Landau
Landau: Plastikschnüre gefährden Störche
Der Weinbau spielt in der Region eine große Rolle. Doch neben alkoholischen Getränken produzieren die Winzer meist auch viel Plastikmüll in Form von Plastikschnüren, mit denen die Reben angebunden werden. Darüber klagt Leserin Irene Walter. Welche Tiere leiden darunter? Wer kümmert sich um die Reinigung? Was sind die Alternativen?
Irene Walter ist eine Seniorin aus Dammheim. Sie ist oft auf den Wirtschaftswegen um den Ort zum Spazieren oder Radfahren unterwegs. Dabei seien ihr immer wieder Plastikschnüre aufgefallen, die die Winzer liegen ließen. Mindestens seit August lägen diese dort. „Die macht auch keiner mehr weg“, ist sie sich sicher.
„Wirtschaftswege werden nur bei Bedarf und bei starker Verschmutzung, durch die der Verkehr beeinträchtigt ist, gesäubert. Grundsätzlich trägt also der Verursacher selbst dafür Sorge“, sagt das städtische Bauamt. Nun ist es allerdings schwer, den Winzer auszumachen, der den Dreck hinterlassen hat.
Walter sind die Plastikteile überall aufgefallen, wo ein neuer Wingert angepflanzt wurde. Konkret beim Tierheim und in der Nähe des Dammheimer Friedhofs. Beides nicht weit vom rheinland-pfälzischen Storchenzentrum in Bornheim entfernt. Dessen Leiterin Jessica Lehmann berichtet von weitreichenden Folgen: „Wir finden etwa in jedem dritten Gewölle eines Storches Plastikgummis. Diese werden in der Regel benutzt, um Weinreben an- oder Gemüse zusammenzubinden.“
Jungstörche würgen Plastik nicht aus
Besonders betroffen seien junge Störche. Da deren Hauptnahrungsmittel Regenwürmer sind, sammeln die Storcheneltern alles, was danach aussieht, auch Plastikteile. „Da die Jungtiere noch kein Gewölle bilden können, scheiden sie die schädlichen Plastikteile nicht aus, haben einen vollen Magen und verhungern“, erklärt Jenni Follmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Sie berichtet von einem besonders gravierenden Fall: „Im Zentrum in Bornheim sind zwei junge Störche aufgrund dieser Plastikteile gestorben. Einen Dritten haben sie dann so lange mit Fisch vollgestopft, bis er sich übergeben musste und auch die Plastikteile herauskamen.“
Die Nußdorferin versteht, dass Winzer wirtschaftlich denken. Viele arbeiten unter Druck, Plastikteile seien da am einfachsten. „Die meisten Winzer wissen aber auch, dass das nicht gut ist. Ich habe vielen erzählt, dass Störche dadurch sterben.“ Follmann will eine Vortragsreihe für Winzergenossenschaften starten. Testort soll Nußdorf sein. Starten will das Landauer Stadtratsmitglied voraussichtlich im Frühjahr, wenn die Störche wiederkommen.
Es gibt sich zersetzende Schnüre
Das Problem sei nicht überall so akut wie in Landau. „Ich war in Schweigen-Rechtenbach. Die haben eine andere Philosophie dort. Viele Winzer verwenden Drähte oder Schnüre, die sich zersetzen. Es gibt Alternativen“, sagt Follmann.
Die Alternativen sind jedoch meist zeit- und kostenintensiver. Neben den Plastikschnüren seien auch die Kunststoffkapseln von Pheromonfallen schädlich für die Störche. „Auch diese könnten nachhaltiger produziert werden. Man könnte sie zum Beispiel wiederbefüllbar machen“, sagt Lehmann. Sie und ihr Team könnten hauptsächlich aufklären und wollen dies ab dem Frühjahr auch vermehrt tun. In der Pflicht stünde aber jeder. „Wenn die Winzer höhere Produktionskosten haben, müssen sich auch die Konsumenten fragen, ob sie bereit sind für mehr für Wein zu zahlen“, sagt sie.