SÜDPFALZ
Nur virtuell liegen sich die Sieger in den Armen
Florian Maier hatte gut lachen gestern Abend. Der 35-Jährige hat seinem Vorgänger, dem Hainfelder Ortsbürgermeister Wolfgang Schwarz, alle Ehre gemacht und das Direktmandat verteidigt. Er sei aufgewühlt, sagte er der RHEINPFALZ am Telefon. Ob er feiere? „Ich habe keinen Sekt kalt gestellt“, gestand der Dammheimer, der als Ortsvorsteher und Stadtratsmitglied fest verankert ist in der Kommunalpolitik. Er sitze mit seiner Frau am PC und studiere die Wahlergebnisse, die Kinder (zwei, vier und sieben Jahre) schon im Bett. „Ich hab’ mir das auch anders vorgestellt, wenn man dann in den Landtag gewählt wird.“
Maier ist ehrlich. Er habe schon mit dem Sieg gerechnet, aber auch damit, dass es eng wird zwischen ihm und CDU-Kontrahent Peter Lerch, der das Mandat vor zwei Jahren von Christine Schneider übernommen hat. „Mein Ergebnis kann sich sehen lassen“, zeigt sich der 35-Jährige selbstbewusst. Sein Team und er hätten einen ruhigen und unaufgeregten Wahlkampf gemacht, die Stimmung sei gut gewesen in den letzten Tagen. Maier betont, er habe versucht, in die Zukunft gerichtete Themen in den Fokus zu nehmen. „Aber Corona war das dominierende Thema. Die Leute reden über nichts anderes.“ Die Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat die SPD durch diesen Wahlkampf getragen. „Die Leute trauen ihr zu, dass sie das Land in die richtige Richtung führt.“
Auftrag der Wähler
Der zweite Sieg des Abends im Wahlkreis 50 geht voraussichtlich an Lea Heidbreder. Sie belegt Platz 9 auf der Landesliste der Grünen. Das könnte klappen. Zwar sah es am Abend nicht nach einem zweistelligen Ergebnis für die Grünen aus, aber die 30-jährige Psychologin feiert doch ihr gutes Abschneiden vor allem in der Stadt Landau. Mit über 16 Prozent konnte sie das Ergebnis zur Landtagswahl 2016 verdoppeln. „Darüber freue ich mich schon.“ Ist ihre Botschaft zum Klimaschutz beim Wähler wirklich angekommen? Heidbreder verweist auf das Landesergebnis . „Bei der Ampel (gemeint sind SPD, FDP und Grüne, Anmerkung der Redaktion) sind wir die einzigen, die gewinnen konnten.“ Darin sehe sie einen Wählerauftrag, den Klimaschutz in den Fokus zu nehmen. Nur eines fehlt an diesem Abend: die Feier mit dem Team und sich gegenseitig in den Arm zu nehmen. Sie habe Respekt und Ehrfurcht vor der Aufgabe – so es denn etwas wird mit dem Job in Mainz.
Für ihn ist es nun vorbei: Peter Lerch kann die Aktentasche nach zwei Jahren Arbeit im Landtag in die Ecke stellen. Er hat keinen komfortablen Listenplatz im Rücken. „Mir hat der Abwärtstrend für die CDU zu schaffen gemacht“, sagt der 66-Jährige mit Blick auf die Maskenaffäre und die Kritik an der Corona-Strategie der Bundesregierung. Es habe nicht am Einsatz seiner Mannschaft gefehlt, auch nicht an der des Spitzenkandidaten Christian Baldauf. Für Lerch ist das Ergebnis eine große Enttäuschung, weil er sich auf diese Aufgabe gefreut habe und weil das Team eine gute Arbeit gemacht habe, trotz Corona. Maier sei mitgezogen worden vom Landestrend. „Er liegt bei den Erststimmen unter dem Landesergebnis, ich liege darüber.“
Freie Wähler glücklich
Der Abend bot einige Überraschungen. Vielleicht der größte Aha-Effekt: Die Freien Wähler, in den Kommunen feste Größen in den Parlamenten, haben nun auch im Landtag Sitz und Stimme. „Wir sind alle ganz glücklich“, sagte Bernd Ließfeld, Direktkandidat und im Geschäftsführenden Vorstand der Freien Wähler auf Landesebene. Der 70-Jährige sieht wichtige Themen auf die Fraktion zukommen: Krankenhaus-Fiananzierung, kommunaler Finanzausgleich, ÖPNV. „Aber alles wird überschattet von Corona.“
Carsten Triebel (FDP) zeigte sich am Abend leicht enttäuscht: „Ich hatte mir etwas mehr erhofft.“ Für sich selbst hatte er sich ein Ziel von um die fünf Prozent der Wahlkreisstimmen gesetzt, bekommen hat er sechs Prozent. Allerdings hatte er aufgrund der letzten Prognosen auf etwa neun Prozent für die Liberalen auf Landesebene gehofft, ein Ziel, das sie deutlich verfehlt haben. Dennoch freut sich Triebel, dass es für das bisherige Regierungsbündnis zum Weitermachen reiche.
AfD verliert
Vom Ergebnis enttäuscht ist auch Norbert Herrmann (AfD), der auf etwa zehn Prozent gehofft hatte. Aber offenbar habe das Auseinanderbrechen der Fraktion im Stadtrat seine Partei Stimmen gekostet. Allerdings: Auch auf Landesebene landete die AfD nur bei 8,6 Prozent der Stimmen. Bei den Landesstimmen hat die AfD 4,3 Prozent gegenüber dem Ergebnis von 2016 eingebüßt.
Die Zeit sei wohl noch nicht reif für einen echten Wechsel in den Köpfen, sagt Kaycee Hesse aus Landau, die darauf gehofft hatte, dass die Klimaliste die Fünf-Prozent-Hürde überspringen würde und sie auf Listenplatz vier ins Mainzer Parlament einziehen würde. Aber offenbar hätten auch aus den Fridays-for-Future-Kreisen und der jungen Generation ihre Stimmen eher den Grünen gegeben als der Klimaliste, aus Angst, sie zu verschenken.
Daniel Emmerich (Die Linke) ist mit seinem eigenen Ergebnis als Neuling insbesondere in Landau recht zufrieden, nicht aber mit dem Abschneiden auf Landesebene. Offenbar mache es sich die sehr pluralistische Partei selbst sehr schwer, ihre Botschaft an die Wähler zubringen.