Landau
Landau: Ortsspaziergang durch Wollmesheim
Gut erhaltene Fachwerkhäuser mit Sattel- oder Walmdach und Sockel sowie Fenstergewände in Sandstein an verputzter Fassade prägen die Hauptstraße als historischen Kern Wollmesheims. Mit anderen Augen spazierten Ortsteilbewohner durch ihre Heimat. Anlass war die neue Gestaltungssatzung.
Rege Teilnahme und kritische Auseinandersetzung mit dem bereits Bestehenden waren beim Ortsspaziergang zum Sammeln von Ideen für eine neue Gestaltungssatzung ein Zeichen dafür, dass die Wollmesheimer sich Gedanken machen um das Ortsbild und den Charakter ihres Dorfes erhalten wollen.
Begleitet wurden Ortsvorsteher Rolf Kost und 30 Bürger von Sigrid Bormann vom Darmstädter Planungsbüro Rittmannsperger sowie dem städtischen Stadtbild- und Denkmalpfleger Jörg Seitz. Der Rundgang führte vom alten Schulhaus über die Pinselstraße zum Ortseingang, die Mörzheimer Straße runter, danach die Hauptstraße entlang bis zum Gänseplatz und über den Neuberg zurück zum denkmalgeschützten Schulhaus, in dem unter anderem das Ortsvorsteherbüro untergebracht ist.
Raum für Individualität
Man müsse den Besitzern Raum für Individualität lassen, lautete die Botschaft des Denkmalschützers, wenn die Spaziergänger an optischen Eigenheiten Anstoß nahmen. Die Entscheidung eines Eigentümers, sich unter dem typischen alten Torbogen mit drei bis vier Reihen Biberschwänzen ein stahlglänzendes Hoftor schmieden zu lassen, sei Geschmacksache. Ebenso die Wahl der Farbe „db 703“ für ein Tor und die Fenstereinfassungen an einem neu errichteten Haus. Dies, erläuterte Seitz, sei ein Anthrazitton, der vom Auge nicht wahrgenommen werde und von der Deutschen Bahn für den Ständer einer Signalanlage in der Absicht entwickelt worden sei, die Aufmerksamkeit des Lokführers ausschließlich auf das Signal zu lenken.
Immer wieder betonte Seitz, dass es sich oft lohne, alte Bausubstanz zu erhalten und bat „zum Schutz des Altortes“, den historischen Bestand nicht zu zerstören. Am Haus Nummer 51 ist derzeit die fachgerechte Fachwerksanierung zu sehen. Die kleinen Nebengebäude neben den Toren seien typisch und erhaltenswert, zum Beispiel gut als Ferienwohnung zu vermieten. Er bat darum, im Rathaus nach Rat zu fragen, denn oftmals sei die Renovierung über Fördergelder finanziell tragbar. Am eingerüsteten „Hexenhäuschen“ (Ecke Pinselstraße) staunten die Spaziergänger nicht schlecht, als Seitz erklärte, dass es ein Zimmermann war, der die rettende Idee hatte: Um das historische Fachwerk zu erhalten, wurde das gesamte Haus angehoben, und es wurden neue Schwellen gesetzt.
Bausünden aufgespürt
In der Pinselstraße hielt die Gruppe an einem Haus mit der typischen Dachneigung aus den 1970er-Jahren und Panorama-Fensterbänken an. In der Mörzheimer Straße, neben der katholischen Kirche, nahmen die Wollmesheimer Anstoß an einem Mehrfamilienhaus mit Flachdach, das quer zur Straße auf das kircheneigene Grundstück gebaut wurde. Bormann und Seitz erläuterten anhand mitgebrachter Karten, dass dieses Haus gerade nicht mehr im Bereich der alten Gestaltungssatzung liege und schlugen für die neue Satzung eine Erweiterung vor. Eine ähnliche „Bausünde“ gegenüber dem Aufgang zur protestantischen Kirche falle nicht so auf, weil dieses Haus hinter der denkmalgeschützten Mauer steht.
Als „Architektur seiner Zeit“ nahm Seitz das von vielen Wollmesheimern nicht geschätzte Gebäude des Dorfgemeinschaftshauses in Schutz. Das oft belächelte „Zickzackdach“ habe ins Ortsbild passen sollen und sei deshalb so „kleinteilig“ gestaltet worden. Im Bereich der ehemaligen VR-Bank gegenüber vermuten einige Wollmesheimer ebenso wie Ortsvorsteher Rolf Kost den Eingang zu einem historischen unterirdischen Gang zur Kirche. Sollte dieser gefunden werden, soll er zur Begehung aufbereitet werden. Beim Rundblick vom Neuberg aus veranlassten neue Trapezbleche auf Scheunendächern einige Wollmesheimer zur Frage, warum man ihnen dies vor Jahren verweigert habe.
Mehrere Lieblingsorte
Nach ihren Lieblingsorten gefragt, stellte sich heraus, dass der Blick auf Wollmesheim hinunter von den höchsten Stellen der Ortsränder auf beiden Seiten, von vielen Bewohnern auf dort vorhandenen Bänken sitzend, gerne genossen wird. Der Gänseplatz an der Ecke Hauptstraße/Zum Mütterle ist ebenso beliebt wie der Brunnen vor dem Schulhof am Alten Schulhaus. An der Ecke vom Metzger in der Hauptstraße zur Storchengasse begegneten sich viele Menschen auf dem Weg zum Einkaufen und die Gassigeher Richtung der Gärten. Die Wollmesheimer äußerten gegenüber Seitz und Bormann aber auch ihren Ärger über die Verkehrssituation in der Haupt- sowie der Landauer und der Mörzheimer Straße.