Landau Keine Rede vom großen Bienensterben

Nein, der Imkerverein Bad Bergzabern will keine Lanze brechen für die Landwirtschaft, in der Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen, was letztlich gerne als Ursache des zum Teil seuchenartigen Bienensterbens ausgemacht wird. In Sachen Bienensterben und der in einem Atemzug angeführten Bestäubungskatastrophe tue Aufklärung Not: Durch die Schlagzeilen in den Medien sei bei der Bevölkerung der Eindruck entstanden, dass die Bienenpopulation in Deutschland zwischen 1989 und 2015 hauptsächlich wegen Spritzmitteln um 75 Prozent zurückgegangen sei. Dem sei nicht so, zumindest nicht in der Südpfalz. Das stellen die Vereinsvorsitzende Evelyne Mandery, ihr Stellvertreter Günther Brendel und Vorstandsmitglied Gerhard Hoffmann für sich klar. Es mag einen Rückgang um 75 Prozent seit 1989 geben, aber hier müsse einfach genauer hingeschaut werden: Von dem Schwund seien neben den Bienen alle bestäubenden Insekten betroffen wie Hummeln, Fliegen oder auch Käfer, so die Imker. Die Bienen selbst hätten kaum ein Problem mit den Pflanzschutzmitteln. In der Südpfalz könne der Verein auch kein gravierendes Bienensterben erkennen. Statt um 75 sei der Bestand an Bienen um „lediglich“ 20 Prozent zurückgegangen – und das zumeist „imkerbedingt“; will heißen, der Besitzer kümmert sich nicht richtig um seine Schützlinge. Dann geht es mit einem Volk ganz rasch zu Ende. Das große Problem ist nach wie vor die Varroa-Milbe. Aber einen Hoffnungsschimmer gibt es: Wie die RHEINPFALZ am Samstag berichtete, haben Forscher, die Chemikalie Lithiumchlorid erfolgreich im Kampf gegen die Milbe getestet. Die Bienen würden durch die Behandlung keinen Schaden nehmen. Aber noch ist die Milbe für 95 Prozent des Bienensterbens verantwortlich, so die Imker. Die Milbe befällt die Brutwaben der Bienen und legt dort ihre Eier ab. Nach dem Schlüpfen ernähren sich die Milbenlarven von den Bienenlarven, verlassen als Jungmilbe die Wabe und heften sich saugend an die Bienen. Rund 50.000 Tiere habe ein Volk im Sommer. Im Winter reduziert es sich auf 10.000 bis 15.000 Bienen. Dann ist die Zeit für den Imker gekommen, einzugreifen. Um die Wintersonnenwende wird in den Stöcken Ameisen- oder Oxalsäure (auch Kleesäure genannt) ausgebracht, was einen Großteil der Milben abtötet. Seit etwa 1980 werde die Varroa-Milbe in Deutschland bekämpft. Anfangs sei mit der Chemiekeule hantiert worden, Davon sei man abgekommen, so Hoffmann. Jedes Bienenvolk in Deutschland sei von der Milbe befallen, erklärt Hoffmann. Wenn man die Bienen richtig pflege und rechtzeitig eingreife, könne der Schmarotzer in Schach und die Population stabil gehalten werden. Dass Bienenvölker sterben, sei nicht von der Hand zu weisen. Doch die würden in der Regel nicht ordentlich gepflegt. Um das Sterben zu verhindern, müsse jedes Jahr im Winter eingegriffen werden. Wird ein Winter ausgelassen, ist das meist das Todesurteil für ein Volk, weil es schon zu schwach ist, um sich zu erholen. Apropos erholen. Hier stellt der Imkervorstand klar: Den gestressten Bienen ihren Honig als Futter zu belassen, damit sie sich schneller genesen, sei nicht nötig. Denn ein gesundes Volk ernte mehr als es selbst verbrauchen könne. Das große Angebot an regionalen Honigprodukten auf Bauern- oder Weihnachtsmärkten spreche schließlich für sich. Und so viel Pflege habe auch ihren Preis: 500 Gramm kosten zwischen sechs und acht Euro. Decken können die deutschen Imker den einheimschen Bedarf allerdings lange nicht: Rund 80 Prozent des in Deutschland verzehrten Honigs werden importiert. „Die Biene kann ohne Hilfe nicht überleben. Die Biene braucht den Menschen“, stellt Vereinsvize Brendel die derzeitige Lage klar. Die Imker betreiben damit aktiven Umweltschutz und sorgen dafür, dass es eben gerade nicht zu einer Bestäubungskatastrophe kommt, sagt Hoffmann. Eine weitere positive Entwicklung: Die Bienenvölker seien immer stärker dezentral zu finden. Das Hobby, Bienen zu halten, werde immer beliebter. So gebe es mittlerweile viele, die sich nur ein, zwei oder drei Völker halten und damit für eine breite Streuung der Bienen sorgen. Info Wer sich für die Imkerei interessiert, kann sich beim Bad Bergzaberner Verein informieren. Es gibt auch Schnupperkurse. Kontakt: evelyn@mandery.de.