Landau Landauer in der ganzen Welt

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Landau ist nicht nur die Bezeichnung von Städten in Deutschland wie in der Südpfalz oder in Bayern. Landau und Landauer waren und sind auch als jüdische Familiennamen weit verbreitet. Unser Mitarbeiter und Historiker Günther Volz hat einmal nachgeforscht und Interessantes und interessante Persönlichkeiten aufgetan.

«Südpfalz.» Eine Biografie und ein Film haben den Namen von Kurt Landauer einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Der Mann führte von 1913 bis 1914 und von 1919 bis 1933 den FC Bayern. Mit ihm wurde die Mannschaft des Vereins zum ersten Male Deutscher Meister. Wegen seiner jüdischen Herkunft musste er 1933 das Amt aufgeben. 1939 emigrierte er in die Schweiz. Nach seiner Rückkehr 1947 wurde er noch einmal zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. 2015 bekam ein Platz vor der Allianz-Arena den Namen von Kurt Landauer. Wir kennen noch eine Reihe von Familiennamen, die auf Städte oder Dörfer im deutschen Sprachraum zurückgehen, von Bamberger über Kissinger, Landauer, Mannheimer bis Oppenheimer. Solche Toponyme sind bei vielen jüdischen Familien anzutreffen. Es ist nur schwer festzustellen, in welcher Beziehung die Namensträger zu den Ortschaften stehen. Wer zum Beispiel auswanderte, wurde nach dem Ort seiner Herkunft benannt. Sein Name wurde dann von den Nachkommen beibehalten. So kann die Entstehung von Namen wie „Landau“ oder „Landauer“ erklärt werden. Es muss hier freilich offen bleiben, ob die Vorfahren aus dem pfälzischen oder dem bayerischen Landau gekommen sind. Die ersten Träger des Namens „Landau“ tauchten während des 16. Jahrhunderts in polnischen Städten auf. Unter ihnen waren viele bekannte Rabbiner, die in der „Jewish Encyclopedia“ verzeichnet werden. Zishe Landau stammte aus einer polnischen rabbinischen Familie. Er kam 1906 nach New York, schrieb Gedichte in der jiddischen Sprache und publizierte eine Anthologie der jiddischen Dichtung in Amerika. Heute sind die Namen „Landau“ und „Landauer“ bei jüdischen Familien in der ganzen Welt verbreitet. Einige ihrer Mitglieder sind durch ihre Leistungen auf dem gesellschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Gebiet berühmt geworden. Lew D. Landau war ein russischer Physiker, er war bekannt mit Bohr und Heisenberg und Mitarbeiter von Sacharow, bekam 1962 den Nobelpreis. Die Mathematiker kennen Edmund Landau vor allem als Zahlentheoretiker. Er musste 1934 seinen Lehrstuhl in Göttingen aufgeben und emigrierte nach England. Gustav Landauer gründete 1908 den Sozialistischen Bund, der anarchistische und pazifistische Positionen vertrat, wurde 1919 Mitglied der Münchener Räterepublik, nach deren Niederschlagung von Freikorpsleuten ermordet. Der Schriftsteller Erich Mühsam gehörte mit Landauer und Toller zu den Anführern der Münchener Räterepublik, kam 1934 im KZ Oranienburg ums Leben. Seine Schwester Charlotte Landau kämpfte in der Weimarer Republik für Frauenrechte. Sie trat in die Deutsche Demokratische Partei und wurde eine der ersten Frauen in der Lübecker Bürgerschaft. 1933 emigrierte sie nach Haifa. Ihre Erinnerungen wurden 2001 veröffentlicht. Lola Landau war in der Weimarer Republik eine erfolgreiche Romanautorin. Sie war mit dem Reiseschriftsteller Armin T. Wegner verheiratet, der 1933 in einem offenen Brief an Hitler gegen die Judenverfolgungen protestierte. Beide gingen 1933 ins Exil. Die Autobiografie von Lola Landau unter dem Titel „Vor dem Vergessen – Meine drei Leben“ wurde 1992 in Berlin veröffentlicht. Der Schriftsteller Edwin Maria Landau lebte bei Kriegsausbruch in Frankreich, als Deutscher wurde er in den Lagern Gurs und Les Milles interniert. 1943 konnte er in die Schweiz fliehen. Landau übersetzte viele Arbeiten von französischen Schriftstellern, gab auch die Werke von Paul Claudel und Reinhold Schneider heraus. Er publizierte mit Samuel Schmitt zusammen den Band „Lagerleben in Frankreich“. Viele deutsche Juden mit den Namen Landau und Landauer emigrierten nach der Machtergreifung Hitlers nach Palästina oder in die USA. Einer von ihren war Moshe Landau. Er wurde 1961 Vorsitzender des Jerusalemer Gerichts im Prozess gegen Eichmann. Die verbliebenen Mitglieder ihrer Familien wurden zum größten Teil Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft; 205 zählt allein das Gedenkbuch des Bundesarchivs auf. Info —Jewish Encyclopedia, herausgegeben von Isidor Singer (Rubrik „Landau“). —Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 - 1945, herausgegeben vom Bundesarchiv (Rubriken „Landau“ und „Landauer“).

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