Nußdorf
Preisgekrönter Garten öffnet Tür: Wo Disteln wachsen dürfen und Wildbienen nisten
„Damals waren solche Aktionen noch nicht so bekannt wie heute“, erinnert sich Klaus Müller. Inzwischen kommen die Besucher und Besucherinnen aus der ganzen Region, viele aus dem Saarland. „Wenn das Wetter mitspielt, steigen viele aufs Fahrrad und schauen sich mehrere Gärten an einem Tag an“, weiß Hedwig Müller. Die beiden haben schon einiges erlebt: Mal kamen nur ganz wenige Leute, in dem Jahr nach der Pandemie wurden sie dagegen förmlich überrannt. Die Müllers und ihr Garten waren bereits im Fernsehen zu sehen und wurden beim Wettbewerb „Garten für die Artenvielfalt“ ausgezeichnet.
Nicht geschniegelt: Natur darf sich ausbreiten
Wer durch die alte Scheune auf das Anwesen in der Kirchstraße läuft, steht plötzlich mitten in einer lebendigen Naturoase. Auf rund 500 Quadratmetern wachsen Kräuter, Stauden, Gemüse, Obst und zahlreiche Wildpflanzen. Kleine Wege und Stufen führen durch die verschiedenen Gartenbereiche. Nichts wirkt streng angelegt oder geschniegelt. Stattdessen darf die Natur ihren Platz behalten. Dem Ehepaar Müller ist es wichtig, Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen. In den Beeten summen große schwarze Wildbienen, im kleinen Teich tummeln sich Molche, während blau schimmernde Libellen über die Wasseroberfläche flitzen. Dazwischen wachsen Kräuter, Himbeeren, Mohnblumen und Gemüse. Rund 200 verschiedene Pflanzenarten haben die Müllers im Laufe der Jahre angesiedelt.
Kompost- und Regenwasseranlage
Auch wenn sie von einem Wildgarten sprechen, steckt dahinter viel Arbeit. Es sei immer was zu tun, sagen sie schmunzelnd. Neben der Solaranlage auf dem Dach sammeln sie Regenwasser und leiten es in die verschiedenen Beete. Auch der Kompost wird selbst hergestellt.
Besonders stolz sind sie auf ihr Sandarium. Die offene Sandfläche wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, erfüllt aber eine wichtige Aufgabe. „Hier nisten unsere Wildbienen“, erklärt Klaus Müller. „Viele Besucher denken bei Bienen sofort an Honig. Aber die meisten Wildbienen produzieren keinen Honig und leben nicht in großen Völkern.“ Tatsächlich gibt es in Deutschland mehr als 560 Wildbienenarten. Rund drei Viertel von ihnen legen ihre Nester im Boden an und benötigen dafür offene, sandige Flächen.
In vielen modernen Gärten fehlen solche Bereiche. „Wir haben hier ungefähr zwei Dutzend verschiedene Wildbienenarten beobachtet“, berichtet Müller. Deshalb dürfen auch Pflanzen stehen bleiben, die anderswo oft entfernt werden.
Stattliche Distel darf hier gedeihen
Er zeigt auf eine stattliche Distel, die sich meterhoch in den Himmel streckt. „Eine Distel ist für viele Menschen nur Unkraut. Für viele Insekten ist sie eine wichtige Nahrungsquelle“, ergänzt Hedwig Müller.
Viele Besucher und Besucherinnen würden nach praktischen Tipps für den eigenen Garten fragen. Wie lässt sich mit einfachen Mitteln etwas für Insekten tun? Welche Pflanzen eignen sich? Wie kann man Regenwasser nutzen? Antworten darauf finden sich überall im Garten.
In einer kleinen Anzuchtstation wachsen Jungpflanzen heran. „Unsere Eimerwirtschaft“, sagt Hedwig Müller lachend. Beim bevorstehenden Tag der offenen Gartentür freuen sich die beiden vor allem auf die Gespräche und den Austausch.
Info
Die Gärten in der Südpfalz zum Tag der offenen Gartentür sind im Netz unter der Webadresse www.gartenbauvereine.de zu finden.