Landau / Bad Bergzabern
Kartenterminals: Wie die Südpfälzer mit der Misere umgehen
Im SBK-Markt in Bad Bergzabern geht alles seinen geregelten Gang. Auch wenn die Lesegeräte von für Kartenzahlungen nicht funktionieren. Die Kunden müssen mit Bargeld bezahlen. Seit Dienstag voriger Woche. Es sind 1600 bis 2100 Kunden pro Tag. Mehr, als dass es ein Softwarefehler sein soll, weiß Marktleiter Nicolaus Wrede auch nicht. Aber am Dienstag seien neue Lesegeräte eingetroffen, von einem anderen Anbieter. Sie müssen jetzt noch von den Fachleuten installiert werden. „In der Bäckerei kann mit Karte bezahlt werden, aber die haben ein anderes System“, erzählt der Marktleiter. Während der Pandemie seien die Kunden aus hygienischen Gründen zum Bezahlen mit Karten erzogen worden, jetzt müssten sie sich wieder umstellen. „Viele wissen, dass sie bar bezahlen müssen, aber nicht alle“, fasst Wrede zusammen. Überall sind Schilder aufgestellt, die auf die aktuelle Bezahlsituation hinweisen. Manche Kunden, die kein Bargeld dabei haben, würden auch nicht einsehen, dass sie dann am Automat der Sparkasse, der am SBK steht, Geld holen und Gebühren bezahlen sollen, wenn es nicht ihre Hausbank ist, ist die Erfahrung im SBK.
„Bargeld ist sicherer“
Die am Mittwoch anwesenden Kunden nehmen die aktuelle Situation recht gelassen. „Es ist umständlich, weil man darauf achten muss, dass man genug Bargeld dabei hat, aber es ist halt der Situation geschuldet“, sagt ein junger Mann nach seinem Einkauf. „Ich habe immer Bargeld dabei, Karten sind viel gefährlicher, die können gehackt werden“, meint ein älterer Herr.
Beim Landauer SBK werden aktuell die Geräte erneuert. Unternehmenssprecherin Christin Arto erklärt: „Wir haben neue Geräte bestellt, die jetzt nach und nach ausgetauscht werden.“ Ein Update für die alten Geräte würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Näheres will Arto zu dem Thema nicht sagen. „Die Lage ändert sich schließlich stündlich.“ Das Ganze werde die Märkte wohl noch eine Woche beschäftigten, prophezeit die Sprecherin.
Auch der DM-Markt in Bad Bergzabern war vom Ausfall der Lesegeräte von Verifone betroffen. War, denn der bargeldlose Zahlungsverkehr funktioniert wieder. Wie lange der Ausfall gedauert hat, seit wann und wieso die Geräte wieder funktionieren, dazu wollen sich die Mitarbeiter vor Ort nicht äußern. Arthen-Kommunikation, ein Unternehmen in Karlsruhe, das für die Außenkommunikation von DM zuständig ist, teilt mit, dass der Hersteller mit Hochdruck an der Lösung des Problems arbeite. Barzahlung, Zahlung mit Payback-Punkten, Geschenkkarten und auf ähnlichen Wegen seien weiterhin möglich.
Kunden sind gut informiert
Die Sparkasse Südpfalz hat wenig verständnislose Kunden vertrösten müssen. „Das ganze Problem ist medial recht gut begleitet, die Leute wissen Bescheid“, erklärt sich das Sparkassen-Sprecher Philipp Schneider. Die Sparkasse habe an ihre Kunden eine „niedrig zweistellige“ Anzahl der betroffenen H500-Verifone-Geräte ausgegeben. Auch Schneider weiß nicht, wann diese wieder funktionieren werden. Ein Update sei jedoch angekündigt worden. Das Institut sei wegen des Problems aktiv auf seine Kunden zugegangen – und wenn der Kunde es von sich aus angesprochen habe, habe man ein neues Gerät zur Verfügung gestellt.
Tankstelle hat Probleme
Der Einzelhandel in Bad Bergzabern scheint offenbar nicht vom Ausfall von Lesegeräten betroffen zu sein. Das ist der Eindruck nach einem Besuch in einigen Geschäften in der Innenstadt. „Kein Ausfall“, berichten die Geschäftsleute, die aber auch keine Lesegeräte von Verifon installiert haben.
Probleme mit den EC-Lesegeräten haben hingegen die Tankstellen von Thomas Frühmesser. „Ja, es geht nichts seit Tagen“, bestätigt der Chef des gleichnamigen Familienbetriebs. An den Tankstellen habe man große Schilder aufgehängt, damit die Kunden nicht den Tank füllen und erst dann feststellen, dass sie nicht bargeldlos bezahlen können. Bezahlvorgänge könne er zwar im Kassensystem parken, aber auch nicht unbegrenzt viele. Seine Bank habe auch bereits festgestellt, dass er mehr Bargeld als gewöhnlich vorbeibringe, sagt Frühmesser und lacht. Wann die Firma die Probleme mit seinen Geräten löst, könne er leider noch nicht sagen. Es könnte länger dauern – das habe er Medienberichten entnommen. Immerhin: „Die Frühmesser-Karte geht“, betont er. Das ganze Problem zeige wieder, dass „das gute alte Papier das einzig Wahre ist“, sagt der Landauer.
Mehr Papiergeld nötig
Und auf das „gute alte Papier“ greifen auch viele Menschen in der Region wieder zurück, berichtet Sparkassen-Sprecher Schneider. Seit dem Ausfall der Kartenzahlungsgeräte werde an den Automaten rund 15 bis 20 Prozent mehr Bargeld abgehoben. „Verstärkt an Standorten in der Nähe von Einzelhandelsgeschäften.“ Ein Beispiel: das Automatenhäuschen beim Landauer SBK.
Bevor sich jemand Sorgen macht: Engpässe beim Bargeld gebe es nicht, betont Schneider. Die Sparkassen-Automaten seien nie leer gelaufen. Klar, das Institut müsse sie regelmäßig befüllen – aber auch da gebe es keine Probleme. „Geld war stets verfügbar.“