Landau Käsebrot und andere Abenteuer
„Sie haben mir ein Käsebrot gegeben. Ein Käsebrot. Mit echtem Käse“, das steht so in meinem Tagebuch vom 11. September 2016. Genau an diesem Tag bin ich aus Vietnam nach Deutschland gekommen, um mein Auslandsjahr zu beginnen – mit 17 Jahren auf einem mir fremden Kontinent – und gerade hat Khanh Pham bei der RHEINPFALZ ein Praktikum absolviert. Kein Problem, sie hat ganz schnell fließend deutsch gelernt.
Nachdem ich am Frankfurter Flughafen gelandet war, bin ich mit dem Zug zu meiner Gastfamilie gefahren. Züge in Deutschland sind viel schneller und moderner als Züge in Vietnam. Aber dafür haben wir Betten in den Zügen und Bussen. Ich habe in Deutschland sofort mit meinem Schulpraktikum in einem Kindergarten angefangen, weil meine Klasse auch im Praktikum war. Ich war sehr aufgeregt. In Vietnam darf man erst mit 18 Jahren ein Praktikum machen und arbeiten. Ich hatte zwar schon in Vietnam zwei Jahre lang Deutschunterricht gehabt, für eine Unterhaltung reichte das aber nicht aus. Es war sehr schwierig, weil meine Kollegen im Praktikum nur Deutsch sprachen. Ich konnte mich kaum mit ihnen unterhalten. Trotzdem hatte ich eine schöne Zeit. Nach sechs Wochen in Norddeutschland bin ich hier in der Pfalz angekommen. Meine Gastfamilie wohnt in Kandel. Ich habe fünf Gastgeschwister. In Vietnam bin ich ein Einzelkind. Das war also eine ziemliche Umstellung für mich. Ich besuche in Bad Bergzabern die 11. Klasse des Alfred-Grosser-Gymnasiums. Es hat am Anfang eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, wie die Schule hier funktioniert. Ich war schon bei einem Vorbereitungscamp für Austauschschüler, die nach Deutschland gehen, aber manche Sachen muss man einfach selbst erfahren, um sie richtig zu verstehen. Mein zweites Schulpraktikum habe ich gerade bei der RHEINPFALZ-Lokalredaktion in Landau gemacht. Der Job war für mich nicht ganz neu, weil meine Mutter eine Journalistin ist und ich schon oft bei ihr bei der Arbeit war. Aber ich habe noch nie meine eigenen Artikel geschrieben. Hier durfte ich diese Erfahrung machen, obwohl ich nur eine Praktikantin bin. Ich bin froh, dass die Leute mir vertrauen – gerade weil ich nur drei Jahre Deutsch gelernt habe. Als ich in Norddeutschland war, habe ich Cuxhaven und Bremen besichtigt. In den Winterferien war ich mit meiner Gastfamilie für fast zwei Wochen in der Schweiz. Dort habe ich zum ersten Mal Schnee gesehen und auch Skifahren gelernt. Im Januar besuchte ich Dresden und in den Osterferien Hamburg und Lübeck, um die Gastgroßeltern zu besuchen. Meine Austausch-Organisation hat auch Studienfahrten für uns organisiert. So war ich in Berlin und im Harz. Auf eigene Faust war ich in Frankreich und Italien, um Familienmitglieder und Freunde zu besuchen, die dort studieren. Es ist mir vorher noch nie eingefallen, allein zu reisen. Jetzt nach den Erfahrungen möchte ich mehr reisen. Besonders auch in Vietnam, um mein Heimatland besser kennenzulernen. Im Alltag gibt es natürlich sehr viele Unterschiede. Zum Beispiel: In Vietnam isst man fast immer warmes Essen, hauptsächlich Reis. Wir haben hundert verschiedene Reissorten, dazu noch Reiskuchen, Reisnudeln, Reiswaffeln und vieles andere. Hier in Deutschland ist es genauso, nur eben mit Brot statt mit Reis. In Vietnam habe ich gedacht, dass ich Brot lieber als Reis mag. Aber nach einem Brot-Jahr, freue ich mich wieder darauf, gute Reisgerichte essen zu dürfen. Die Geschäfte in Vietnam sind an allen Tagen bis 21 oder 22 Uhr geöffnet. Manchmal wollte ich in Kandel auch abends und am Sonntag einkaufen gehen, das hat nicht geklappt. Ich kann eine fünfseitige Liste schreiben und es wird immer noch Unterschiede geben. Ohne Witz. Mein Rückflug nach Vietnam ist am 25. Juli. Ich werde noch einen Teil der Sommerferien mit meiner Gastfamilie in Dänemark verbringen. Das heißt, meine Zeit in Deutschland ist schon fast zu Ende. Ich werde alles hier sehr vermissen. Deutschland ist jetzt mein zweites Heimatland. Hoffentlich kann ich wiederkommen, und noch mal Käsebrot essen.