Landau Millionen wählen, wenige zählen
Vor der Wahl: Der Unterschied zwischen Erst-und Zweitstimme sitzt schon mal. Gymnasiastin Julia Wind darf bei der Bundestagswahl zum ersten Mal wählen. Mehr noch: Sie hat sich auch als Wahlhelferin gemeldet, zusammen mit ihrem Freund Leo Heupel. Die Stadt Landau sucht noch weitere Helfer.
Lange Zeit hatte Julia gebangt, ob sie im Herbst überhaupt zur Wahl gehen darf. „Ich werde erst am 22. September 18“, erklärt die Bornheimerin. Inzwischen ist klar: Sie darf am Wahlsonntag, der inzwischen auf den 24. September gelegt wurde, zum ersten Mal mit entscheiden, wie es politisch in Deutschland weitergehen soll. Das ist ihr aber nicht genug. Gemeinsam mit ihrem Freund Leo hat sie sich nach einem Aufruf in der RHEINPFALZ freiwillig als Wahlhelferin gemeldet. Auf die Frage, ob sie denn nichts besseres zu tun hätten, lachen die beiden. „Wahrscheinlich würde ich normalerweise ausschlafen und mich mit Freunden treffen. Julia würde vermutlich lernen“, gibt Leo zu. Beide werden im nächsten Schuljahr ihr Abitur am Landauer Otto-Hahn-Gymnasium machen. Statt Schulstoff zu pauken, werden sie am letzten Sonntag im September eine Praxiseinheit in Demokratie absolvieren. „Ich finde es einfach wichtig. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir überhaupt die Möglichkeit haben, wählen zu gehen“, sagt der 18-Jährige, der bis jetzt auch nur das Presbyterium seiner Kirche wählen durfte. Als Wahlneuling ist Julia besonders interessiert daran, den Ablauf einer Wahl kennenzulernen. „Ehrlich gesagt dachte ich, dass sich zu viele Freiwillige zur Wahl melden würden, schließlich muss man sich nicht großartig vorbereiten und nur einen halben Tag Freizeit opfern“, meint Julia. Leo und sie können aber auch verstehen, dass es für viele Menschen nicht unbedingt reizvoll ist, an einem Sonntagmorgen vor 8 Uhr im Wahllokal zu stehen und noch bis spät abends Stimmen auszuzählen – und das für ein Erfrischungsgeld von 25 Euro. Trotzdem freuen sie sich besonders auf das Auszählen der Stimmen: „Ich finde es immer erstaunlich, wie schnell die Wahlergebnisse feststehen, obwohl doch Millionen von Menschen wählen gehen“, sagt Leo, „diesmal können wir dann live beobachten, wie das geht.“ Die beiden sind politisch interessiert, haben in letzter Zeit auch verschiedene Demonstrationen gegen Rechts und für Europa besucht. Natürlich werden sie auch selbst ihre Stimme abgeben: „Ich bin mir aber noch nicht hundertprozentig sicher, was ich wählen will“, gibt Julia zu. Bevor sie sich festlegt, möchte sie sich noch ganz genau über die Parteien, Politiker und Positionen informieren. Das hat auch Leo vor: „ Zum Einstieg bietet sich da der Wahl-o-Mat an. Da kann man die wichtigsten Standpunkte der Parteien auf einen Blick miteinander vergleichen.“ Doch zunächst werden sie jetzt erstmal gemeinsam mit Freunden mit dem Fahrrad durch Europa touren. Von der Donauquelle bei Donaueschingen bis nach Budapest soll die Reise gehen. Täglich gut 80 Kilometer Strecke werden sie zurücklegen und im Zelt übernachten. Auch ansonsten sind die zwei OHGler sportlich unterwegs und klettern in ihrer Freizeit. Leo spielt außerdem Schlagzeug. Ihren Wahldienst möchten Julia und Leo gerne gemeinsam im Wahllokal in der Grundschule Wollmesheimer Höhe leisten. „Wenn das nicht klappt, ist es aber auch nicht so schlimm“, sagt der Landauer. Das städtische Wahlamt will ihren Wunsch aber berücksichtigen. Nach oder vor ihrer Schicht im Wahllokal wird sich Julia dann auf den Weg nach Bornheim machen und dort ihre Stimme abgeben: „Das ist dann gar kein Problem mehr. Schließlich darf ich dann selbst Auto fahren“, freut sie sich. Kontakt Wer sich wie Julia und Leo vorstellen kann, am Wahlsonntag Demokratie live zu erleben, der kann sich per E-Mail bei wahlen@landau.de oder am Telefon 06341 131104 anmelden. Laut den zwei Erstwählern ist die Anmeldung schnell erledigt und nicht mit großem Aufwand verbunden.