Landau
Mit Schnelltest in die Außengastronomie
Allerdings auch nur unter zwei – oder sogar drei – Vorbehalten: Der Inzidenzwert (Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen) muss in der jeweiligen Kommune unter 100 liegen, und die Gäste müssen einen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Das hat das Land am Freitagnachmittag mitgeteilt. Es will Wirten und ihren Gästen zum Frühjahrsbeginn und zu den Osterfeiertagen eine Perspektive bieten.
Was plant Landau?
In Landau will Oberbürgermeister Thomas Hirsch die neue Freiheit nutzen – nicht nur für die Gastronomie, sondern so lange wie möglich auch für den Einzelhandel, und perspektivisch auch für Sport und Kultur. „Freiheit in Sicherheit“ nennt der Oberbürgermeister das. Die Stadt und der Kreis Südliche Weinstraße lagen mit ihren Inzidenzen von 32 (Landau) und 59,7 (Kreis SÜW) im Öffnungskorridor, während im Landkreis Germersheim mit seiner Inzidenz von 131 (alles Stand Freitag, am Wochenende werden keine neuen Zahlen erhoben) an diesen Lockerungsschritt derzeit nicht zu denken ist.
De facto wird es aber wohl noch ein paar Tage länger dauern, bis der Espresso in der Königstraße, die Erfrischung im Eiscafé in der Ostbahnstraße oder das Mittagessen auf dem Rathausplatz wieder möglich wird: Nach Monaten im Lockdown – im November waren die Wirte wegen der zweiten Infektionswelle zum Zusperren verdonnert worden – müssen die Wirte erst wieder einkaufen, Personal aus der Kurzarbeit holen und ihre Lokale vorbereiten. Hirsch rechnet nach Gesprächen mit einigen Gastronomen damit, dass es im Lauf der Woche so weit sein wird.
Machen alle Wirte mit?
Vermutlich wird nicht jeder Gastronom den Schritt wagen, denn die Öffnung vor Ort ist nur möglich, so lange der Landesinzidenzwert unter 100 liegt. Und das ist der dritte Vorbehalt. Noch tut er das mit 77,7 (Stand Sonntag, 11.10 Uhr), aber bundesweit hat er die Hürde am Sonntag mit 103,4 schon wieder übersprungen. Es ist daher vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis der Wert auch in Rheinland-Pfalz stramm in die Höhe geht. Dann gehört neben der Gastronomie auch der Einzelhandel zu den Leidtragenden, weil dann wieder nur Terminshopping möglich sein wird. Es gebe noch „einiges an Unsicherheiten“, sagt Hirsch und ist gespannt auf die Bund-Länder-Schaltkonferenz am Montag.
Wie geht das mit dem Testen?
Hirsch sieht Landau gut vorbereitet – eigentlich. In Abstimmung mit Speyer und Neustadt, die Ähnliches vorhaben, will der Oberbürgermeister ein Landau-Ticket einführen, wie es die Unistadt Tübingen mit ihrem Grünen-Oberbürgermeister Boris Palmer testweise vorgemacht hat. Dort ist der negative Schnelltest für alle ab 14 Jahren die Zugangsvoraussetzungen nicht nur zur Gastronomie, sondern beispielsweise auch zu Kunst und Kultur. Wie das in Rheinland-Pfalz funktionieren könnte, darüber will das Land nach Angaben des Oberbürgermeisters am Mittwoch informieren. „Wir wollen möglichst viel möglich machen“, sagt der Oberbürgermeister, der anfangs zusammen mit seinen Nachbarn, den Landräten Dietmar Seefeldt (SÜW) und Fritz Brechtel (Germersheim) eher zu den restriktiveren Verwaltungschefs gezählt hatte, aber nun schon seit Längerem Öffnungsperspektiven fordert.
Reichen die Testkapazitäten?
