Landau Kunterbunter Blütentraum
«Annweiler.»Hans-Peter Maas läuft quirlig durch die Gewächshäuser und über die Freiflächen der Traditionsgärtnerei Maas, die direkt an der Ortsdurchfahrt von Annweiler liegt. Die Eisheiligen sind vorbei, die Sonne brutzelt vom Himmel, die Kunden sind in Kauflaune. Ein paar bienenfreundliche Blumen wünscht die eine Kundin, Zucchini- und Tomatennachschub fürs Beet ein anderer Kunde. Und dann geht auch noch gerade die große Blumenlieferung für Bad Bergzabern raus. Ein ganzes Gewächshaus ist eigens für die Kurstadt reserviert, die die Gärtnerei Maas mit bunten Blüten und Blättern versorgt. Zwischendrin nimmt sich der 65-Jährige noch Zeit, mit der RHEINPFALZ eine Sommerschale zu pflanzen. Dafür drehen wir erst einmal eine Runde durch die 5000 Quadratmeter große Gärtnerei und halten Ausschau nach den passenden Blümchen. Ton in Ton oder bunt? Schatten- oder Sonnenplatz? Diese Fragen gilt es, zuerst zu klären. Maas mag’s bunt und wählt einen sonnigen Platz. Nur Fuchsie, Fleißiges Lieschen und Knollenbegonie seien Schattengewächse, der Rest fühle sich in der Sonne wohler, erzählt er. Also haben wir Auswahl satt. Unsere Schale soll frei stehen, deswegen platzieren wir eine hohe Pflanze in der Mitte und drum herum kleinere Gewächse. Wer seine Schale lieber an einer Wand stehen hat, arbeitet mit einem Höhenunterschied von hinten nach vorne, führt Maas aus. Seine Familie macht schon seit über 100 Jahren in Blumen und Co. „Mein Urgroßvater Daniel Maas hat das Ursprungsgeschäft in der Landauer Straße neben dem heutigen Wasgau-Markt gegründet“, berichtet Hans-Peter Maas. Dann verzweigte sich die Gärtnerei in drei Linien. Den heutigen Standort neben der Bahnschiene gibt es seit 1919, gegründet von Ludwig Maas. „Ich bin hier schon die dritte Generation“, erzählt der gelernte Gärtner und studierte Gartenbauingenieur, der seit 1972 an Bord ist, während er gerade durch die kunterbunte Geranienvielfalt wandelt. „Die hatten mal einen kleinen Einbruch, sind jetzt aber wieder voll in“, berichtet Maas über den robusten Blumen-Dauerbrenner, den es in immer wieder neuen Farbvariationen auf dem Markt gibt. Wir machen heute aber einen Bogen darum und schwärmen zur Dipladenia aus. Die Blume mit dem komplizierten Namen „erfreut sich seit einigen Jahren zunehmender Beliebtheit“, erklärt Maas. Ihre verdichteten Wurzeln und harten Blätter machen sie „total robust gegen Trockenheit“. Sie ist also perfekt für die Friedhofsbepflanzung oder für die Urlaubszeit geeignet. „Die überlebt auch 14 Tage ohne Gießen.“ Die dunkelrote Hochgewachsene wird der Mittelpunkt unserer Schale werden. Die Topfpflanzen holt die Familie von den Großmärkten in Karlsruhe und Mannheim. Jetzt in der Hochsaison im Mai und Juni fahren die Gärtnereimitarbeiter fast täglich aus, um Nachschub zu holen, in den kalten Monaten reicht ein- bis zweimal pro Woche, berichtet Maas. Jede Nacht 2.45 Uhr aufstehen und bis 22 Uhr auf den Beinen sein, wirft seine Frau Traudel Maas ein, das gehe nicht spurlos vorbei, schließlich stehe bei beiden der 66. Geburtstag kurz bevor. „Hier ist alles Handarbeit, dafür muss man schon Idealist sein.