Landau / Mannheim
Landau: Boden schonen, dichter bauen
Der Wunsch nach einer dichteren Bebauung steht in einem Brief, den Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU) an die Metropolregion Rhein-Neckar (beziehungsweise den für die Regionalplanung zuständigen Verband Region Rhein-Neckar) schicken will – sofern am Dienstag, 15. Juni, der Ausschuss für Stadtentwicklung zustimmt. Davon ist wohl auszugehen.
Anlass ist die geplante Änderung des Einheitlichen Regionalplans Rhein-Neckar in zwei Kapiteln, die sich mit Wohnen und Gewerbe befassen. Denn Kommunen dürfen zwar selbst Flächennutzungspläne aufstellen, um ihre künftige Entwicklung zu planen, müssen sich dabei aber mit der Metropolregion dies- und jenseits des Rheins abstimmen. Das haben Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg per Staatsvertrag geregelt, und seit 2014 gibt es daher einen gemeinsamen Regionalplan, der verhindern soll, dass Nachbarkommunen nebeneinander her planen, ohne auf den jeweils anderen zu achten. Das soll die Konkurrenz im Rahmen halten und Fehlentwicklungen verhindern.
Sechs bis acht Fußballfelder pro Jahr
Der Brief Hirschs ist nicht die Reaktion auf den RHEINPFALZ-Kommentar „Egoistischer Plan“ vom 27. Mai, aber sie passt ansatzweise zu dessen Stoßrichtung. Die Redaktion hatte kritisiert, dass Landau in seinem nächsten Flächennutzungsplan (FNP) 31 Hektar Baugebiete in allen Stadtdörfern und 35 Hektar neue Gewerbegebiete ausweist und somit bei einer üblichen Laufzeit eines FNP von zehn bis 15 Jahren vier bis sechs Hektar pro Jahr versiegeln würde. Zum Vergleich: Ein Standardfußballfeld ist 7140 Quadratmeter groß, vier bis sechs Hektar entsprechen also 5,6 bis 8,4 Fußballfeldern.
Die Stadt Landau will nun also vorschlagen, dass Mittelzentren wie Landau mit mehr als 30 Wohneinheiten pro Hektar planen und begründet dies unter anderem mit dem Ziel der Bundesregierung, den Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrszwecke bis 2030 auf unter 30 Hektar (30.000 Quadratmeter) pro Tag zu reduzieren und bis 2050 sogar bei Netto-Null anzukommen. Letzteres heißt, dass zwar noch versiegelt werden darf, aber in gleichem Umfang entsiegelt werden muss. Die Stadt fühlt sich mit ihrer Anregung und Planung selbst auf der sicheren Seite: Der Wert werde in ihren Neubaugebieten bereits überschritten. Tatsächlich plant die Stadt beim Neubaugebiet in Arzheim mit 35, in Godramstein sogar mit 37 Wohneinheiten pro Hektar. Für das neue Stadtviertel im Südwesten, südlich der Wollmesheimer Straße, ist in der Vergangenheit auch schon ein Wert von 90 genannt worden. Und die Grünen hatten in ihrem Wahlprogramm für die Kommunalwahl stehen, dass sie für die Kernstadt 100 Wohneinheiten pro Hektar anstreben, für die Stadtdörfer 50.
Die Mischung macht’s
Ist das nun das Ende des vielgeliebten freistehenden Einfamilienhauses? Nein, ist es nicht. Zumindest nicht zwingend. In den Landauer Neubaugebieten in den Stadtdörfern ist diese Wohnform durchaus noch vorgesehen, nicht allerdings im neuen Viertel Landau-Südwest, das sehr städtische Strukturen mit ausschließlich mehrgeschossiger Bebauung bekommen soll. Die Werte deutlich über 30 lassen sich aber nur mit kleineren Grundstücken erreichen (was angesichts der Bodenpreise kein Fehler sein muss), und mit einem Mix, der vielleicht nicht nur, aber zumindest auch Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser vorsieht.
„Lebenswerte und den baukulturellen Gegebenheiten der Region entsprechende Wohngebiete sind auch in einer relativ verdichteten Bauweise zu errichten“, heißt es in dem Briefentwurf der Stadt. Soll heißen: Auch verdichtete Viertel können schön sein und müssen nicht wie Fremdkörper in der Pfalz wirken. Aber sie könnten dazu beitragen, „die Ressource Boden größtmöglich zu schonen“, wie der Oberbürgermeister und seine Bauverwaltung hoffen.