Landau Liebhaber von alten Maschinen

«Siebeldingen.»Edmund Entzminger hat früher in seiner Kfz-Werkstatt am Ortsausgang von Siebeldingen Richtung Birkweiler nicht nur Wagen auf Vordermann gebracht. „Ich habe alles repariert, was Räder hat und bewegt werden konnte“, erzählt der 75-Jährige. Selbst an Kinderwagen habe er Hand angelegt, wenn es sein musste. Die große Leidenschaft von Entzminger waren die Motorräder. Vor allem historische Zweiräder haben es dem 75-Jährigen angetan. Demzufolge ist es nicht überraschend, dass er einige alte Maschinen bei sich stehen hat. Beispielsweise eine NSU Quick, die in den 50er-Jahren auf deutschen Straßen rollte. Das wahre Schmuckstück des gelernten Kfz-Mechanikers, der früher auch mal für die Instandhaltung des Fuhrparks der Bundeswehr-Station in Bad Bergzabern zuständig war, steht beim Besuch des „Marktplatz regional“-Redakteurs gleich im Hof: eine NSU Fox, Baujahr 1949. Nicht irgendeine. Die alte Maschine, die in den Jahren zwischen 1948 und 1952 gebaut wurde, gehörte einst Paul Adenauer, dem Sohn des ersten Bundeskanzlers. Am 18. Januar 1923 in Köln als viertes Kind von Konrad Adenauer geboren, studierte Paul Adenauer Theologie, bevor er 1951 zum Priester geweiht wurde. Am 5. August 2007 starb er im Alter von 84 Jahren in Bergisch Gladbach. Eben jener saß in jungen Jahren auf dem Sattel des Motorrads, das Entzminger heute bei sich im Hof stehen hat. Er ist insgesamt der dritte Besitzer des Oldtimers, der im Jahr 1950 vom Straßenverkehrsamt Bonn für den Straßenverkehr zugelassen wurde. Dem guten Stück sieht man das stolze Alter von knapp 70 Jahren auf den ersten Blick gar nicht an. „Durch eine kleine Annonce in der Sperrmüllzeitung, die es früher für die Haushalte gab, wurden wir auf den Verkauf des Motorrads aufmerksam“, erinnert sich Elke Entzminger. Das war Ende der 70er-Jahre gewesen. In der Anzeige war schon damit geworben worden, dass die Maschine zuvor Paul Adenauer gehörte. Die Entzmingers haben nicht gezögert. „Wenig später sind wir mit Auto und Anhänger nach Köln gefahren, um uns die Maschine genauer zu betrachten“, erzählt Edmund Entzminger. Zu seinem Erstaunen hatte der Verkäufer den Original-Fahrzeugbrief. „Das kommt selten vor bei solchen Oldtimern.“ Der Verkauf wurde eingetütet, für einen niedrigen vierstelligen Betrag wechselte die Maschine den Besitzer. Wie hoch der Wert des Motorrads heute sei, sei schwer zu beziffern. „Der ideelle Wert ist vermutlich höher als der finanzielle.“ Wieso der Verkäufer aus Köln das Kraftrad loswerden wollte, sei ihm nicht bekannt gewesen. „Er war schon etwas älter und ist vermutlich nicht mehr damit gefahren.“ So kam es, dass Edmund Entzminger mit der NSU Fox gelegentlich seine Runden im Ort drehte. Bis zu 80 Stundenkilometer konnte er mit der Maschine fahren. „Für längere Fahrten habe ich sie jedoch nie genommen.“ Es sei die alte Technik, die ihn an alten Maschinen fasziniere. Stolz präsentiert Entzminger auch die Bauanleitung, die er beim Kauf der NSU Fox mitbekam. „Wie die Zweiräder früher gefertigt wurden, das ist schon beeindruckend“, sagt Entzminger.