“ Glücklicherweise schlägt auch das Herz des Sohnes fürs Grün, der gerade die Blumenlieferung für Bad Bergzabern ausfährt. Die jüngeren Mitarbeiter des achtköpfigen Gärtnereiteams – zudem gibt es zwei Praktikanten, einer von der Wichern-Werkstatt – übernehmen auch die anstrengenderen Garten- und Grabpflegearbeiten, die die Gärtnerei ebenfalls für Kunden anbietet. Vieles habe sich im Laufe der Jahrzehnte geändert, sinniert Hans-Peter Maas. „Früher haben wir die Blumen noch selbst produziert, das ist für kleine Gärtnereien heute nicht mehr machbar“, sagt der Gärtner und packt noch ein paar gelbe Margeriten in die Kiste. „Die sind sehr dankbar, blühen ununterbrochen und man muss sie nicht putzen.“ Niedliche Sanvitalia im gleichen Farbton kommen ebenfalls hinzu. Dazu Lobelia in Weiß. Lo... was? „Man kennt sie eher unter dem Namen Männertreu“, klärt Maas auf. Aha. Ebenfalls auf einen weißen Farbton vermuten lässt die Schneeflocke. Doch die packt Maas in Rosa ein. „Ursprünglich war sie weiß, aber mittlerweile gibt es auch farbige Züchtungen.“ Nicht nur Blumensorten verändern sich, auch das Gärtnereiwesen hat einen Strukturwandel durchlebt. „Kleine Gärtnereien können sich die eigene Zucht nicht mehr leisten.“ Die Sortenvielfalt, die heutzutage vom Kunden verlangt werde, könne in kleinen Mengen nicht rentabel produziert werden, erklärt Maas, dessen Gärtnerei einen Jahresumsatz von rund 300.000 Euro erwirtschaftet. Auch der Betrieb der Treibhäuser sei teuer. Die 150 und 250 Quadratmeter großen Gewächshäuser der Gärtnerei Maas haben schon 50, 60 Jahre auf dem Buckel. „Früher haben wir sie im Winter beheizt“, erinnert sich Maas. Heute bleiben sie im Winter weitgehend leer. Pflanzen werden kurzfristig bei Großmärkten und über Zulieferer gekauft. Die Gärtnerei legt aber trotzdem einen Fokus auf regionale Anbieter. Blumenzucht betreibt Maas mittlerweile nur noch hobbymäßig. „Aus Tradition und Nostalgie, nicht zum Verdienen“, sagt der Gärtner und zeigt auf die große Garten-Freifläche, wo in einer Ecke die selbst gezüchteten Schnittblumen wachsen. „Früher war hier alles voller Pflanzen, heute haben die Hunde hier Platz zum Spielen.“ Noch ein paar Blümchen wandern in Maas’ Sammelkiste: Neuguinea- Lieschen in knalligem Orange und Ziersalbei in Blau. „Der Einjährige blüht den ganzen Sommer über, der Mehrjährige nicht ganz so lange, kommt dafür wieder“, erklärt Maas, wie die Natur für den Kräfteausgleich sorgt. Jetzt haben wir alle Blümchen beisammen und können sie in der großen runden Schale platzieren. Zuerst füllt sie Maas mit Blumenerde auf, die er zwischen seinen Händen zerreibt, um Brocken zu zerkleinern. „Sie sollte kein Unkraut enthalten und leicht gedüngt sein“, erklärt Maas. Das halte für den ersten Monat, danach müsse nachgedüngt werde. „Am besten bei jedem Gießen – ein-, zweimal die Woche – eine kleine Düngermenge hinzugeben“, rät der Gärtner und setzt die Pflanzen in die Schale. Wurzelballen auflockern ist dabei übrigens nicht nötig. Gegossen werden sollte später von außen. Dann bekommen die äußeren Pflanzen genug Wasser ab, und für die wasserscheue Dipladenia in der Mitte reicht’s immer noch. Kombinieren können die Hobbygärtner, wie sie Lust haben. „Blumen, die sich nicht vertragen, gibt’s nicht. Das ist eher bei Gemüse so“, weiß Maas. Und schon warten die nächsten Kunden auf ihn. „Wenn das Wetter gut ist, rennen die Leute los“, sagt seine Frau Traudel: „Nach dem tristen Winter braucht man ja Farbe, Duft, was Schönes.“