Landau
Landau: Bornheimer Tierärztin wieder vor Gericht
Vor dem Landauer Landgericht ist gestern der Berufungsprozess gegen die Bornheimer Tierärztin eröffnet worden. Die jetzige Tierheilpraktikerin verstrickte sich in Widersprüche, auch die vier geladenen Zeugen machten keinen überzeugenden Eindruck.
Rückblick: Es ist der 27. April 2017. Bei einer Razzia in der Bornheimer Tierarztpraxis sowie zwei weiteren Gebäuden, die der Angeklagten gehören, finden die Polizisten 44 Hunde, 18 Katzen sowie drei Kängurus. Die Beamten können die Gebäude nur mit Atemschutz betreten. Es wird von einer fünf Zentimeter dicken Fäkalienschicht auf dem Fußboden berichtet. Die Frau ist im Oktober 2018 zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Im Berufungsverfahren geht es ihr um die Reduzierung der Strafe.
Tiere hätten täglich Auslauf gehabt
Sie habe zu spät erkannt, dass sie Hilfe gebraucht hätte, erklärt die 52-Jährige vor dem Landgericht. Sie berichtet von psychischen Problemen, davon, dass ihr langjähriger Partner sie verlassen habe, von Panikattacken. „Ich konnte mich nicht selber befreien.“ Mittlerweile sei sie in Behandlung und nehme Medikamente. Ihr sei nach und nach alles über den Kopf gewachsen, und dann habe sie das Fremdgehen ihres Partners bemerkt. Die Tierzucht hätten sie und ihr Ex gemeinsam betrieben, bis zur Trennung.
Um die Tiere habe sie sich täglich gekümmert, täglich saubergemacht und die Tiere täglich nach draußen gelassen, behauptet sie zunächst. Erst nach mehreren Nachfragen von Richter Daniel Hoffmann lenkt sie ein, täglich sei es nicht gewesen. Auch auf die Nachfrage zur Impfung eines Wurfs von Hunden, die sie eigentlich nicht mehr hätte durchführen dürfen, sagte sie nur, dass der neue Tierarzt sehr grob sei, aber die Spritzen überwacht habe. Die Kängurus, die in einem Käfig gehalten wurden, hätten, wie die Hunde, täglich Auslauf gehabt. Draußen hat sie aber keiner der Zeugen an diesem Prozesstag jemals gesehen.
Hoffnung auf Besserung
Ihr ehemaliger Lebensgefährte, vormals zweiter Vorsitzender des Bornheimer Tierschutzvereins Tierinsel, widerspricht der Geschichte von der Trennung. Es sei seit Jahren eine Zweckgemeinschaft gewesen, das Paar habe seit Jahren in unterschiedlichen Häusern gelebt. Aus der Tierzucht habe er sich bereits 2013 zurückgezogen. Er habe den Zustand der Tiere bemerkt, sagte er. Warum er als Tierschützer nichts unternommen habe, wollten Staatsanwältin und Verteidiger wissen. Er habe bis auf eine kurze Zeit in der er arbeitslos war, Vollzeit gearbeitet. „Wann hätte ich was machen sollen?“
Seine neue Partnerin, eine ehemalige Mitarbeiterin der Tierärztin, hat die ganze Sache mit ihrer Anzeige ins Rollen gebracht. Auch sie hat die Zustände bemerkt, sogar nach einer ersten Durchsuchung im Jahr 2009 bei einer großen Putzaktion geholfen – und dann jahrelang nichts getan. Erst, als sie von einer SWR-Mitarbeiterin angesprochen worden sei, habe sie gehandelt. „Da wusste ich, dass ich nicht alleine war.“
Alle Zeugen, auch eine weitere ehemalige und eine aktuelle Angestellte, haben wohl darauf gesetzt, dass die Tierärztin ihre Probleme überwinden und die Lage in den Griff bekommen würde. Zumindest berichten sie dies vor Gericht. Was daraus geworden ist, hat man am 27. April 2017 gesehen.