Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landau: Nach Fasching ist Schluss bei Hofmeister

Zu „Endzeitpreisen“ verkauft Hofmeister in Landau seine Produkte, wie hier vor dem Kaufhof in der Ostbahnstraße.
Zu »Endzeitpreisen« verkauft Hofmeister in Landau seine Produkte, wie hier vor dem Kaufhof in der Ostbahnstraße. Foto: van

Noch bis Ende Februar soll Hofmeister an drei Verkaufsstellen in Landau Brot, Brötchen und Süßes feilbieten, dann wird der Betrieb ganz eingestellt. Vielleicht kann der Insolvenzverwalter den Butterkranz noch retten.

Mit gelben Plakaten wirbt die Traditionsbäckerei für den großen Abschiedsverkauf. „Jetzt Endzeitpreise“ steht da zu lesen. Knollenbrot, Meisterweck, Würzling, Kürbiskern, TM-Brötchen, Brezel und Butterkranz – all das gibt es nur noch kurze Zeit bei Hofmeister im Laden am Produktionsstandort auf der Wollmesheimer Höhe und an der Theke vor dem Kaufhof in der Ostbahnstraße. Am Verkaufswagen an der Shell-Tankstelle in der Weißenburger Straße werden ab 7.30 Uhr Backwaren vom Vortag verkauft. Zu attraktiven Preisen solange der Vorrat reicht. „Das läuft blendend“, erzählt Jürgen Gebhardt. Der Mainzer ist im Auftrag des Insolvenzverwalters Johannes Hancke von der Mannheimer Anwaltskanzlei Lieser in Landau. Quasi als Statthalter, sagt er. Die meisten Mitarbeiter haben die Firma bereits verlassen. Die Produktion wurde zum 31. Dezember des vergangenen Jahres weitgehend eingestellt. Vor einem Vierteljahr, zu Beginn der Insolvenz, zählte das Unternehmen knapp 680 Beschäftigte, davon 100 im Backbetrieb, und 123 Filialen. Heute sind es gerade noch sechs Bäcker, acht Mitarbeiter in der Verwaltung, zwei im Bereich Logistik/Versand sowie sieben Männer und Frauen im Vertrieb und Verkauf. Der Betrieb wird Zug um Zug abgewickelt.

Rohstoffe sinnvoll genutzt

Nach Auskunft des Kölner Medienberaters Pietro Nuvoloni, der im Auftrag Hanckes die Öffentlichkeitsarbeit macht, werden zurzeit die Vorräte aufgebraucht. Damit könnten die Rohstoffe sinnvoll als Lebensmittel genutzt werden. „Die Kunden vor Ort finden ihr bekanntes Brotangebot.“ Letztlich sei das auch im Interesse der Gläubiger, betont Nuvoloni. Das 1949 gegründete Familienunternehmen hat eine treue Kundschaft. Verkäuferinnen berichten, dass viele Kunden die Entwicklung sehr bedauerten. Gut angenommen werde die Neuerung des Verkaufswagens mit „Brot vom Tag danach“. Die Umsätze seien erfreulich, betont Nuvoloni. Eine Verkäuferin erzählt, die Leute werteten es als wertschätzend, dass Waren nicht weggeworfen würden. Allerdings war das auch in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Brot vom Vortag wird zum Teil an Tafeln, zum Großteil an Viehzuchtbetriebe abgegeben. Mit einigen Neuerungen hätte der Absatz zum Jahresende noch einmal gesteigert werden können, unterstreicht Jürgen Gebhardt. So wurden beispielsweise Angebotstüten mit Brötchen und Teilchen zusammengestellt, am 11. November eine Narrentüte, die auch Krapfen enthielt. Dahinter steckt die Idee, mit saisonalen Angeboten zum Kauf zu animieren. Der Balthasarkuss und der Wintertraum sind Beispiele für eine Initiative vor Weihnachten, die Möglichkeiten der Konditorei noch stärker zu nutzen. Auch einst beliebte Teilchen wie die Marzipankämme seien wieder hergestellt worden. „Die Zeit hat nicht ausgereicht“, konstatiert Gebhardt heute.

Die Hofmeister-DNA

Er will alles daran setzen, dass nicht alle Hofmeister-Produkte ab März passé sind. Vor allem der Butterkranz soll gerettet werden. „Er ist die Hofmeister-DNA und die Speerspitze der Produktpalette.“ Hofmeister beliefert damit unter anderem Globus und Netto. Der Insolvenzverwalter führe mit anderen Bäckern Gespräche zur Übernahme der Butterkranz-Produktion. Offenbar gelingt es auch, mehr als die zunächst 40 angekündigten Filialen zu erhalten. Tagtäglich soll es Nachfragen geben. Gesichert ist der weitere Betrieb von Café Kuntz in der Landauer Marktstraße, bislang unter Hofmeister-Regie. Michael Kuntz, einst Verkaufsleiter bei Hofmeister, hat es übernommen.

x