Landau
IGS-Schüler als Ingenieurteam: Wie man einen Mini-Rennwagen baut
Eine Schülergruppe hat die IGS Landau im Februar bei einem Rennwettbewerb repräsentiert. Nach ihrem Erfolg im Regionalentscheid geht es Ende Mai um die deutsche Meisterschaft. Aber Vorsicht: Wir reden nicht über einen Sportwettkampf. Und selbst der Name der Disziplin, „STEM Racing“, ist mindestens ein bisschen irreführend. Es geht um mehr als nur darum, als Schnellster im Ziel zu sein.
Die Abkürzung STEM steht für „Science, Technology, Engineering, Mathematics“ – es ist die englische Entsprechung des deutschen MINT, das für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik steht. Ins Rennen geschickt werden von den Schülern selbst geplante und hergestellte kleine Rennwagen. Von einer Minigaskartusche angetrieben, sollen sie blitzschnell eine gerade Strecke entlangrauschen.
„Die erreichte Zeit ist am Ende aber nur einer von mehreren Aspekten, die in die Bewertung einfließen“, erklärt Lehrer Jan Hausstein, der das Projekt mit seiner Kollegin Christin Jensen betreut. Die Juroren nehmen vielmehr die Arbeit des ganzen Rennstalls in Augenschein. Es wird der Prozess einer Produktentwicklung durchgespielt – von der technischen Entwicklung über Design, Marketing und Präsentation bis hin zur „Corporate Identity.“
200 Stunden Freizeit investiert
Jeder der momentan fünf Schüler aus der zehnten und elften Jahrgangsstufe hat im Team „Moving Forward“ seinen eigenen Aufgabenbereich. Tyrese Fay ist für die Sponsorenakquise und das Finanzmanagement zuständig. Lennard Hoecker und Felix Reißer haben das Auto geplant, entworfen und hergestellt. Fridolin Bludovsky ist der Social Media-Manager. Die Fünfte im Bunde hat den Spitznamen „Cherry“. Sie ist die Grafikdesignerin der Gruppe, hat das Teamlogo entworfen und die Präsentationsmappen gestaltet. Es wird klar, dass der STEM-Racing Wettbewerb nicht nur was für Mathe- und Physikgenies ist, sondern ein multidisziplinäres Projekt, bei dem vor allem Teamarbeit zählt.
Und das Team hat innerhalb weniger Wochen bereits einen weiten Weg zurück gelegt, alleine mit den jeweiligen Aufgaben, in Onlinesitzungen, dem Gruppenchat oder gemeinsam im Klassenzimmer. Etwa 200 Stunden Freizeit habe jeder von ihnen aufbringen müssen, so Hausstein. Auch in den Weihnachtsferien. Die Dimension des Projekts war ihnen im November noch nicht ganz klar. Aber so ist das später in der Arbeitswelt ja auch gerne mal.
Hilfe von lokalen Partnern
Der Moment der Wahrheit kam Ende Februar beim Regionalwettbewerb in Heinsberg. „Das war superspannend“, erinnert sich Lennard Hoecker. „Wir wussten bis wir vor Ort waren gar nicht, ob und wie schnell unser Modell überhaupt fahren würde.“ Schließlich gibt es an der IGS keine Teststrecke oder ähnliches. All die Planung und die Theorie wurde nun auf die Probe gestellt – mit einem guten Ergebnis.
Während die Ingenieure sich um das Rennen kümmerten, präsentierten andere Teammitglieder das Projekt vor einer Jury aus Industrieprofis, und zwar in englischer Sprache. Auch das war ganz schön spannend für die Nachwuchsentwickler. „Das Gute war aber, dass sie bereits bei einigen Gelegenheiten außerhalb der Schule über ihre Arbeit gesprochen hatten, zum Beispiel mit den Sponsoren“, so Jensen.
Die Sponsoren unterstützten das Team nicht nur finanziell, sondern auch materiell, mit Zeit und mit Wissen. So konnten Lennard und Felix ihr Modell mit einem 3D-Drucker der Firma Siemens herstellen. Weil der Flitzer das Mindestgewicht von 55 Gramm aber deutlich übertraf (und damit etwas langsamer flitzte als erhofft), geht es vor der deutschen Meisterschaft zu Maas Frästechnik. Dort wird mit einem neuen Verfahren ein hoffentlich leichteres Rennauto produziert. Hilfe gab es zum Beispiel noch aus der TU Kaiserslautern, von Gummi Mayer oder Stabila in Annweiler.
Die Konkurrenz hatte zum Teil mehr Geld
Der Mehrwert für die Teilnehmer liegt nicht nur in den Erfahrungen, die sie bei ihren jeweiligen Aufgaben sammeln, sondern in der Herausforderung, ein komplexes Projekt in Teamarbeit zu verwirklichen, und dabei auch mit Menschen aus der weiten Welt außerhalb der Schulmauern zusammen zu arbeiten.
Beim Regionalwettbewerb belegte Team Moving Forward am Ende den 9. Platz und darf nun im Mai Rheinland-Pfalz bei der Deutschen Meisterschaft in Neuburg an der Donau vertreten. Gut möglich, dass die vertretenen Firmen dort ein Auge auf besonders talentierte Teammitglieder werfen. Schließlich ist es Sinn der Sache, motivierte junge Menschen in die Branche zu locken. Jensen und Hausstein sind stolz auf ihren fleißigen Rennstall. Und wollen dabei auch nicht Lucie Husfeldt und Maya Clancy unerwähnt lassen, die nach dem Regionalwettbewerb ausgestiegen sind.
Die Konkurrenz beim Regionalwettbewerb habe teilweise bereits deutlich länger zusammengearbeitet und ein größeres Budget zur Verfügung gehabt. „Da sind wir schon sehr zufrieden damit, in der kurzen Zeit so weit gekommen zu sein“, sagt Hausstein.
Das heißt aber nicht, das die Gruppe jetzt den Fuß vom Gas nimmt. Denn bei der deutschen Meisterschaft wird auch der Fortschritt bewertet, und nicht das Produkt aus der ersten Runde nochmal aufgewärmt. Ist das Auto schneller, das Social-Media-Following größer geworden? Wie hat sich die Finanzierung entwickelt? Es wird also wieder anstrengend in den kommenden Wochen. Aber nur so gehts vorwärts.
Info
www.moving-forward-racing.de
Instagram: @movingforward.racing