Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landauer Kirchen möchten am Kirchenpavillon festhalten

Der Start in die Saison des Kirchenpavillons wurde wegen Corona verschoben.
Der Start in die Saison des Kirchenpavillons wurde wegen Corona verschoben.

Die Nachricht hat die Gemüter erhitzt: Die Landeskirche will Himmelgrün verkaufen. Der Kirchenpavillon, der seit der Landesgartenschau im Süden Landaus im heutigen Wohnpark am Ebenberg steht, ist kaum wegzudenken. Die Stadt hat wegen der Corona-Pandemie gerade andere Sorgen.

Er ist so etwas wie die ökumenische „Außenstelle“ der Landauer Kirchengemeinden. Der Kirchenpavillon, nach Ende seiner Mission als Teil der Landesgartenschau 2015 durch die Teams des Missionarisch-Ökumenischen Dienstes (MÖD) bespielt, wird in andere Hände übergehen. Die Frist von fünf Jahren endet 2020. So lange musste die Landeskirche am Pavillon festhalten, weil das Projekt zur Gartenschau von der EU gefördert wurde. Die Nachricht vom bevorstehenden Verkauf des prämierten Kirchenbaus hatte die Gemüter, nicht zuletzt der unmittelbar Beteiligten, aus unterschiedlichen Gründen erhitzt. Fest steht: Die in ökumenischem Konsens kooperierenden Landauer Kirchengemeinden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) wünschen sich einen Fortbestand des sakralen Angebots im peripheren neuen Stadtteil am Ebenberg.

Bereits im Frühherbst 2019 habe er seine übergeordnete Kirchenbehörde in Speyer ersucht, Kontakt aufzunehmen mit der Stadt Landau, die Grund und Boden für den Himmelgrün-Pavillon zur Verfügung gestellt hatte, um die Besitz- und gegebenenfalls Übernahmeregelungen zu klären, erläutert Dekan Volker Janke. Er sei mit seinem katholischen Kollegen, Dekan Volker Brecht, einig, dass man das Angebot Pavillon weiterführen möchte. „Aber bitte – das ist momentan eine reine Absichtserklärung – solange sich Landeskirche und Stadt nicht über die zukünftigen Modalitäten einig sind, kann ich dazu, ebenso wie mein katholischer Amtsbruder, keine verbindliche Aussage treffen.“

De facto gehört der Pavillon der Stadt

Betraut mit der Lex Pavillon ist derzeit seitens der Protestantischen Landeskirche Rechtsdirektorin Jill Rohde. Sie stellt gleich zu Beginn des Gesprächs mit der RHEINPFALZ klar, dass man zügig zu Werke gehen werde, „wenn wieder Normalität herrscht.“ Angesichts der Corona-Krise müsse auch dieses Thema hintanstehen.

Was die Besitzverhältnisse betreffe, könne sie Klarheit schaffen. Man habe den Pavillon auf einem Grundstück der Stadt Landau im Rahmen der Landesgartenschau errichtet. Das sei in einem Gestattungsvertrag geregelt worden. Laut Rohde gehe es aktuell nicht um Fragen von Verkauf oder Vermietung seitens der Landeskirche. De facto zähle der Pavillon bereits zum Besitzstand der Stadt, lediglich die Konditionen der Übergabe an die Stadt seien zu regeln. Fragen der Pflege von Gebäude und Pavillon, der Versicherung – gegen Vandalismus etwa –, der Bestückung mit Parkplätzen und ähnlich pragmatische Dinge.

„Keinerlei Risiken“

Auch Pfarrerin Mechthild Werner – sie hatte als zuständige Projektleiterin die Kirchenpräsenz per Pavillon auf der Landesgartenschau gegen anfangs erhebliche Widerstände durchgesetzt – sieht das Ganze entspannt. „Einzig Pflege und Obhut – darum geht es in der Zukunft. Und da die ACK-Gemeinden in Landau dahinter stehen, sehe ich das als eine große Chance, in dem ausgedehnten neuen Wohnviertel als Kirche präsent zu bleiben.“ Sie könne auch keinerlei Risiken finanzieller Art ausmachen. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Pavillon „entsorgt“ werden müsste, habe die Erbauerfirma Ochs einen kostenlosen Rückbau, schon aufgrund der wertvollen Materialien, zugesagt. Die Stadt Landau hätte dann lediglich die Bodenplatte zu entfernen.

Aber das sei nicht zu erwarten. Die wertvollen Prinzipalien – Ambo, Altar und Taufstein – waren damals über eine Stiftung aus München zum nachhaltigen Kirchenbau finanziert worden. Ihre Schöpferin, die Godramsteiner Bildhauerin Madeleine Dietz, hatte zusätzlich als Dauerleihgabe das Tor, als Pendant und Leiter zur Spiritualität des Ortes, beigesteuert. Und ganz am Rande – bis heute betreut sie ihre Objekte; gewährt dem Tor einmal jährlich ein Ölbad, schrubbt mit der Wurzelbürste das Moos von Altar, Ambo und Taufstein. „Auch wenn mir die Arbeiten nicht mehr gehören, die innere Verbindung, das Gefühl verantwortlich zu sein, ist da. Und wenn ich schon mal da bin, kehre ich auch gleich den Pavillon aus.“

Ökumenischer Laborversuch

Bis Ende des Jahres wird der MÖD das Programmraster noch befüllen, ungeachtet der Tatsache, dass der Fachreferent für den Pavillon, Rainer Fischer, sich bereits im Mai in den Ruhestand verabschiedet. Ludwig Burgdörfer hatte es anlässlich seiner Verabschiedung aus dem Leitungsteam des MÖD im Herbst 2019 so formuliert: „Es ist ein ökumenischer Laborversuch nach dem Motto, die Kirche geht aus sich heraus. Mit allerbesten Ergebnissen.“ Der Ort sei angenommen worden, die allsonntäglichen „Atempausen“ über die Sommermonate, selbst bei widrigem Wetter, mit mindestens 60 Besuchern bestens frequentiert. Und er habe Menschen, die sonst vielleicht auf die Kasualien-Angebote verzichtet hätten, ermutigt: Taufen für Kinder Alleinerziehender, interkonfessionelle Hochzeiten oder Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare. Ökumene, schmerzfrei. „Und genau das wird auch unsere Zukunft sein. Wenn wir als Kirche überleben wollen, müssen wir als Konfessionen zusammenwachsen.“

Dem Vernehmen nach soll die Stadt bei unverbindlichen Sondierungsgesprächen schon grundsätzlich ihre Offenheit signalisiert haben. Eine Einigung würde vor allem den innerstädtischen Kirchengemeinden weiterführende Aktivitäten abverlangen.

Kleine Armee von Ehrenamtlern

Um den Pavillon zu bespielen, die Infrastruktur für Gottesdienste zu schaffen, eventuell auch anderweitige Kulturveranstaltungen zu etablieren, braucht es eine kleine Armee von Ehrenamtlern. Im Laga-Jahr 2015 waren es fast 200 Personen, die sich abwechselnd in der Pavillon-Betreuung engagierten. Aus diesem bewährten Pool, so Mechtild Werner, ließe sich sicher eine fähige Truppe Engagierter reaktivieren. Und sie selbst biete ihre Kenntnisse und Kontakte an, werde bei Bedarf gerne an den Übergabe-Modalitäten mitwirken.

Freilich: Jetzt verweist Corona derartige Vorstöße erst einmal auf die Plätze. Der Start des Sommerprogramms steht in den Sternen. Der Gottesdienst zur Verabschiedung von Rainer Fischer wurde auf 27. September verlegt.

Info

www.himmelgruen-landau.de

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