Landau Mit der Stoppuhr die Glut im Auge

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Aller Rauchverbote zum Trotz – es gibt ihn noch, den Rauchclub Edelweiß, der am vergangenen Samstag auf den Tag genau seinen 111. Geburtstag feierte. Gemeinsam mit dem befreundeten Rauch- und Schießclub aus dem benachbarten Berghausen trafen sich die Mitglieder im Clubhaus zum Feiern und natürlich zum Rauchen.

Mit dem Frühlingsfest und anderen Aktivitäten sei der Rauchclub ein fester Bestandteil des kulturellen Ortsgeschehens, sagte Bürgermeister Manfred Scharfenberger. In seiner Rede erinnerte er an die lange Tradition der Rauchclubs und des Tabakanbaus in der Region. Vielen Familien sicherte die Arbeit auf den Tabakfeldern oder das Drehen der Zigarren das notwendige Einkommen. In den Nachkriegsjahren waren es vor allem die Frauen, die in den Zigarren-Manufakturen oder auch in Heimarbeit den Tabakblättern die gewünschte Form verliehen. Nichtsdestotrotz waren die Rauchclubs über lange Jahre eine Männerdomäne. „Erst seit 1966 sind Frauen bei uns zugelassen“, erzählte „Edelweiß“-Vorsitzender Walter Sommer. Heute sitzen ganze Familien zusammen, um dem Rauchsport zu frönen. „Ja bei uns geht es auch sportlich zu“, lachte Sommer. Im Mai 2002 wurde gar das Bundeswettrauchen in Römerberg veranstaltet. Elf Clubs und knapp über 100 Teilnehmer aus ganz Deutschland rauchten um den Titel des deutschen Meisters oder die Mannschaftsmeisterschaft. Auch am 111. Geburtstag wollten sich Gastgeber und Gäste dem Spaß eines Wettrauchens nicht verweigern. Rauchwartin Magda Maier hatte dafür ausreichend „Krumme Hunde“ organisiert. Und das Besondere an den krummen Zigarillos? – „Nix – aber sieht doch gut aus“, schmunzelte Sommer. Jeder Teilnehmer hatte außer seinem Zigarillo Streichhölzer und einen eigenen Ascher vor sich stehen, „damit man sich nicht in die Quere kommt“. Auf das Kommando „Feuer frei“ wurden die Krummen Hunde angezündet, Maier setzte die Stoppuhr in Gang. Ziel ist es, die Zigarillos so lange wie möglich am Glühen zu halten. „Nachgezündet werden darf nur innerhalb der ersten Minute“, erklärte Sommer. Schon wurde es merklich ruhiger in der Runde. Der erwartete Qualm aber blieb aus. „Erstaunlich, nicht wahr“, lachte Sommer. Konzentriert behielten die Teilnehmer ihre Glut im Auge. Sommer war durch das Gespräch abgelenkt und zog nicht rechtzeitig an seinem Zigarillo – ausgeschieden. „Jetzt gibt es wenigstens jemand, der sich um die Getränke kümmern kann.“ Sommer nahm es sportlich und erzählte weiter: „Ich bin froh, dass wir damals die Anstrengung auf uns genommen haben, dieses Clubhaus zu bauen.“ Das Rauchverbot in Gaststätten beraubte viele Rauchclubs ihrer Räume. Das Geld für den Bau wurde von Clubmitgliedern bereitgestellt, die es nach und nach aus den Einnahmen von Veranstaltungen wie dem Frühlingsfest wieder zurückbekamen. 2005 legten Brandstifter ein Feuer, das großen Gebäudeschaden anrichtete. Wieder waren die Mitglieder und viel Eigenleistung gefordert. „Deshalb haben wir unsere 100-Jahr-Feier auf 2007 verlegen müssen und kurzerhand das 101. Jubiläum gefeiert.“ Unkompliziert wie die Clubmitglieder sind, wird dieses Jahr der 111. Geburtstag gefeiert und in neun Jahren der 120. „Dann passt’s wieder“, meinte Sommer, der in seinem ganzen Leben noch keine Zigarette geraucht haben will. „Im Sommer auf der Bank im Garten zu sitzen und in aller Ruhe eine Zigarre rauchen, ist doch was ganz anderes“. |mele

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