Landau
Parkkonzept im Malerviertel stößt auf wenig Gegenliebe von Anwohnern
Vermutlich gibt es schönere Termine im Kalender eines städtischen Beamten: An Abenden mit Titeln wie „Bürgerinformationsveranstaltung: Parkraummanagement im Flieger- und Malerviertel“ müssen sie den Leuten erklären, warum bald etwas Geld kostet, was bisher immer umsonst war. So werden es zumindest einige der zahlreich erschienen Anwohner wahrgenommen haben, die sich am Donnerstagabend in einem Saal der Berufsbildenden Schule eingefunden haben. Nach der Innen- und der Südstadt wird bald auch im Landauer Norden die neue Parkraumbewirtschaftung umgesetzt.
Dass das neue Parkkonzept, das im Malerviertel bis zum 1. Juli schrittweise umgesetzt wird, für die Anwohner auch Nachteile bringt, möchten Ralf Bernhard und Stefan Grewenig von der städtischen Mobilitätsabteilung gar nicht verhehlen. Hier konnte bislang an den Gehwegen umsonst und unbegrenzt lange geparkt werden. Künftig werden am Straßenrand feste Parkflächen eingezeichnet.
Dabei fallen auch öffentliche Parkplätze weg. 300 sollen es am Ende noch sein. Die Tickets kosten 1,30 Euro pro Stunde und bis zu 190 Euro im Jahr. Bernhard und Grewenig beschwichtigen: Die Parksituation könnte am Ende für die Anwohner sogar besser sein als vorher – obwohl erst einmal Stellplätze wegfallen.
Autos parken Gehwege zu
Dass besonders nach Feierabend die Gehwege im ganzen Malerviertel mit Autos zugestellt sind, das weiß jeder, der hier mal gewohnt hat. Dabei stehen die Autos oft so weit auf dem Bürgersteig, dass für Fußgänger kaum noch Platz ist. Das darf nicht sein. Dazu gebe es Gerichtsurteile, erklärt Stefan Grewenig. „Und solche Beschwerden erreichen uns zuhauf.“
Beim neuen Parkkonzept habe die Stadt versucht, möglichst viele Stellplätze zu „retten“. Eigentlich sei eine Restgehwegbreite von 2,50 Metern vorgeschrieben, so Ralf Bernhard. Dem Stadtrat reichen 1,60 Meter als Minimum aus. Grewenig zeigt auch Fotos von Straßen, die so zugeparkt sind, dass Anwohner kaum aus ihren Garagen herauskommen oder die Müllabfuhr auf einen Grünstreifen ausweichen muss. Parken dort sei bislang toleriert worden, verboten aber sei es aber vorher schon gewesen.
Parkgebühren auch Steuerungsinstrument
Bernhard berichtet aus den Erfahrungen in der Südstadt. Durch die Teuerung hätte man von den Anwohnern dort anfangs „erhebliche Schläge“ bezogen. Die Kritik sei inzwischen aber leiser geworden, weil sich die Parksituation insgesamt gebessert habe. „Die Gebühren wirken auch als eine Art Steuerungsinstrument. Wenn sich nur zehn Berufsschüler entscheiden, künftig mit dem Bus oder mit Fahrrad zu kommen, haben wir dauerhaft zehn Parkplätze mehr für die Anwohner“, sagt Grewenig. Dauerparker im öffentlichen Raum, ob Pkw oder Anhänger, müssten sich andere Lösungen überlegen.
Zu guter Letzt soll die neue Regelung diejenigen motivieren, die auf dem eigenen Grundstück Stellplätze haben, dennoch aber auf der Straße parken. „Als die neue Regelung in der Südstadt losging, war beim Wertstoffhof Hochbetrieb“, erinnert sich Grewenig. „Da waren plötzlich ein Haufen Leute unterwegs, die ihre Garage entrümpelt oder einen zugewachsenen Stellplatz freigeschnitten hatten.“ Natürlich ist es der Stadt ein Anliegen, dass private Plätze auch genutzt werden, um den Parkdruck im öffentlichen Raum einzudämmen.
Zwei Autos, aber nur eine Garage
Nicht jeder Zuhörer kann sich mit den optimistischen Prognosen der Stadt anfreunden. Als Bernhard von der nun besseren Parksituation in der Südstadt erzählt, ruft einer dazwischen: „Das stimmt doch gar nicht!“ Ein anderer Zuhörer schildert, dass er zwei Autos, aber nur eine Garage habe. Mit der neuen Regelung bräuchte er entweder zwei Jahrestickets oder er kann nur noch jeweils mit dem gleichen Auto am Gehweg parken. Unmöglich sei das. Und die Putzfrau, die einmal die Woche kommt, muss dann auch noch einen Parkschein ziehen? Ein anderer wird noch deutlicher: „Die Grundsteuer hat sich vervielfacht, wir zahlen die wiederkehrenden Beiträge, und jetzt noch die Parkplatzabzocke. Ihr redet immer von Bürgerbeteiligung, wo war hier die Beteiligung?“