Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Kritik an Seniorenbus: Rollstuhlfahrer werden nicht mitgenommen

Die Stadt freut sich über das Engagement ehrenamtlicher Helfer wie Karl-Heinz Lichtenberg.
Die Stadt freut sich über das Engagement ehrenamtlicher Helfer wie Karl-Heinz Lichtenberg.

Teilhabe für mobilitätseingeschränkte Senioren – das ist das Versprechen des Seniorenbusses an die Landauer. Doch: Rollstuhlfahrer können nicht befördert werden. Der Vorsitzende des Clubs Behinderter und ihrer Freunde findet das diskriminierend. Verein und Stadt widersprechen ihm.

Seit inzwischen über einem Jahr fährt der Seniorenbus durch das Gebiet der Stadt Landau und der zugehörigen Stadtdörfer. Damit soll mobilitätseingeschränkten älteren Mitbürgern ermöglicht werden, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Interessierte Senioren können sich für die Mitfahrt anmelden. Gerade erst wurde verkündet, dass man den Montag seit diesem Monat neu in den Fahrplan aufnehmen werde, um noch mehr Senioren befördern zu können. Denn das Interesse ist groß, der Bus ist fast immer ausgebucht. Und es gibt noch mehr Pläne, das Projekt weiterzuentwickeln. Der Seniorenbus, da sind sich der Trägerverein und die Stadt einig, ist ein voller Erfolg. Es gibt nur einen Schönheitsfehler: Rollstuhlfahrer kann der Bus nicht mitnehmen.

Rollstuhlfahrer werden ausgeschlossen

Darauf weist Christian Dawo, Vorsitzender des Clubs Behinderter und ihrer Freunde (CBF) Südpfalz, hin. Tatsächlich ist der selbstständige Ein- und Ausstieg eine Voraussetzung für die Mitnahme. Gerade die am stärksten eingeschränkten Personen würden damit aber von dem Angebot ausgeschlossen, kritisiert Dawo. Sein Verein weise schon seit der Inbetriebnahme auf diesen Missstand hin, doch bisher erfolglos. „Das steht in krassem Widerspruch zu den Zielen des Aktionsplans der Stadt Landau von 2020 zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung.“

Sowohl die Stadt wie auch der Trägerverein des Bürgerbusses müssten deshalb weiterdenken und alle eingeschränkten Personen in das Konzept einbeziehen. Rollstuhlfahrer bräuchten diese kostenlose Beförderungsmöglichkeit am dringendsten, denn gerade sie hätten häufig wenig Geld zur Verfügung. Deshalb nutze es auch nichts, auf kostenpflichtige Fahrdienste für „Behinderte“ zu verweisen.

Seniorenbus könnte die Aufgabe nicht leisten

Gerne würde der Verein auch Rollstuhlfahrer mitnehmen können, sagt Rolf Lüchow, der Vorsitzende des Trägervereins. Doch das sei technisch nicht umsetzbar. Um Platz zu schaffen, müsste ein Sitz ausgebaut werden. Außerdem bräuchte es eine Rampe – ein damit ausgestattetes Fahrzeug sei derzeit für die Stadt und damit auch gerade für den Verein nicht erschwinglich. Senioren mit Klapprollstühlen könnten aber mitfahren, sofern sie selbst einsteigen können. Der Rollstuhl werde dann im Kofferraum verstaut. Und um das möglich zu machen, würden die Fahrer auch mithelfen und die Senioren von hinten anschieben.

Dawo allerdings widerspricht dem Argument der zu hohen Kosten. Der CBF habe selbst umgebaute Fahrzeuge durch Werbung finanziert. Und auch diese würden ohne erhöhte Prämie versichert. Der Verein jedenfalls habe sich äußern müssen, so der Vorsitzende, denn bisher habe vor allem auch von Seiten der Stadt niemand klar Stellung bezogen. Dabei werde der Bus öffentlich mitfinanziert. Rollstuhlfahrer würden aber gleichzeitig durch das fehlende Angebot diskriminiert. Dennoch möchte Christian Dawo niemanden angreifen, wie er versichert. „Der CBF ist dialogbereit.“ Gerne wolle er das Gespräch mit der Stadt und dem Trägerverein des Busses suchen, um eine gute Lösung des Problems zu finden.

Stadt kommt Beförderungspflicht nach

Die Stadt nehme die Kritik ernst, wie Pressesprecherin Sandra Diehl auf Anfrage bekräftigt. Zum Thema der Mitnahme von Rollstuhlfahrern sei sicher auch noch nicht alles gesagt. Das Projekt befinde sich schließlich noch in der Entwicklungsphase und werde ständig evaluiert. Für den Moment sei man aber froh, dass es das ehrenamtliche Engagement gibt, durch das ein zusätzliches Angebot für Senioren geschaffen wird.

Diehl betont, dass die ehrenamtlichen Fahrer die zusätzliche Arbeit gar nicht leisten könnten, schließlich seien sie selbst häufig schon älter. Darüber hinaus seien die Einschränkungen des Angebots im Vorhinein mit verschiedenen Beiräten besprochen worden. Dennoch sei die Stadt Landau natürlich verpflichtet, Menschen im Rollstuhl zu transportieren. Und dieser Verpflichtung komme sie auch nach, sowohl Linienbusse wie auch eines der Flexline-Fahrzeuge seien entsprechend ausgerüstet. Die Flexline kann bei Bedarf gerufen werden.

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