Landau
Jennifer Braun: Von Frauen und beim FCK viel gelernt
Die Landauerin, die in Bornheim aufgewachsen ist, ist kein Neuling auf der politischen Bühne. Als Büroleiterin und persönliche Referentin der Speyerer Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) kennt Jennifer Braun die Abläufe in einer Stadt, auch die Anforderungen und Fallstricke. Die Co-Vorsitzende des SPD-Ortsvereins führt auch in einer Doppelspitze den SPD-Unterbezirk Südpfalz. Ihre politischen Ambitionen hat sie im November 2021 deutlich gemacht, als sie gegen Maximilian Ingenthron bei der Nominierung eines SPD-Oberbürgermeisterkandidaten antrat – und unterlag. Dass sie anschließend den Wahlkampf für Ingenthron entscheidend mitorganisierte, gehört zu ihrem Verständnis von Fairness.
Nun geht sie wieder in den Ring, wohlwissend, dass die Koalition sich bereits festgelegt hat. Dennoch habe sie frühzeitig mit dem Gedanken gespielt, sich zu bewerben. Die SPD-Fraktion im Stadtrat schickt sie mit einem einstimmigen Votum in die Wahl am 18. Juli im Stadtrat.
Sie will sich einbringen
Dem könnte sie in der nächsten Legislaturperiode ebenfalls angehören, denn bei der Kommunalwahl 2024 möchte sie für die SPD kandidieren. Wenn sie nicht ab Januar hauptamtliche Beigeordnete in Landau ist. Das Rüstzeug dafür jedenfalls bringe sie mit, beruflich wie persönlich. „Ich möchte mich einbringen und mitgestalten in dieser Stadt.“
Aus idealistischen Gründen 2013 in die SPD eingetreten, kämpft die selbstbewusste Verwaltungsangestellte für Chancengleichheit. Der soziale Zusammenhalt ist ihr wichtig. „Dass alle Menschen eine gute soziale Infrastruktur haben, ihrem Sport im Verein nachgehen können und die Kinder genau die Erziehung und Bildung erfahren, die sie brauchen, während zugleich ihren Eltern eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht wird und auch die Großeltern wohnortnah versorgt werden können“ formuliert sie es am Dienstag im Stadtrat bei der Kandidatenvorstellung.
Freie Träger stärken
Damit alle, denen Sozialleistungen zustehen, auch davon profitieren, müsse die Information dazu niedrigschwelliger angelegt werden, betont Braun. Sie tritt für die Schaffung eines städtischen Inklusionsbetriebes ein, die Stärkung der freien Träger, die die Stadt im Sozialbereich etwa durch die Caritas bei der Unterbringung und Betreuung von wohnungslosen Menschen entlasteten, die Weiterführung des Landau-Passes. Alle Wohnquartiere möchte sie dadurch stärken, dass das Bundesprogramm „Soziale Stadt“ ausgeweitet wird. Sie möchte dezentrale Familienzentren und Beratungsstellen sowie Stadtteiltreffpunkte auf- und ausbauen, in Kooperation mit den vielen, hochengagierten Vereinen und Institutionen in Landau.
Jennifer Braun hat Politik und Geschichte in Mainz und Heidelberg studiert. Während des Hauptstudiums hat sie zwei Tage in der Woche als studentische Mitarbeiterin bei der damaligen SPD-Landtagsabgeordneten Christine Baumann gearbeitet. „Von ihr habe ich viel gelernt. Auch, dass man in der Politik viel bewirken kann, sei es mit einem Anruf, einem Brief oder einer Gesprächsvermittlung.“ Neben Baumann haben insbesondere die ehemalige SÜW-Landrätin Theresia Riedmaier und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sie geprägt. „Ich hatte großes Glück, dass ich so nah an diesen Frauen war und erlebt habe, wie sie Politik machen“, sagt die 38-Jährige.
Glühender FCK-Fan
Bevor sie in der Staatskanzlei der Landeschefin zugearbeitet hat, machte sie eine ganz andere, inspirierende Erfahrung. Jennifer Braun kam als Volontärin in die Presseabteilung des 1. FC Kaiserslautern, in der Saison 2011/12. Der FCK musste den Abstieg verdauen. Emotionen pur. „Danach war ich eigentlich gewappnet für alles, was kommt“, sagt Braun, die schon immer glühender FCK-Fan war. Die Zusammenarbeit mit Fußballern und auch der Öffentlichkeit hat sie anschließend als Referentin beim Hessischen Fußballverband noch vertieft.
Heute ist sie dem Fußball und dem Sport überhaupt nur noch als Fan verbunden. Mit 27 Jahren hat die ehemalige Handballerin ein Kreuzbandriss aus der Bahn geworfen.
Abgeleitet von ihrem Geburtsdatum im Oktober bezeichnet sich Braun selbst als ausgeglichene Waage. Die Suche nach Ausgleich zeichne ihre Persönlichkeit aus. Landau brauche wieder mehr Wir und viel weniger Gegen, unterstreicht sie. „Wir brauchen faire Auseinandersetzungen und einen ehrlichen, aufrichtigen Umgang miteinander. Ein Ringen um die besten Lösungen, den Willen, auch mal einen Schritt zurückzutreten, um Kompromissen den Weg zu bereiten, ohne dabei das große Ganze aus dem Blick zu verlieren.“ Und sie bricht eine Lanze für die Mitarbeitenden in den Verwaltungen. „Die werden oft schlechter gemacht als sie sind.“