Bornheim
Michelin-Ausbau: Gemeinderat entscheidet am Dienstag
6,3 Hektar Fläche hat der Reifenhersteller Michelin angrenzend an sein Lager in Mörlheim aufgekauft. Rund 40.000 Quadratmeter zusätzliche Lagerfläche sollen hier entstehen. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) aus Neustadt hat befunden, dass das Vorhaben aus Sicht des Naturschutzes grundsätzlich möglich ist. Auch wenn das Wort Genehmigung im Namen der Behörde steckt, heißt das aber keineswegs, dass bald die Bagger neben dem seit über 38 Jahren bestehenden Gelände rollen. Denn der eigentliche Beschluss, ob gebaut werden darf oder nicht, fällt am Dienstag, 17. November, der Gemeinderat. Und der ist sich alles andere als einig.
Das Thema werde sehr ausführlich in den gemeindlichen Gremien diskutiert, sagt Ortsbürgermeisterin Elke Thomas. Man wolle mit der Sitzung auch für die Firma Klarheit schaffen. Ebenso wie der Erste Beigeordnete Alexander Kirchmer lässt sie Thomas nicht in die Karten schauen. Beide wollen dem Ratsbeschluss nicht vorgreifen.
Nein der Umwelt zuliebe
17 Mitglieder hat der Gemeinderat. Thomas Bach von der Freien-Wähler-Gruppe hat kein Problem damit, seine Meinung kundzutun. Er wird den Ausbau wohl ablehnen. „Zum einen aus Umwelt- und Naturschutzgründen. Die Schneise zwischen den Gewerbegebieten Landau und Bornheim wird dadurch kleiner gemacht“, sagt er. Das Gebiet, wo der Ausbau erfolgen soll, liegt in einem Vorranggebiet für die Landwirtschaft mit dem Ziel der Grünzäsur. Hier darf eigentlich nicht gebaut werden. Das steht im regionalen Raumordnungsplan und im Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde Offenbach. Außerdem ist das Gebiet naturschutzrechtlich geschützt. Zu diesem Aspekt hatte die SGD ein Zielabweichungsverfahren durchgeführt und den Bau trotz der angrenzenden Flora und Fauna und dem Vogelschutzgebiet als grundsätzlich machbar eingestuft. Bach stört aber nicht nur der Umweltaspekt. Er sieht im Ausbau auf der Bornheimer Gemarkung auch einen zu großen Flächenverbrauch: „Das Gewerbegebiet Bornheim ist ohnehin nicht so groß. Der Ausbau wäre eine Bürde für die Zukunft.“ Die Gemeinde würde sich hier etliche Möglichkeiten verbauen, so Bach. Bei der letzten internen Abstimmung der FWG seien die Meinungen noch auseinander gegangen. Bach hofft, seine Mitstreiter noch für seine Sichtweise sensibilisieren zu können.
Geld allein überzeugt nicht
Unentschlossen ist Wolfgang George, Fraktionsvorsitzender der SPD. Er war, so wie die meisten Ratsmitglieder, bei der Werksbegehung von Michelin dabei und kann die Argumente des Unternehmens zum Teil verstehen: „Ich war Jahrzehnte lang in der Logistik bei Daimler, von dem her ist das nichts Neues für mich. Ich kann zum Beispiel verstehen, dass es nicht effektiv ist, in die Höhe zu bauen. Wenn man die Reifen oben lagert, muss man sie ständig wieder herunterholen.“ George hat aber auch Bedenken. Was, wenn künftig jemand im Gewerbegebiet Platz braucht? Kann der dann noch unterstützt werden? Auch der Zuwachs der Gewerbesteuer – Michelin ist einer der größten Steuerzahler in Landau und würde künftig erhebliche Summen an Bornheim entrichten – will ihn nicht so recht überzeugen. „Mehr als drei Viertel davon gehen an Verbandsgemeinde und Landkreis. Da bleibt wenig übrig. Aber klar, auch das bisschen brauchen wir“, sagt er. Um eine finale Entscheidung treffen zu können, müssten erst noch ein paar Worte geredet werden.
Die CDU hält sich ähnlich wie die Ortsbürgermeisterin bedeckt. Ratsmitglied David Weis versichert aber, dass die vier Mitglieder der Partei alle in die gleiche Richtung gehen. „Das Thema beschäftigt uns schon länger. Wir haben in der Fraktion lange diskutiert über die Ausarbeitung der SGD, die Begehung im Werk und über das, was die Bürger sagen“, berichtet er.
Gründe für den Ausbau
Wieso braucht Michelin den zusätzlichen Platz überhaupt? „Wir streben eine Erweiterung an, weil wir an unsere Kapazitätsgrenzen stoßen“, sagt Pressesprecherin Maira Zöller über die aktuell rund 300.000 Quadratmeter messende Standortfläche. „Der Standort Landau dient auch als Distributions-, Import- und Produktionslager für Karlsruhe. Deshalb ist er so wichtig für uns. Und deshalb arbeiten wir auch eng mit den Behörden zusammen.“ Durch den Anbau sollen auch neuen Arbeitsplätze geschaffen werden.
Die Sitzung des Gemeinderates wird also spannend. Bereits Ende September bekam der Reifenhersteller immerhin schon eine Erweiterung von knapp 3600 Quadratmetern nördlich der vorhandenen Lagerhallen genehmigt – noch gerade auf Landauer Gemarkung. Auf der Trasse eines ehemaligen Gleisanschlusses für das Lager sollen Stahlpaletten, die für den Umschlag von Reifen im Lager benötigt werden, sowie unbedenkliche Materialen gelagert werden.