Landau Ja-Wort im Zimmer oder im Saal?
Zwitschernde Vögel, bunte Blumenwiesen und warme Sonnenstrahlen – Heiratswillige haben bezüglich der Jahreszeit klare Favoriten: Von Mai bis August ist die klassische Hochzeitssaison. Wer in diesen begehrten Monaten heiraten will, muss entsprechend frühzeitig geplant haben. Bei Konditorei, Catering, Restaurant, Fotograf, Musikern, Brautkleid, Hochzeitsanzug und den Trauringen als Symbol ewiger Verbundenheit kommen schnell ganz ordentliche Summen zusammen. Die Kosten für das Standesamt erscheinen dagegen als Lappalie. Doch auch die können stark schwanken, denn meistens sind die Ausgaben davon abhängig, wie viele Gäste bei der standesamtlichen Trauung dabei sein sollen. Da es immer weniger Brautpaare in die Kirche ziehe, würden immer häufiger große Räume gebucht, sagt Uwe Hellmann, Standesbeamter in Edenkoben. „Vor 30 Jahren ging man mit maximal zehn Leuten ins Standesamt. Heute kommen Paare, die wollen ungelogen zusammen mit 250 Gästen standesamtlich heiraten“, betont er. Dass immer seltener kirchlich geheiratet wird, bemerkt auch der Landauer Pfarrer und Dekan Axel Brecht. Sowohl Taufen als auch Trauungen seien rückläufig. Und woran liegt das? „Die Bindung an die Kirche ist nicht mehr so stark. Oft heiraten nur noch die Leute kirchlich, die innerlich wirklich davon überzeugt sind.“ In den vergangenen Jahren sei die Zahl der kirchlichen Trauungen aber stabil mit leicht steigender Tendenz, ergänzt Brecht. „Der Wunsch nach einem spannenden standesamtlichen Ambiente wird immer größer. Die Anforderungen haben sich verändert“, betont Hellmann. Und die Motive für die Trauung? „Wir hoffen doch, dass die Liebe nach wie vor irgendetwas damit zu tun hat“, scherzt er. „Wenn man sich aber anschaut, wie viele Leute direkt vor Jahreswechseln noch schnell heiraten, dann scheinen da schon auch ein wenig die steuerlichen Vorteile mitzuschwingen“, ergänzt er halb im Spaß, halb im Ernst. In diesen Fällen genügt dann wohl meistens das gebührenfreie Trauzimmer. Denn ein solches muss es immer geben, wie der Landauer Standesbeamte Leander Völlinger betont. Dort fallen nur die Kosten für die Trauung, nicht aber für den Raum an. Das Trauzimmer im Landauer Rathaus stößt aber schnell an seine Grenzen. Eltern, Großeltern und Geschwister unterzubringen, wird schwierig. Mit mehr als elf Leuten muss man in den historischen Ratssaal ausweichen. Und dort entstehen Extragebühren in Höhe von 130 Euro. Nicht unbedingt nachvollziehbar, aber dennoch rechtens ist dieser Zuschlag, wie Eveline Dziendziol, Pressesprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, erklärt: „Die Preise für die Trauungen an sich regelt die Landesgebührenverordnung. Die Verwaltung der Räume ist aber losgelöst von den Traugebühren und liegt in der Organisationshoheit der einzelnen Kommunen.“ Ein Grund für den erhöhten Preis sei in diesem Fall das historische Ambiente, erklärt Ricarda Bodenseh von der Pressestelle der Stadt Landau. Außerdem werde der Raum dann extra für den Zeitraum der Trauung geblockt, bestuhlt und dekoriert. Auch in Annweiler ist der Platz im normalen Trauzimmer begrenzt. Zwölf Sitz- und einige Stehplätze gibt es. Mit größeren Hochzeitsgesellschaften geht es in den Sitzungssaal, der 70 Euro extra kostet. So unterschiedlich wie die Brautpaare sind auch die Trauungen, weiß Anette Braun, Leiterin der Ordnungsverwaltung und Standesbeamtin: „Viele heiraten erst mal standesamtlich und im nächsten Jahr dann kirchlich. Manche heiraten erst nach Jahren kirchlich, andere nie. Manche entscheiden sich ganz spontan für den Bund der Ehe, andere haben eine Vorlaufzeit von fünf Jahren. Das ist immer schön und bunt und spannend.“ Einen Wandel bemerkt auch die Herxheimer Standesbeamtin Elke Stephan: „Die Tendenz, sich nur standesamtlich trauen zu lassen, ist steigend. Viele heiraten samstags, ohne Kirche und in einer sehr großen Gesellschaft. 60 Leute sind keine Ausnahme.“ In den normalen Ratssaal passen 40 Leute. Da der aber für die nächsten zwei Jahre renoviert wird, geht es solange ins Museum. Deutlich mehr Leute passen in die Villa Wieser. Die bietet 80 Plätze, kostet aber auch 150 Euro mehr. Wer sich im Standesamt Landau-Land das Ja-Wort gibt, kommt etwas günstiger davon. Dort passen 20 Gäste in das Trauzimmer. Der Ratssaal bietet Platz für 60 Gäste und kostet 80 Euro. Kosten und Plätze unterscheiden sich also je nach Standesamt. Generell sind es aber immer die gleichen Fragen, die die Gebührenhöhe bestimmen: Muss bei der Prüfung der Ehevoraussetzung nur deutsches oder auch ausländisches Recht beachtet werden? Soll die Ehe innerhalb oder außerhalb der allgemeinen Öffnungszeiten des Standesamtes und innerhalb oder außerhalb des Amtssitzes geschlossen werden? Wie viele Gäste sollen dabei sein? Um aber wirklich erhebliche Kosten zu sparen, sollten nicht nur Tag und Ort der Trauung mit offenen Augen ausgewählt werden. „Jede dritte Ehe wird geschieden und die wenigsten Leute einigen sich dabei friedlich“, weiß Claudia C. Moossen, Fachanwältin für Familienrecht in Landau. Und verglichen mit Vermögensauseinandersetzungen, Anwaltskosten und Gerichtsprozessen ist die Wahl der Hochzeitslocation dann finanziell betrachtet doch eher unerheblich.