Landau „Luft, Licht, Sicht weg“
und das Studierendenwerk Vorderpfalz haben Großes vor. Die Erweiterung der Aldi-Verkaufsfläche und der Bau eines darüber liegenden Studentenwohnheims in der Annweilerstraße in Landau sind beschlossene Sache (wir berichteten zuletzt am 30. August). Die Kommunalpolitiker haben sich mit den Plänen ausgiebig befasst, Aldi und das Studierendenwerk äußerten sich in offenen Briefen dazu. Nur die Menschen, die als direkte Nachbarn von dem Großprojekt unmittelbar betroffen sein werden, hat niemand nach ihrer Meinung gefragt. Die Anwohner tun sich schwer damit, ihre Bedenken offen und in der Öffentlichkeit zu äußern. Die überwiegend älteren Menschen befürchten Anfeindungen. Doch: „Wenn keiner was unternimmt, passiert auch nichts.“ Das sagt Gerlinde Neiss und stellt klar, dass sie sich mit der Aktion weder in den Vordergrund drängen noch für Unfrieden sorgen möchte. Zum Gespräch mit der RHEINPFALZ trommelt sie einige Nachbarn zusammen. Sieben Rentner und der Vertreter der Hausverwaltung Scharfenberger beteiligen sich am Austausch der Nachbarn. Die Leute wohnen in der Annweilerstraße 11, 11a, 13 und 13a. Das große, fünf- beziehungsweise sechsstöckige Gebäude steht vorne an der Straße und blickt hinten auf das Aldi-Grundstück vor der Bahnlinie. Rechts neben Aldi steht ein ebenfalls mehrstöckiger Neubau in der Nähe des Supermarkt „Nah und Gut“ mit dessen Parkplatz. Die Anwohner sind keine Aldi-Gegner oder grundsätzliche Widersacher der Baupläne, wie im Gespräch deutlich wird. Ihr größtes Ärgernis ist die Art, wie die Stadt mit ihnen kommuniziert hat – nämlich gar nicht. Aus der RHEINPFALZ haben sie von Bau und Umfang erfahren und fühlen sich nun vor vollendete Tatsachen gesetzt. An zweiter Stelle steht die Sorge um ihre Lebensqualität. „Den Anwohnern wird Luft, Licht und Sicht genommen“, heißt es in einem Rundbrief, den Neiss an ihre Nachbarn verteilt hat. Sie befürchtet eine erhebliche Zunahme des Verkehrs, weil dort ja Studenten einziehen sollen. Da Aldi seine Verkaufsfläche vergrößert und mehr Waren anbieten kann, wird auch der Lieferverkehr zunehmen, vermuten die Nachbarn. Das Anwesen 11a ist eine Eigentümergemeinschaft. Einige Nachbarn rechnen mit einer Wertminderung ihrer Wohnungen. Neiss startete eine Unterschriftenaktion, an der sich rund 100 Anwohner beteiligt haben. Diese liegt schon im Rathaus. Auch Andreas Dannenmaier ist von offizieller Seite nicht informiert worden. Der Verwalter von Scharfenberger, in der Annweilerstraße zuständig für 60 Wohnungen, fordert: „Wir wollen harte Fakten von der Stadt aus erster Hand haben“, denn nur dann könne man an Aldi herantreten. Lothar Zimmerle sagt: „Es ist schade, dass so eine schöne Anlage zerstört wird. Jeder fährt hier gerne hin, auch zum Einkaufen“. Neiss und ihre Mitstreiter genießen die abendliche Ruhe und loben das gute Miteinander, auch mit Studenten in der Nachbarschaft. Die Anwohner sind nicht auf einen Rechtsstreit aus. Sie wollen jedoch ihre Interessen wahren und unzumutbaren Belastungen widersprechen.