Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Pfeffer&Salz will den alten Luitpoldbrunnen zurück

So sah der Landauer Rathausplatz früher aus. Sollte er auch künftig so aussehen?
So sah der Landauer Rathausplatz früher aus. Sollte er auch künftig so aussehen?

Prinzregent Luitpold hat in diesem Frühsommer kaum in der Sonne darben müssen. Umso hitziger wird die Debatte um seinen Standort geführt. Besser: aufgewärmt.

In der letzten Stadtratssitzung vor den Kommunalwahlen am Sonntag legte die Fraktion Pfeffer&Salz einen Antrag vor, der auf die Rekonstruktion des einstigen Luitpoldbrunnens auf dem Rathausplatz dringt. Das Werk des Architekten Friedrich von Thiersch war 1892 enthüllt worden und stand bis 1936 auf dem Paradeplatz. Der Reiter ist noch da, er thront auf einem Sockel, immer wieder mal liebevoll von unbekannten Mächten dekoriert. Ihm fehlt nur das Wasser.

Kein Wunder, dass sich Kommunalpolitiker mit der Frage befassen, wie der Rathausplatz unter dem Eindruck des Klimawandels Hitzestress-resistent gestaltet werden kann. Zählt doch die Innenstadt neben dem Horst zu den am stärksten von Hitze belasteten Stadtvierteln in Landau.

Zierkirschen sollen weg

Schon im März des vergangenen Jahres hatte sich Fraktionschefin Gertraud Migl zu Wort gemeldet, weil es nicht so bleiben kann, wie es ist. Sie möchte die Zierkirschen gegen großkronige Bäume austauschen. Gegen stechende Sonnenstrahlen hilft ein dichtes Blätterdach besser als nur ein Strohhut. So schön die üppige Blütenpracht im Frühling ist, im Hochsommer werfen die Bäumchen einfach zu wenig Schatten.

Jetzt kommt Pfeffer&Salz mit dem Brunnen-Antrag. Völlig überraschend baut Migl kurz vor knapp sogar gehörigen Druck auf. Im Mittelpunkt der Argumentation steht nun nicht der Hitzestress auf dem Platz. Vielmehr geht es um den Gewinn an Attraktivität. Die Stadt müsse, angesichts der veränderten Einkaufsgewohnheiten, neue Wege finden, die Altstadt als Forum der Stadt für Bewohner und Touristen wieder attraktiver und lebendiger zu machen. So steht es im Antrag zur letzten Stadtratssitzung.

Bis 1936 sah der Landauer Luitpoldbrunnen so aus.
Bis 1936 sah der Landauer Luitpoldbrunnen so aus.

Dank Brunnen Kontakt zum Wasser

Den Luitpoldbrunnen beschreibt die Fraktion als „kräftigen Verstärker“, ein „wunderbarer Treffpunkt für Jung und Alt“. Vier Fontänen und die Wasserflächen spendeten Kühle. Familien und Kinder hätten Kontakt zum Wasser, bei geringer Wassertiefe und niedrigem Brunnenrand und, und, und.

Doch der Brunnen könnte noch sehr viel mehr leisten, nämlich den Nazis ein Schnippchen schlagen. Im übertragenen Sinne. Wörtlich heißt es in der Begründung des Antrags: „Die Zerstörung der Brunnenanlage durch die Nationalsozialisten würde wiedergutgemacht.“ Die neuen, rekonstruierten alten Wasserspiele – mit Luitpold hoch zu Ross in der Mitte – sollten ein sichtbares Zeichen dafür sein, „die Vergangenheit mit der Zukunft unserer Stadt zu verbinden, indem sowohl Schönheit als auch die heutige Funktionalität miteinander verschmolzen werden“. Zitatende. Die Wiedererrichtung soll Wunden heilen.

Keine Schützenhilfe der CDU

Gertraud Migl war es auffällig dringlich, ja, sie insistierte gar mehrfach, der Antrag möge doch beschlossen werden. Das sieht ihr gar nicht ähnlich. Wer sich aufmerksam auf die Kommunalwahlen am Sonntag vorbereitet hat, weiß, dass in den Reihen von Pfeffer&Salz neue Gesichter aufgetaucht sind. Unter anderem das von Mario Albers. Ahaaaa, werden aufmerksame RHEINPFALZ-Leser nun wissend sagen.

Genau, der Lehrer ist nämlich auch Sprecher des Regionalverbandes Südpfalz des Vereins Stadtbild Deutschland. In dieser Funktion ist er bereits mehrfach als Verfechter einer Weiterentwicklung alter Baukultur anstelle einer seelenlosen modernistischen Bauweise aufgetreten und schaltet sich mit Vorschlägen und Veranstaltungen in die öffentliche Diskussion ein. Was zu begrüßen ist.

Wir wollen der streitbaren Gertraud Migl nicht unterstellen, dass sie ihren Verein Pfeffer&Salz von Stadtbild hat kapern lassen. Neue Köpfe bringen neue Ideen, dagegen ist gar nichts zu sagen. Doch die Frage muss erlaubt sein: Wo ist ihr politischer Instinkt geblieben? Zwar hatte sich die CDU bei einer Debatte über den Rathausplatz im vergangenen Jahr für eine Brunnenlösung starkgemacht, doch das war weder ausdiskutiert noch konnte sich Migl am Dienstag ernsthaft Schützenhilfe aus dieser Richtung erhoffen.

Postkarte von 1935 nach einem Aquarell von August Croissant (1870 - 1940).
Postkarte von 1935 nach einem Aquarell von August Croissant (1870 - 1940).

Bürgerbeteiligung?

Was ist mit den Bürgern? Sind die Wünsche nach Beteiligung nur Lippenbekenntnisse? Wollen die Landauer überhaupt einen altertümlichen Brunnen mitten in ihrer Stadt? Auch der Stadtbild-Funktionär scheint vergessen zu haben, dass er sich wiederholt vehement dafür eingesetzt hat, die Landauer Bevölkerung zu hören?

Am Ende war es ganz einfach: Pfeffer&Salz ist über die eigenen Füße gestolpert. Zunächst. Denn auf Antrag dieser Fraktion hat der Stadtrat im Herbst 2023 die Auslobung eines Ideenwettbewerbs für die Umgestaltung des Rathausplatzes beschlossen. Das Votum fiel einstimmig. Die Brunnenfrage kann nicht losgelöst vom Gesamtkonzept gedacht werden.

Einziger Wermutstropfen: Der für den Haushalt 2024 versprochene sechsstellige Betrag für den Wettbewerb musste gestrichen werden, weil die Stadt knapp bei Kasse war. Die Umgestaltungspläne sind einstweilen verschoben.

Weil sich in der letzten Ratssitzung traditionell alle in den Armen liegen und die schönen fünf Jahren beschwören, war der Stadtrat gnädig und hat den Antrag von P&S zum Prüfantrag umdefiniert und in den neuen Bauausschuss verwiesen. Bis in einem Luitpoldbrunnen Wasser sprudeln könnte, fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter.

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