Interview
Landauer FWG auf Distanz zu Problemen in Bayern
Herr Casella, Sie haben präventiv darauf hingewiesen, dass Hubert Aiwanger nichts mit den Freien Wählern in Landau zu tun hat – und umgekehrt. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Ich habe das nicht direkt auf den Herrn Aiwanger bezogen, aber auf die Freie-Wähler-Partei. Vielleicht muss man da ein bissel ausholen: Die Freie-Wähler-Partei wurde aus den Freien Wählerguppen, die alle eingetragene Vereine sind, gegründet, um parteipolitisch überregional tätig zu werden. Geplant war, dass die Überregionalen große Politik machen und die Gruppen ihre Kommunalpolitik vor Ort. Dabei legen wir großen Wert auf unsere Unabhängigkeit. Man hat dann aber in Landau eine Kreisvereinigung gegründet, Vorsitzender ist der Herr Liessfeld. Der Wunsch war, einen Parallelbetrieb laufen zu lassen. Das hat aber in Landau nicht geklappt, wir haben keinen Konsens gefunden mit der Partei. Wegen der Namensgleichheit ist das jetzt schwierig, weil Außenstehende das nicht wirklich unterscheiden können. Aber jetzt ist der Herr Aiwanger in aller Munde, deshalb wollten wir den Anlass nutzen, das nochmals klarzustellen.
Werden die Ebenen oft durcheinandergeworfen?
Ja, als die Freien Wähler in den Landtag eingezogen sind, hat man mir gratuliert. Das hat leider keiner auseinanderhalten können.
Zum Teil sind auch die Schriftzüge einfach sehr ähnlich.
Bei uns nicht. Es gab in der Vergangenheit einen Schriftzug FWG, den viele deutschlandweit benutzt haben. Wir haben seit der letzten Wahl ein eigenes Logo mit dem Schriftzug Wir leben Landau und einem Herzchen.
Aber auch mit dem orangefarbenen Schriftzug.
Ja, der ist ursprünglich von allen FWG.
Was genau haben Sie mit den Freien Wählern auf Kreisebene nicht auf die Reihe gebracht?
Zugegeben, ein paar von uns, auch ich, sind dort eingetreten, wir wollten uns da nicht verschließen. Wir haben versucht, das gemeinsam zu machen, aber es gab schon verschiedene Ansichten, unter welchem Namen man zu Wahlen antreten sollte und wer das federführend in die Hand nehmen sollte. Aber da wurden ein paar Forderungen an uns gestellt, die wir nicht eingegangen sind.
Wir haben also eine Freie-Wähler-Gruppe in der Kommunalpolitik, wir haben eine Freie-Wähler-Kreisvereinigung und wir haben eine Freie-Wähler-Partei auf Landesebene, die ja auch mit einer Fraktion im Landtag vertreten ist. Das sind drei Ebenen, aber Sie wollen mit den beiden oberen nicht verwechselt werden.
Nein.
Wie groß sind die personellen Überschneidungen?
Die gibt es nicht mehr.
Muss man dann nicht, um für Klarheit zu sorgen, einen anderen Namen wählen, Ganz-Freie-Wähler zum Beispiel?
So eher nicht, aber die Überlegung steht im Raum.
Gibt es schon Ideen, wie so etwas heißen könnte? Früher war oft der Name des Vorsitzenden Bestandteil.
Überhaupt nicht. Wir stehen jetzt etwa ein Jahr vor der Wahl und ich glaube, dass das ein bisschen knapp ist, einen neuen Namen so schnell in die Runde zu bringen. Früher gab es mal eine Landauer Liste oder ein Unabhängiges Bürgerforum. So etwas steht im Raum, falls wir weiterhin keinen Konsens mit der Freie-Wähler-Partei finden.
Zurück zur Ausgangsfrage: Schadet Aiwanger Ihnen hier vor Ort?
Das kann ich schlecht beurteilen. Aber es wird vielleicht auch auf uns negativ zurückfallen.
Wie würden Sie sich kommunalpolitisch verorten? Ein bisschen konservativ sind sie ja, glaube ich sagen zu können.
Das haben Sie richtig gesagt. Wir sind ein bisschen konservativ, in der Mitte angesiedelt. Aber eine Freie-Wähler-Gruppe ist auch ein gemischter Haufen, wir haben von fast allen Strömungen jemand, links, grün, konservativ. Aber die rechte Seite haben wir nicht.
Die rechte Seite haben Sie auch. Sie haben immerhin zwei AfD-Stadträte aufgenommen, die zugegebenermaßen seitdem nie negativ auffällig geworden sein.
Genau, davor können wir uns nicht verschließen. Aber ich sehe die nicht als rechts an, weil sie noch nie irgendwelche Äußerungen in der Richtung gemacht haben. Deren größter Fehler war, in die AfD einzutreten.
Sie haben die Kommunalwahlen angesprochen. Mit wem wären Sie koalitionsfähig?
Wir hatten schon mal eine große Koalition mit CDU und SPD. Ich glaube, dass das wieder passen würde. Es würde aber auch Pfeffer&Salz passen, glaube ich.
Mit den Grünen?
…glaube ich, sind die Differenzen im Moment zu groß.
Fragen: Sebastian Böckmann