancen gut – sofern die Erkrankung frühzeitig erkannt werde.

Bruch junior übernimmt von Bruch senior

Rhein spricht aus vielen Jahren Erfahrung in der Urologie. Seit 2008 ist er einer von drei Inhabern der Praxis Urologie Landau, in der zwischen 5500 und 6000 Menschen pro Quartal behandelt werden. Gegründet wurde die Praxis im Med-Zen in der Max-Planck-Straße in Landau im Jahr 2005 von Michael Bruch und Klaus Klocke. Bis Ende vergangenen Jahres gehörte Bruch zum Inhaber-Trio – Jeremias Hartinger ist der Dritte im Bunde –, jetzt ist er „nur“ noch angestellter Arzt. Sein neuer Chef ist sein Sohn Paul Bruch. Und der bringt neue Ideen mit in die Praxis.

Künftig enge Partner: das Praxisteam der Urologie Landau und die Charité in Berlin.
Künftig enge Partner: das Praxisteam der Urologie Landau und die Charité in Berlin.

Eine davon ist durchaus außergewöhnlich: Die Landauer Urologiepraxis gehört seit Neuestem zum Exzellenznetzwerk der Charité in Berlin. Zufällig kommt diese Kooperation aber nicht zustande. Denn Bruch hat einige Jahre an der Charité gearbeitet und dort unter anderem seine Facharztausbildung gemacht. In dieser Zeit hat er auch Professor Thorsten Schlomm, Direktor der Klinik für Urologie in der Hauptstadt, kennengelernt. „Nachdem er nach Landau gegangen ist, haben wir uns überlegt, wie wir weiter zusammenarbeiten können“, sagt Schlomm bei seiner Stippvisite in der Südpfalz. Am Ende dieser Überlegungen stand die Erweiterung des Charité-Netzwerkes, dem im näheren Umkreis auch Praxen in der Rhein-Neckar-Region angehören. Aber was bringt das den Patienten?

Charité hilft vor allem bei Krebserkrankung

„Wir machen hier keine Außenstelle auf“, betont Schlomm. „Und es geht auch nicht darum, alle Patienten in die Charité zu holen.“ Das Ansinnen sei vielmehr, die Expertise, die die renommierte Hauptstadtklinik hat, in die Fläche zu tragen. „Wir können ein paar Dinge besonders gut“, sagt Schlomm. Zu diesen Dingen zähle die Krebstherapie, vor allem bei Tumoren an der Prostata. So weit zur Theorie.

Wie die Zusammenarbeit im Netzwerk praktisch aussieht, wird anhand eines Beispiels deutlich. Wird etwa bei einem Patienten in Landau eine schwerwiegende Erkrankung an der Prostata diagnostiziert, können die Kollegen in Berlin mit all ihrem Fachwissen herangezogen werden. Dazu gebe es einen datenschutzkonformen Informationsaustausch, erklärt Bruch. Auf dieser Basis können dann Therapiemöglichkeiten ausgelotet werden. Das funktioniert alles digital, ohne dass jemand nach Berlin reisen muss.

Auch Kliniken in Landau und Speyer mit im Netzwerk

„Wichtig ist der niedrigschwellige Zugang“, sagt Schlomm. „Wir wollen ja keine Pilgermedizin.“ In den meisten Fällen gehe es am Ende um eine Therapieempfehlung. Sollte ein komplexer Eingriff notwendig sein, der die Möglichkeiten vor Ort überschreitet, kann dieser auch an der Charité durchgeführt werden.

Das Netzwerk beschränkt sich derweil nicht nur auf die Praxis in Landau. Auch das Vinzentius-Krankenhaus in Landau sowie das Vinzentius-Krankenhaus in Speyer sind eingebunden. So sei unter anderem auch die Nachsorge optimal gewährleistet, erklärt Schlomm.

Der Professor aus Berlin sieht in diesem Netzwerk ein beispielhaftes Modell. „Die Zukunft des Gesundheitssystems muss so laufen“, sagt er. Das Wissen in der Medizin wachse stetig und rasant an. „Dadurch kann einfach nicht mehr jeder alles machen.“ Entscheidend ist seiner Ansicht nach die enge Vernetzung zwischen ambulanter Praxis, Krankenhaus und universitärer Expertise.

Alle Männer sollten zur Vorsorge

Aber nun von den großen Linien noch einmal zurück zu den alltäglichen Problemen. Etwa zu der landläufigen Meinung, der Urologe sei ein Männerarzt – was Quatsch ist. „Etwa 30 Prozent unserer Patienten sind Frauen“, erklärt Rhein. Fast jede Frau sei früher oder später mit Inkontinenz konfrontiert. Die Behandlung übernimmt ebenfalls der Urologe. „Wir haben hier sogar das Glück, dass wir eine Urologin haben.“

Ein weiteres problematisches Thema betrifft die Männer. Es geht um Erektionsstörungen, die gerne unter den Teppich gekehrt werden. Darüber redet nun mal niemand gerne. Dabei ist das ab einem gewissen Alter völlig normal, erklären die Landauer Urologen. „Und man muss das ja auch nicht weitertratschen“, sagt Rhein. Grundsätzlich gelte: Jeder Mann ab 45 Jahren – bei familiärer Vorbelastung mit Prostata- oder Brustkrebs von Eltern oder Geschwistern ab 40 Jahren – sollte unbedingt einmal im Jahr zur Vorsorgeuntersuchung kommen – bevor eine Erkrankung zu spät erkannt wird.

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