Landau In der Fremde angekommen
Als Mohamad Al-Alwani vor vier Jahren nach Deutschland kam, stand er vor dem Nichts. Nach seiner Flucht aus Syrien fand er sich alleine in einem fremden Land – ohne Familie, ohne Freunde, und ohne die Möglichkeit, sich zu verständigen. Heute spricht der 22-Jährige fließend deutsch und absolviert beim Autohaus Fiat Weiss in Landau eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker. Al-Alwanis Heimatstadt Hama war früh ein Zentrum der Proteste in Syrien, die später in den bis heute tobenden Bürgerkrieg münden sollten. 2011 waren hier um die 100 Oppositionelle von Streitkräften der Regierung ermordet worden. Immer wieder wurden Menschen verhaftet oder verschwanden, so Al-Alwani. Seine Flucht führte ihn 2015 über den Libanon und die Türkei nach Griechenland. Von hier aus reiste er zu Fuß, mit dem Bus und dem Zug nach Deutschland – 22 Tage lang dauerte diese letzte Etappe. In München angekommen, wurden ihm von der Polizei Papiere ausgestellt. Weitere Stationen waren Trier und schließlich Essingen bei Landau. „In der ersten Zeit habe ich richtig gelitten“, sagt Al-Alwani.
Er lebte mit 14 anderen Flüchtlingen in einem heruntergekommenen Haus, musste sich ein kleines Zimmer mit drei anderen Teilen. „Als ich dort angekommen bin, habe ich erstmal geweint.“ Die ersten acht Monate habe er fast nur in seinem Bett verbracht. „Ich bin nur aufgestanden, um in den Supermarkt zu gehen“, erzählt Al-Alwani. Dafür sei er nach Landau geradelt, weil er sich eine Zugfahrkarte nicht haben leisten können. Das größte Hindernis sei die Sprache gewesen. Deutsch zu lernen, erschien ihm wie ein unüberwindbares Hindernis. Den Sprachkurs hatte er nach ein paar Versuchen frustriert abgebrochen – kaum vorstellbar, wenn man hört wie gut er heute deutsch spricht. Auf Druck des Sozialamtes begann er schließlich einen neuen Kurs: „Mir ist irgendwann klar geworden: So geht’s nicht, ich muss lernen, ich muss klar kommen.“
Alles immer zweimal lernen
Im vergangenen Jahr wurde er bei der Landauer Handwerkskammer vorstellig, arbeitete vier Monate als Fliesenleger, ehe er ein Praktikum im Autohaus Weiss begann. Dort stellte Al-Alwani sich so gut an, dass er von Inhaber Michael Weiss eine Ausbildungsstelle angeboten bekam. „Ich bin sehr zufrieden mit ihm. Er hat Bock, er will Gas geben“, sagt Weiss. Als Neuling im deutschen Schulsystem schlage er sich an der Berufsschule beachtlich gut.
Die Ausbildung als Mechatroniker mit ihren Physik- und Mathematikelementen ist auch für Muttersprachler kein Kinderspiel. „Ich muss immer alles zwei Mal lernen“, sagt Al-Alwani. Einmal für das sprachliche, und einmal für das fachliche Verständnis. Sein Chef freut sich, durch die Integration Al-Alwanis auch soziale Verantwortung übernehmen zu können: „Wir hätten hier auch Platz für weitere Flüchtlinge.“ Das Problem sei bei den Meisten die Sprache. Nicht jeder sei so lernfähig und so motiviert wie Al-Alwani. „Man muss hier auch immer die psychischen Einzelschicksale sehen“, so Weiss. „Sich in einer fremden Kultur zurecht zu finden und eine neue Sprache zu lernen, ist für jeden eine Herausforderung. Wer zusätzlich noch eine traumatische Vergangenheit hinter sich hat, dem fällt es noch schwerer, sich dafür zu öffnen.“ Das Einstellen von Flüchtlingen muss aber auch nicht aus purer Selbstlosigkeit geschehen, findet Weiss: „Die meisten handwerklichen Berufe finden hier doch keine Auszubildenden mehr. Vielleicht können wir das durch die Flüchtlinge kompensieren.“
Nach all den Schwierigkeiten fühlt sich Al-Alwani heute deutlich wohler in seiner Haut. Er lacht viel, ist beliebt bei den Kollegen. Die Flüchtlingsunterkunft in Essingen hat er verlassen, wohnt heute in einer Wohnung in Landau. Was seine Zukunft betrifft, so will er es Schritt für Schritt angehen. Er möchte sich eine Existenz in Deutschland aufbauen – vielleicht aber auch einmal zurück nach Syrien gehen, um dort seine Familie wieder zu sehen.