Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Nur wenige Südpfälzer Apotheken bieten Grippe-Impfung an

Für Ältere und für Risikopatienten wird die Grippe-Impfung von Ärzten empfohlen.
Für Ältere und für Risikopatienten wird die Grippe-Impfung von Ärzten empfohlen.

Seit einem Jahr darf in Apotheken geimpft werden. Der große Ansturm auf die Covid-Vakzine ist vorbei. Jetzt geht die Grippesaison los. Aber die wenigsten Südpfälzer Apotheker bieten den Piks an. Warum nicht?

„Was sollen wir denn noch alles machen?“ Das haben sich laut Apotheker Andreas Hott aus Landau wohl die meisten Kollegen gedacht, als der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Apotheken in das deutsche Impfsystem einpflegen wollte. Auch Hott hat nicht die Hand gehoben. Der Regelbetrieb in seiner Beethoven-Apotheke in Landau ist durch Personalmangel fordernd genug. Der Vorsitz beim Landesapothekerverband kommt noch dazu. 80-Stunden-Wochen seien keine Seltenheit, sagt er.

Landesweit hätten an den Schulung zwischen 200 und 300 Personen teilgenommen, von denen heute rund 100 tatsächlich impfen. Von Oktober 2021 bis September 2022 seien 229 Grippe-Impfungen registriert worden. Es scheitere häufig am fehlenden Personal, den Räumlichkeiten und am finanziellen Anreiz. 11 Euro verdient der Apotheker an einer Impfung. Mit Vorgespräch und Papierkram koste eine Impfung etwa 20 Minuten Arbeitszeit.

Zu wenig Personal

Gabi Deutsch geht es wie vielen ihrer Kollegen. Für die Inhaberin der Kreuz-Apotheke in Rülzheim hat es nie wirklich Sinn gemacht, Impfungen anzubieten. „Wir bräuchten einen halben Umbau, um das überhaupt räumlich hinzukriegen“, sagt sie. Obwohl noch eine weitere Apothekerin bei ihr arbeitet, sei es oft schon ein Kampf, das normale Geschäft über die Bühne zu bringen. Komme ein Impfling mit Nebenwirkung zurück, könne sie ihm nicht weiterhelfen, meint Deutsch, deshalb sei das Impfen bei den Ärzten besser aufgehoben.

In der Südpfalz tut dies aktuell nur eine Apothekerin. Helma Gröschel betreibt die Alte Apotheke in Herxheim, die Apotheke Hornbach Zentrum in Bornheim sowie weitere in Pirmasens und Waghäusel.

Kurze Wege

Gröschel teilt die Bedenken ihrer Rülzheimer Kollegin nicht – sie ist nämlich sowohl Apothekerin als auch Ärztin. Es war ihr ein Anliegen, zur Verbesserung des Impfangebotes beizutragen. Darum arbeitete sie auch im Impfzentrum, wo sie einige medizinisch-technische Assistenten kennenlernte. „Die dürfen zwar nicht selbst impfen, aber dabei assistieren. Heute machen sie das in meinen Filialen.“

In ihren Apotheken in Herxheim und Bornheim gibt es auch genug Platz. „Das Interesse ist auch da. Auch in den ersten Monaten, wo es uns gesetzlich noch nicht erlaubt war, für die Impfung bei uns Werbung zu machen, kamen durch Mundpropaganda schon einige Kunden auf uns zu.“ Sie habe annähernd 20 Mal gegen Grippe und 230 Mal gegen Corona geimpft. Der Ansturm wird jetzt zunehmen, denn ab November zahlen alle Kassen die Impfung, bislang war es laut Gröschel nur die AOK. Für manche Leute seien der kurze Weg in die Apotheke und die vertraute Umgebung genau das Richtige. Bei Corona-Impfungen brauche es immer eine Gruppe vom sechs Personen, weil die Kanüle so viele Dosen enthält und der Rest sonst entsorgt werden müsste. Hier werden also Sammeltermine angeboten.

Der beste Zeitpunkt für die Grippe-Impfung sei zwischen Oktober und Dezember, sagt Gröschel. Sinnvoll sei sie für über 60-Jährige, Schwangere, chronisch Kranke und Menschen mit Herz- und Kreislaufproblemen. „Grippe-Impfstoffe sind weitestgehend ausverkauft, wir verimpfen auch nur das, was wir auf Lager haben“, berichtet Gröschel. Noch gebe es keine Engpässe. Die Produktion orientiere sich an den Vorbestellungen. „Wenn wir also im Dezember merken, das wir zu wenig haben, wird nicht extra Nachschub hergestellt.“

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