Landau sei mit seinem von der DLRG federführend betriebenen Schnelltestzentrum in der Festhalle gut vorbereitet, sagt der Oberbürgermeister. Dort seien derzeit noch erhebliche Kapazitäten frei. Ob und wie lange diese Kapazitäten ausreichen werden, sei aber noch nicht absehbar. Denn auf der einen Seite sind die Menschen, die sich nach etwas mehr Freiheiten sehnen, auf der anderen diejenigen Bürger, die sich über steigende Infektionszahlen und Virus-Mutanten sorgen. Da im Testzentrum bisher nicht registriert wird, wer sich wann hat testen lassen, wäre es theoretisch möglich, sich dort jeden Tag sein Unbedenklichkeitsticket abzuholen.
Sind weitere Testmöglichkeiten nötig?
In Tübingen oder Münster werde das Testen sehr gut angenommen, sagt Hirsch, der sich unter anderem an den Strategien dieser Städte orientiert. Er kann nicht ausschließen, dass das Testzentrum daher auch an seine Kapazitätsgrenzen stößt, die er derzeit auf vielleicht zwei Tests pro Einwohner und Woche schätzt. „Das ist nicht allein Aufgabe der öffentlichen Hand“, betont Hirsch. Er erwartet, dass nicht nur die Kommune mithilfe zahlloser Ehrenamtlicher Testmöglichkeiten vorhält, sondern dass sich auch andere daran beteiligen. Landau sei mit Ärzten und Apothekern im Gespräch, damit diese zusätzliche Kapazitäten aufbauen.
Der Oberbürgermeister sieht aber auch die Wirtschaft gefordert. Er denkt an Testmöglichkeiten einzelner großer Händler ebenso wie an gemeinsame Aktionen beispielsweise des Verbands der aktiven Unternehmer (Aku). Der logistische Aufwand sei gering, in Tübingen reichten beispielsweise ein paar Partyzelte im Stadtgebiet, und zumindest bei größeren Einkäufen wären die Kosten des Tests verschmerzbar. Perspektivisch ist für Hirsch aber auch noch eine weitere Variante vorstellbar: dass der Kunde seinen Selbsttest aus Discounter oder Apotheke mitbringt (der vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen und auf dessen Website gelistet sein muss) und ihn unter den Augen eines dazu abgestellten Mitarbeiters vor Möbelhaus oder Markt anwendet. Dann könne auch der Einzelhandel ein Testat ausstellen, das 24 Stunden lang an allen Stellen im Stadtgebiet gültig sei. Eine solche Möglichkeit sei vom Land ausdrücklich vorgesehen.
Was passiert mit Schummlern?
Dass mit negativen Testergebnissen auch geschummelt wird, schließt Hirsch nicht aus. Doch das Ordnungsamt werde diese Zertifikate auch überprüfen, kündigt er an, und dann würden auch Bußgelder verhängt. Mit den 55 Euro für geringfügige Verstöße ist es dann nicht getan. Die Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes ist nicht zimperlich: Wer Schutzmaßnahmen oder Hygienevorschriften nicht einhält oder gegen Vorgaben der Zutrittsgewährung verstößt, wird mit 1000 Euro zur Kasse gebeten. Wer mit der eigenen Unvorsichtigkeit andere ansteckt, kann sogar strafrechtlich belangt werden.
Was müssen Wirte noch beachten?
Selbst wenn die Außengastronomie wieder öffnet, ist dies noch keine Rückkehr zu vollkommener Normalität: Es gilt die Regel, dass maximal fünf Personen aus höchstens zwei Hausständen zusammensitzen dürfen. Gäste und Personal müssen eine medizinische Maske tragen, die die Gäste nur unmittelbar am Platz ablegen dürfen. Außerdem müssen die Wirte nach wie vor die Kontaktdaten ihrer Gäste erfassen.
Wann hat die Teststation auf?
Die Teststation in der Landauer Festhalle in der Mahlastraße ist ab Montag, 22. März, montags bis samstags von 10 bis 19.30 Uhr sowie sonn- und feiertags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, kann aber Wartezeiten ersparen. Die Möglichkeit der Terminbuchung gibt es im Internet unter www.corona-test-landau.de.