Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landauer Flüchtlingshelfer kritisieren Bürokratie

Herzlich willkommen! Die große Hilfsbereitschaft der ersten Monate ist abgeflacht, berichtet ein Helfer aus dem Kreis Südliche W
Herzlich willkommen! Die große Hilfsbereitschaft der ersten Monate ist abgeflacht, berichtet ein Helfer aus dem Kreis Südliche Weinstraße.

Nach der Flucht: Sie heißen „Landau-Land hilft“, „Herxheim bunt“ oder „Café Asyl“– Initiativen, die Geflüchtete in Landau und Umgebung unterstützen. Warum setzen Helfer sich für fremde Menschen ein? Und wie hat sich die Situation seit Beginn der Flüchtlingskrise vor drei Jahren entwickelt? Die RHEINPFALZ hat nachgefragt.

„Ich bin ein Mensch, also muss ich Menschen in Not helfen.“ Das sagt Helmut Dudenhöffer. Anfang 2015 seien im Herxheimer Ortsbild immer mehr Menschen aufgetaucht, „um die sich niemand gekümmert hat“. Bei einer spontan organisierten Informationsveranstaltung habe sich dann – quasi aus dem Stand heraus – die Initiative „Herxheim bunt“ gegründet. „Anfänglich ging es um die Grundversorgung, wir haben Kleider gesammelt oder Fahrräder, um den Menschen ein Mindestmaß an Mobilität zu ermöglichen“, ergänzt Monika Kleebauer, die sich ebenfalls von Anfang an bei der Initiative engagiert. Geholfen habe ihnen, dass Herxheim seit jeher stark katholisch geprägt sei. „Viele Menschen wollten Nächstenliebe nicht nur predigen, sondern auch leben“, sagen Dudenhöffer und Kleebauer.

Mit dem Notwendigsten versorgen

Auch in Billigheim-Ingenheim ging es am Anfang darum, die Neuankömmlinge zunächst mit dem Notwendigsten zu versorgen: „Da gab es ein Treffen im Rathaus, da hieß es: In der nächsten Woche kommen soundsoviele Leute“, blickt Hermann Dahl zurück. Richtig vorbereitet war allerdings niemand. „Wir haben da erst mal die Unterkünfte geputzt, das wäre uns sonst peinlich gewesen, dort Menschen unterzubringen“, sagt Ilse Baier. Die Unterstützung in der kleinen Gemeinde sei so groß gewesen, dass auf jeden der 49 Geflüchteten ein Helfer gekommen sei, berichten sie. Gemeinsam habe man Sprachkurse organisiert, Fahrräder repariert und Hilfestellung bei der Alltagsbewältigung geleistet. Das konnte etwa Unterstützung bei der Suche nach Kinderbetreuung oder einer Wohnung sein. Als Helfer habe man dabei keine Dankbarkeit erwartet, dazu seien viele Geflüchtete am Anfang auch gar nicht fähig gewesen: „Da gab es Angst, Unverständnis, viele waren auch traumatisiert“, berichtet Dahl. Vielmehr habe man eine tiefe Wertschätzung erfahren; oft habe man auch erst mühsam erklären müssen, dass die Helfer sich ehrenamtlich engagierten. „Die konnten es gar nicht glauben, wenn wir gesagt haben: Wir bekommen kein Geld dafür“, berichtet Baier. Die große Hilfsbereitschaft der ersten Monate sei jedoch abgeflacht, von den etwa 50 Helfern sind in Billigheim-Ingenheim nur noch zwischen sieben und 14 aktiv.

Anzahl der Helfer gesunken

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Zum einen hätten sich die Bedürfnisse verändert. Ging es früher noch um elementare Dinge, bräuchten die Menschen heute vor allem Hilfe bei Behördengängen und der Integration in den Arbeitsmarkt. Hier sei eine Menge Fachwissen gefragt, und nicht jeder sei bereit, sich stundenlang in Gesetze und Formulare einzulesen. Doch auch Ernüchterung spielt mit Blick auf die sinkende Anzahl der Helfer eine Rolle. „Viele wollten einfach zu schnell zu viel“, gibt Dudenhöffer zu bedenken. „Da wurde gesagt: ,Zack, drei Monate Sprachschule – und dann machst du eine Ausbildung’.“ Dass die Menschen vielleicht auch Zeit bräuchten, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und man im Zweifel auch mal ein „Nein“ akzeptieren muss, habe nicht jeder eingesehen. Die mangelnde Kooperationsbereitschaft einiger Flüchtlinge hat viele Helfer ernüchtert. Auch an Sprachbarrieren seien viele gescheitert. Die langsam arbeitenden Behörden und nicht nachvollziehbare Entscheidungen der Ämter hätten ihr Übriges getan. „Wir hatten einem örtlichen Maler einen jungen Mann vermittelt, der sollte dort eine Ausbildung machen. Der Maler hat gesagt, das sei der beste Auszubildende, den er jemals hatte. Kurz darauf wurde er abgeschoben“, berichtet Dudenhöffer.

Bürokratie macht Helfern zu schaffen

Rückschläge und Verzweiflung bei den Betroffenen belasteten auch die Helfer, bestätigt Magdalena Schwarzmüller, die gemeinsam mit Unterstützern in Landau das „Café Asyl“ organisiert. „Das ist eine enorme psychische Belastung, auf Dauer ist das schon hart“, sagt die Stadträtin. Insgesamt gebe es heute in Landau nicht weniger Probleme, sondern schlichtweg andere: „Im Moment ist es sehr schwer, den Leuten Wohnraum zu vermitteln, selbst super integrierte Familien haben da massive Probleme“, weiß Schwarzmüller aus Erfahrung. Auch „Herxheim bunt“ versucht zurzeit mit einer Initiative, mehr Vermieter davon zu überzeugen, an Flüchtlinge zu vermieten. Doch trotz der vielen Steine im Weg denkt kein Helfer ans Aufgeben: „Das kam für mich nie infrage“, stellt Hermann Dahl klar. Lediglich die Trägheit der Bürokratie mache ihm zuweilen zu schaffen. „Mittlerweile stelle ich mich dort schon als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Jobcenters vor.“ So gut kenne er die Abläufe inzwischen. Allerdings sehe er mit Besorgnis, wie sich der Ton und die Stimmung gegenüber der Geflüchteten in den vergangenen Jahren verschärft habe, gleichzeitig ziehe sich besonders die Lokalpolitik immer mehr aus der Verantwortung. „Da fehlt mir aus der Politik irgendwie die Perspektive, wie es jetzt weitergehen soll“, pflichtet Ilse Baier ihm bei. Ihrer Meinung nach gehe es nun vor allem darum, die Menschen wirklich in die Gesellschaft zu integrieren. Das bedeute aber auch, voneinander zu lernen. „Integration ist keine Einbahnstraße“, sagt sie dazu. Auch Magdalena Schwarzmüller will trotz aller Hürden weiterkämpfen: „Die Strukturen ernüchtern mich, nicht die Menschen.“

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