Landau Muslime sorgen sich, dass Stimmung kippt

Die in Landau lebenden Muslime sorgen sich, dass nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln die Stimmung kippen könnte und alle Muslime unter Generalverdacht gestellt werden könnten. Sie machen deutlich, dass sie genauso erschüttert sind und eine schnelle juristische Verfolgung der Täter erwarten und begrüßen.
Die Muslime in Landau – etwa 500 in der türkisch-islamischen Gemeinde und weitere 120 in der arabisch-islamischen – glaubten fest an den Rechtsstaat und die freiheitlich-demokratischen Grundwerte. „Die Täter (...) sollten sich bewusst sein, dass sie das Gastrecht verletzen und die große Mehrheit an Flüchtlingen und seit Jahren hier lebenden Migranten unter Generalverdacht stellen“, heißt es in einer Erklärung, die Aydin Tas (Vorstandsmitglied der türkisch-islamischen Gemeinde und SPD-Stadtratsmitglied), Ali Simsek (Vorsitzender der Gemeinde), Orhan Yilmaz (Vorsitzender des türkischen Sportvereins und stellvertretender Vorstand der Gemeinde) sowie Houari Dada für die arabische Gemeinde der Presse vorgestellt haben. Sie lehnen auch kulturelle Erklärungsversuche der Kölner Übergriffe ab: „Wir (...) verlieren das Vertrauen in den Rechtsstaat, wenn wir die Täter nach kulturellen Hintergründen und sozialen Zugehörigkeiten unterscheiden und unterschiedliches Recht walten lassen“, so die Erklärung. „In Landau kennen wir uns seit Jahren, da spürt man noch nichts von Ablehnung“, betont Simsek, aber Dada beobachtet mit Sorge, wie ausländerfeindliche Stimmungen in sozialen Netzwerken um sich greifen. Und nicht zuletzt machen den Männern die Brände von Herxheim Angst. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung das friedliche Zusammenleben vergiften“, heißt es in dem Papier. „Wir werden immer gegen Gewalt eintreten, das ist unsere Grundeinstellung“, sagt Tas, „wir wollen als Teil dieser Stadt mit allen friedlich zusammenleben.“ Natürlich werde über solche Themen auch beim Freitagsgebet in der Moschee gesprochen, sagt Simsek. Er versichert, dass dort nie Radikalisierungstendenzen zu spüren gewesen seien. Zum selbst ernannten Islamischen Staat sagt Simsek: „Das sind Terroristen.“ Islam und Terrorismus gehe ebenso wenig zusammen wie Christentum und Terrorismus. „Wir sind die jüngste der drei Religionen und sind von unserem Glauben her verpflichtet, auch die beiden vor uns und ihre Bücher, also Thora und Bibel, sowie ihre Propheten zu akzeptieren“, betont Yilmaz. Er bringt sehr pfälzisch auf den Punkt, was er von Intoleranz hält: „Do gehd mir des Messer im Sack uff.“ (boe)