Landau
Mein schönstes Spiel: In Zeiskam ganz lang den Tag der Einheit gefeiert
Roland Humbert denkt gerne an diesen Tag der Deutschen Einheit. Selten hat Zeiskams ehemaliger Bürgermeister das Wort Feiertag wohl so wörtlich genommen. Das lag an dem Spektakel, dass sich am Abend zuvor abspielte. Der Sensationserfolg von Holstein Kiel im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern München in der zweiten Runde um den DFB-Pokal im Januar erinnerte ihn an dieses Ereignis vom 23. Oktober 2013.
Verbandspokal. Tennenplatz. Flutlicht. Die Bedingungen für das Viertelfinalspiel des Verbandsligisten TB Jahn Zeiskam zu Hause gegen das Oberliga-Spitzenteam TSG Worms-Pfeddersheim haben wohl das Herz des einen oder anderen Amateur-Fußball-Romantikers höher schlagen lassen. „Die Gäste wollten unbedingt am Abend zuvor spielen und wussten, dass das nur unter Flutlicht auf dem Tennenplatz ging“, sagt Humbert.
Torwart Hess sieht „Rot“
Seine zweite Amtszeit als Vereinsvorsitzender war seit gut drei Jahren vorbei gewesen. Trotzdem ließ er sich ein Heimspiel seines Herzensvereins selten entgehen. „Der Pulsschlag bei den Zeiskamer Anhängern und natürlich auch bei mir ging schon früh hoch“, erinnert sich der 79-Jährige.
Es dauert nicht lange, bis sich die Gemüter erregen. In der 14. Minute stellt sich Jahn-Torwart Steffen Hess einem Stürmer, der allein auf sein Tor zuläuft, entgegen und wehrt dessen Schuss aus zwei Metern Entfernung ab. Der laut Humbert gut positionierte Schiedsrichter lässt weiterspielen. „Doch die Assistentin hob die Fahne. Dann gab es einen Platzverweis für Hess, weil sie ein Handspiel, und das kurz vor dem Strafraum, gesehen hatte. Eine strittige Szene“, erinnert sich Humbert. Ralf Bittig, heute für die TSG Jockgrim aktiv, ging hinaus. Ersatztorwart Conrad Siegler kam rein.
Der zweite Tiefschlag
Die Gastgeber, sichtbar angestachelt, gaben dann Gas. Die Unterzahl habe sich, so Humbert, nicht bemerkbar gemacht. Schon drei Minuten später hatte Yasin Öczelik die Chance auf das 1:0, er wurde wegen Abseits zurückgepfiffen. Nach einer halbe Stunde Spielzeit lag der Führungstreffer wieder in der Luft. Nach gutem Pass von Maurice Hafner, heute spielender Cotrainer bei der von Steffen Hess gecoachten Phönix Bellheim, zögerte Öczelik etwas, der Gästetorwart konnte in höchster Not klären.
Fast mit dem Pausenpfiff dann der zweite Tiefschlag für die Zeiskamer: Ein Abwehrspieler will den Ball ins Toraus rollen lassen. Doch der pfeilschnelle Dennis Seyfert erreicht ihn noch, gibt ihn nach innen, Jakob Siebecker vollstreckt. „Das war es wohl gewesen, dachte ich beim Gang zum Pausenkaffee“, sagt Humbert. „Doch die zweite Halbzeit lehrte mich eines Besseren.“
Marcel Thiede gleicht aus
Die Zeiskamer Truppe, von Trainer Sahin Pita gut eingestellt und sehr laufstark, bekam den Oberligisten mehr und mehr in den Griff. Zweimal habe es im Gästestrafraum nach Handspiel gerochen, erzählt Humbert. „Beides blieb ungeahndet, was man hätte verstehen können, wäre da nicht die 14. Minute gewesen.“
In der 71. Minute fiel der überfällige Ausgleich: Christian Liginger, der bis 2015 beim TB Jahn spielte und 2018 für eineinhalb Jahre zurückkam, setzte einen Freistoß an den Pfosten. Öczelik eroberte den Abpraller, ließ einen Gegner aussteigen und bediente Marcel Thiede, der zum 1:1 vollstreckte. Es ging in die Verlängerung.
Siegler verwandelt
„Unsere Elf hatte bereits 75 Minuten in Unterzahl den Gegner in Schach gehalten. Aber es schwächelte keiner unserer Buben, vielmehr waren sie überraschenderweise in der Verlängerung überlegen“, sagt Humbert. Der quirlige Öczelik wurde immer wieder toll in Szene gesetzt, konnte jedoch fünf gute Chancen nicht verwerten. In der Schlussminute knallte das Spielgerät an den Pfosten. „Das war über den ganzen Platz zu hören.“
Also kam es zum Elfmeterkrimi. Beide Teams starteten treffsicher und verwandelten jeweils die ersten fünf Bälle. Und dann, besser hätte man es wohl nicht schreiben können, wurde Siegler tatsächlich zum Helden des Abends. Er hielt Elfmeter Nummer sechs. Zeiskams sechster Schütze, Pascal Thiede, verwandelte cool. „Dann brachen alle Dämme“, erzählt Humbert. „Dass es dann im Clubhaus lange hoch herging – schließlich war am nächsten Tag Feiertag – versteht sich von selbst. Auch daran denke ich gerne zurück.“
Die Gäste gaben sich als faire Verlierer. Im Halbfinale gegen Regionalligist SV Niederauerbach war dann Schluss für Zeiskam.