Godramstein Platin-Jubiläum im Kirchenchor
Man hätte den Zeitpunkt nicht besser wählen können: Der vierte Sonntag nach Ostern, Kantate genannt, („Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“ aus Psalm 98) ist der Kirchenmusik gewidmet, und in der protestantischen Kirche Godramstein wurde eine Ehrung vorgenommen: 70 Jahre Singen im Kirchenchor. Wäre es ein Ehejubiläum, spräche man von Platin ... Der Jubilar Herbert Kleinmann erhielt von Vera Steuerwald, der Obfrau für Kirchenmusik, mehrere Urkunden und Glückwunschschreiben. Hannelore Stuck, die Vorsitzende des Kirchenchors , dankte ihm mit einer Rose.
Es war ein Kanongottesdienst, den der Kirchenchor gestaltete und den der 87-jährige Herbert Kleinmann mit seiner schönen, tragenden Tenorstimme freudig unterstützte. Viel hat er zu erzählen, der musikalische Godramsteiner, den im Dorf jeder kennt. Schon als Kind entdeckte er – vom Mandoline und Ziehharmonika spielenden Vater musikalisch geprägt – seine Leidenschaft für das Singen. Im Kindergottesdienst übertrug man dem 13-Jährigen sogar kurzerhand das Dirigat bei einem Auftritt in Spirkelbach.
Erst die Ausbildung
Zusammen mit zwei Freunden fasst er den Beschluss, nach Beendigung der Schulzeit dem Kirchenchor beizutreten. Doch Kleinmann musste sich noch etwas gedulden, denn dem strengen Vater war es wichtig, dass der Sprössling seine Berufsausbildung zum Kaufmann ohne Ablenkungen absolvierte. So wurde Herbert 17, bis es endlich soweit war. Drei Singstunden lang quälte er sich im Bass, doch das war nicht seine Stimmlage. Chorleiter Knippenberg hatte ein Einsehen und fortan bereicherte der junge Mann den 60 Sängerinnen und Sänger starken Chor als Tenor. Es folgten erlebnisreiche Kirchenchorjahre unter Engmann, Hauck, Weiß und bis auf den heutigen Tag Thomas Leiner. Teilweise war Herbert Kleinmann der einzige Tenor, und nicht nur diese Tatsache ließ bei dem engagierten Sänger ein großes Pflichtbewusstsein entstehen, das sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Auch mit zwei weiteren männlichen und zwei weiblichen Tenorsängerinnen und Sängern kommt es kaum vor, dass der Jubilar eine Chorprobe versäumt.
Herbert Kleinmann brachte sich auch lange Zeit im Männerchor Schubertiade und in einem Kammerchor in Landau ein, und wenn man ihn verzweifelt fragte, ob er nicht dringend bei einem Konzert in der Region aushelfen könne, war er immer wieder gerne zur Stelle. Auch im Saarland unterstützte er kurzzeitig einen Chor mit dem Ziel, ein Konzert zu bestreiten.
In Erfurt ausgeholfen
Mehr noch: Durch eine Bekannte erfuhr er von einer Kirchenrenovierung in der Nähe von Erfurt, und 400 Kilometer waren ihm nicht zu weit, zusammen mit seiner vor einem Jahr verstorbenen Ehefrau Annemarie gerade mal so am Wochenende dem dortigen Kirchenchor bei einem Konzert auszuhelfen. Die Lieder dafür hatte er zu Hause einstudiert.
Man merkt es Herbert Kleinmann an, mit welchem Stolz es ihn erfüllt, wenn er von den vielen Erlebnissen in Zusammenhang mit dem Singen erzählt. Nicht immer waren es freudige Anlässe. Einige Jahre fungierte er auch bei Beerdigungen als Chorleiter. Es war nicht nur seine Musikalität, die er mitbrachte. Auch an geselligen Aktivitäten beteiligt er sich bis auf den heutigen Tag gerne. Die Teilnahme an Kirchenchorausflügen, Weihnachtsfeiern, Sommerfesten, Altennachmittagen, früher auch an Tanzveranstaltungen und Theateraufführungen, liebte er.
Einmal fertigte ihm ein Mitsänger, von Beruf Schlosser, ein Drahtgestell an, damit Kleinmann eine Frauenrolle bei einem Theaterabend des Kirchenchors spielen konnte. Die Geschichten von früher lassen ihn schmunzeln und erfreuen ihn. Vor 70 Jahren konnte er keine Noten lesen, und lateinische Texte fielen ihm schwer. Herbert Kleinmann stellte sich jeder Herausforderung und hatte bald Erfolge damit. Der Godramsteiner Kirchenchor spendete seinem beliebten Mitglied mehrmaligen langen, herzlichen Applaus.