Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Baustein für Gesundheitsmeile

Die Baugrube (hellgrau) an der Paul-von-Denis-Straße von Süden aus gesehen.
Die Baugrube (hellgrau) an der Paul-von-Denis-Straße von Süden aus gesehen.

Die Paul-von-Denis-Straße mausert sich von einer schlichten Zufahrt zum Wohnpark am Ebenberg zum Wohn- und Gewerbegebiet mit einem Schwerpunkt bei der medizinischen Versorgung. Ganz oben, nahe bei der Queichheimer Brücke, siedelt sich das Pfalzklinikum an. Reichlich Platz für Studierende gibt es aber auch noch.

In der Paul-von-Denis-Straße wächst ein weiteres Projekt aus der nicht eben kleinen Baugrube: ein von den 1920-er-Jahren inspirierter Neubau, in dem unter anderem Studentenwohnungen entstehen. Es gliedert sich aber auch in die Gesundheitsangebote ein, die die Stadt dort bündeln will, denn das Pfalzklinikum richtet dort eine neue Anlaufstelle ein. Im Frühjahr 2022 soll alles fertig sein. Bis dahin werden gut 17 Millionen Euro verbaut sein.

Festungsmauer in der Tiefgarage

Gut 1500 Lastwagenladungen Erdaushub galt es aus der 110 Meter langen Baugrube wegzuschaffen. Nur in der Mitte musste unbedingt etwas stehenbleiben. Dort waren, wie erwartet, bei Sondierungen Mauern des Werks 100 der Festung Landau gefunden worden, die es laut Denkmalpflege zu erhalten galt. Sie werden in die Tiefgarage integriert. Genauer: Es werden zwei Tiefgaragen mit 30 und 32 Stellplätzen links und rechts des Festungswerks gebaut. Kein einfaches Unterfangen für Bauherr Costa Reuter (Reuter Real Estate, Klingenmünster), der auch im Wohnpark am Ebenberg eine der alten Kasernen an der Cornichonstraße saniert und durch Neubauten ergänzt hat. Dieses Quartier No.1 ist erst kürzlich vom auf Architektur und Design spezialisierten Callwey-Verlag mit dem Architekturpreis für den besten Wohnungsbau in der Kategorie Quartiersentwicklung ausgezeichnet worden. Reuter hatte in der Paul-von-Denis-Straße bei einem Investorenwettbewerb den Zuschlag für das 4700 Quadratmeter große Grundstück erhalten.

Appartements und WGs für Studis

Der Entwurf stammt vom vielfach ausgezeichneten Frankfurter Architekten Stefan Forster (der in Rockenhausen geboren wurde). Details müssen noch mit der Stadt abgestimmt werden, beispielsweise die genaue Farbe der Klinker fürs Erdgeschoss. Forster hat dafür fast schwarze Steine vorgeschlagen, während die Obergeschosse mit stark strukturierten Putzflächen und Gesimsen gegliedert werden.

Im längeren Baukörper parallel zur Straße sind 76 Studierendenwohnungen vorgesehen, entweder als Ein-Zimmer-Appartements oder als Wohngemeinschaften mit vier Schlafzimmern und zwei Bädern, die in den Penthäusern untergebracht werden. Sie werden an Kapitalanleger verkauft, laut Reuter sind auch schon 70 Prozent vermarktet. Pläne für einen Biomarkt haben sich zerschlagen. Stattdessen wird im Erdgeschoss das Pfalzklinikum einen Großteil mit Praxis- und Büroflächen belegen. Es will dort unter anderem eine ambulante Anlaufstelle zur Versorgung von Menschen mit psychologischen und neurologischen Erkrankungen einrichten. Außerdem sind dort eine Bäckerei mit Café, eine Waschlounge und ein Gemeinschaftsbereich für die Studierenden geplant.

24 Wohnungen auf Zeit

Im südlichen Bauteil senkrecht zur Straße sollen im Erdgeschoss Büros und Praxen einziehen. Darüber gibt es weitere Studentenwohnungen und 24 voll möblierte „serviced Appartements“ – nur die Matratze muss man selbst mitbringen, sagt Reuter. Diese 24 bis 104 Quadratmeter großen Wohnungen sollen dem Wohnen auf begrenzte Zeit dienen. Gedacht sind sie beispielsweise für Menschen, die in Landau einen Job gefunden haben, aber erst die Probezeit abwarten und ihr dauerhaftes Quartier finden wollen, für Unternehmen, die beispielsweise Schulungspersonal unterbringen wollen, für Gastdozenten der Uni oder auch für Menschen, die nach einer Trennung schnell ein Dach überm Kopf brauchen.

Oberbürgermeister Thomas Hirsch hält das Projekt für eine gute Ergänzung des Gesundheitsstandorts Landau; auch bei Wohnmöglichkeiten für Studierende gebe es noch einen hohen Bedarf. Nach seinen Angaben wird die Stadt noch dieses Jahr eine weitere Fläche in der Straße vermarkten, die ehemals von Südwestbus genutzt worden war und ursprünglich für ein Studierendenwohnheim vorgesehen war. Es soll eine Konzeptvergabe geben mit der Maßgabe, dass auch dort medizinische Versorgung eingeplant wird, eventuell auch Wohnraum für Menschen mit Behinderung. Was einmal aus der ehemaligen Villa wird, die die Stadt zuletzt als Notunterkunft für Obdachlose genutzt hatte und in der Reuter jetzt sein Baubüro eingemietet hat, ist noch offen. Gegenüber, wo der abgebrannte Voodoo-Club dem Erdboden gleichgemacht ist, kommt möglicherweise einmal eine neue Rettungswache hin.

Korrektur

Im Text-Intro hieß es, dass sich das Pfalzinstitut in Landau in der Nähe der Queichheimer Brücke ansiedele. Das ist nicht korrekt, das Pfalzklinikum siedelt sich dort an – wie es im weiteren Text auch richtig heißt. Wir haben die Stelle korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.
So sollen die Neubauten einmal aussehen. Die Fertigstellung ist im Frühjahr 2022 geplant.
So sollen die Neubauten einmal aussehen. Die Fertigstellung ist im Frühjahr 2022 geplant.
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