Landau Klavierspiel statt Zornesworte
Der Dorfplatz in Godramstein wird „Margot-Erlenwein-Platz“ heißen. Das hat der Ortsbeirat am Mittwoch vergangener Woche entschieden. Sohn Hans Erlenwein spricht über seine Mutter Margot Erlenwein-Semmler.
Gerade in der Kunstwelt sei sie hoch anerkannt gewesen, erläutert der Godramsteiner. So habe sie zur Kunstgilde in Bad Bergzabern, dem Heinrich-von-Zügel-Verein und vielen anderen Mitgliedern der Kunstszene, regional und über die Pfalz hinaus, „enge und hervorragende Beziehungen“ gehabt. „Sie wollte nicht in den Vordergrund treten“, erinnert sich der 80-Jährige. Sie habe auch nie ihre Werke verkauft, höchstens verschenkt. Aus Rücksicht auf die Nöte anderer Künstler. Sie müssten von ihren Verkäufen leben, Erlenwein-Semmler müsse das eben nicht, lautete der Grund. An ihre „Menschlichkeit und Herzensgüte“ erinnert sich Hans Erlenwein besonders. „Sie hat Glanz in unser Haus gebracht.“ Er habe seine Mutter nicht ein einziges Mal böse gesehen. „Wenn ihr mal was nicht gepasst hat, hat sie eine Weile Klavier gespielt.“ Ihrer Zeit sei sie weit voraus gewesen. Nach der Hochzeit einen Doppelnamen zu führen, sei in den 1930er-Jahren eine Besonderheit gewesen. Hans Erlenwein ist sich sicher, dass er ohne die Fürsprache seiner Mutter niemals hätte studieren dürfen. Mitte des vergangenen Jahrhunderts sei Godramstein noch ein Arbeiterdorf gewesen, eine Künstlerin wie sie habe dort nicht wirklich hineingepasst. Dennoch sei sie sehr beliebt gewesen, sagt der promovierte Agrarwissenschaftler. Erlenwein erinnert sich natürlich sehr gut an seine Mutter. Er schildert eine sehr eindringliche Begebenheit, die sich in den letzten Kriegsjahren zugetragen habe. Sein Vater Artur Erlenwein habe ihn und seine schwangere Mutter im Böchinger Wald in einer Hütte versteckt. Eines Tages seien Nachschub-Lieferungen über dem Waldstück abgeworfen worden. Im ersten Moment habe seine geschockte Mutter die großen Kisten für Bomben gehalten. „Sie hat mich geschnappt und sich über mich geworfen, um mich zu schützen.“ Der Aufprall auf dem Boden sei so heftig gewesen, dass sie eine Fehlgeburt erlitten habe. „Meine Mutter war eine ganz besondere Frau“, sagt Hans Erlenwein.