Landau
Landau: Forscher Ludwig Kohl-Larsen vor 50 Jahren gestorben

Jüngst hat die RHEINPFALZ von vielleicht bahnbrechenden neuen Erkenntnissen über das Alter und die Herkunft des Menschen berichtet. Da trifft es sich gut, wenn man an einen bedeutenden Landauer erinnert, der auf diesem wissenschaftlichen Feld tätig war: Ludwig Kohl-Larsen. Er starb vor exakt 50 Jahren, am 12. November 1969.
Der Sohn des Gefängnisverwalters Johann Kohl kam am 5. April 1884 im damaligen Gefängnis in der Ostbahnstraße 3 zur Welt, besuchte die Volksschule und das Humanistische Gymnasium, wo er 1902 das Abitur ablegte. Leider gibt es keine Zeugnisse, die belegen, was Kohl über sich selbst sagte, dass er nämlich ein „berufen fraglicher, wenn nicht gar schlechter Schüler war“. Begabt war er auf jeden Fall, und so wurde er von vielen Lehrern gefördert, aber ganz besonders von seiner Mutter, die ab 1894 Witwe war und dennoch ihren beiden Söhnen ein Studium ermöglichte.
Nach einem vergeblichen Versuch in der juristischen Fakultät studierte Kohl Medizin in München, Freiburg und Innsbruck. Es war kein Zufall, dass er immer in Städten nahe an den Bergen studierte. Skifahren und Klettern waren seine großen Leidenschaften. Dazu kam eine unbändige Reisesucht. Die erste Fahrt führte ihn als Schiffarzt nach Brasilien; 1911/1912 nahm er in selber Funktion an einer Südpolarexpedition teil. Es folgten Reisen nach Lappland, Mesopotamien und auf die zum deutschen Kolonialbesitz gehörende Insel Yap in Mikronesien.
Nach dem Kriegsende trat er in den norwegischen Staatsdienst und wurde Bezirksarzt in Lappland. In dieser Zeit lernte er auch seine spätere Frau kennen, von der er den Zusatznamen Larsen annahm. Weitere Forschungsreisen folgten: eine nach Süd-Georgien, wo ein nach ihm benanntes Plateau an ihn erinnert. 1931 schloss sich eine Fahrt mit dem Luftschiff „Graf Zeppelin“ an, die von Hugo Eckener geleitet wurde. Kohls erste Afrikareise führte ihn 1931 in das heutige Tansania, wo er umfangreiche prähistorische Funde machte und unbekannte Felsmalereien entdeckte. Es war die erste von zahlreichen Expeditionen, in denen er auch intensive ethnologische Forschungen betrieb.
Der Zweite Weltkrieg machte allen Reisen ein Ende. Dass Kohl-Larsen 1940 Honorarprofessor in Freiburg und 1941 außerordentlicher Professor für Völkerkunde in Tübingen wurde, war nur durch eine Nähe zum Regime möglich. Nach 1945 büßte er dies mit Berufsverbot. Als einer der wenigen hat sich der Wissenschaftler zu seinem „Irrtum“ bekannt, sein Biograf Erich Renner hat „zur Frage von Schuld und Sühne“ das Nötige gesagt.
Die wissenschaftlichen Leistungen und Ergebnisse, die sich in seinem von Renner geordneten umfangreichen Nachlass im Stadtarchiv Landau finden, werden auch heute noch von Forschungsinstituten genutzt, und die fotografischen Aufnahmen von Gletschern aus den 1930er-Jahren sind gerade in der Zeit des Klimawandels von höchster Bedeutung. Einen anderen, sehr spannenden Bezug zu heute stellte der SWR her, als er einen Film, den Kohl-Larsen in Tansania bei einem Stamm gedreht hatte, den Nachfahren vorführte, die mit Faszination ihre Vorfahren entdeckten.
Zu Recht hat die Stadt Landau im Jahre 1964 dem Forscher die Ehrenbürgerwürde verliehen und ihm 1971 eine Straße gewidmet.
Der Autor
Michael Martin ist promovierter Historiker. Er war Leiter des Landauer Stadtarchivs und hat intensiv zu vielen Aspekten der Geschichte der Stadt geforscht.